Kultur:Abschied mit Schuss

Lesezeit: 2 min

Kultur: Mit einem reduzierten Bühnenbild und zwei nostalgischen Farbtupfern tritt das Ensemble der Taschenoper zur Abschiedsinszenierung an.

Mit einem reduzierten Bühnenbild und zwei nostalgischen Farbtupfern tritt das Ensemble der Taschenoper zur Abschiedsinszenierung an.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Zum letzten Mal heißt es an diesem Freitag: Die Puchheimer Taschenoper feiert Premiere. Nach mehr als 20 Jahren verabschiedet sich das einmalige Projekt mit einer Inszenierung des Freischütz.

Von Florian J. Haamann, Puchheim

Es ist das doppelte Ende einer Ära, wenn an es diesem Freitag zum letzten Mal heißt: Die Puchheimer Taschenoper feiert Premiere. Seit seiner Gründung 2004 hat das Ensemble mehr als 20 Werke auf die Bühne des Kulturzentrums gebracht, in seiner einmaligen, unverwechselbaren Art: gekürzt, aus Platzgründen mit kleinem Orchester und immer auf Deutsch und modern adaptiert - und vor allem immer höchst unterhaltsam. Bereits vier Jahre nach der Gründung 2008 hat das Team für seine herausragende Arbeit den Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung erhalten. Nun aber, mit einer Aufführung des Freischütz von Carl Maria von Weber, verabschiedet sich dieses besondere Projekt aus dem kulturellen Leben des Landkreises. Denn Michael Kaller, der das Puchheimer Kulturzentrum seit 2001 leitet, die Taschenoper gegründet und bis heute verantwortet hat, geht in den Ruhestand - und damit eben auch sein Herzensprojekt.

Bei einer der letzten Proben ist aber noch alles wie immer: Auf der Bühne singen sich die Musiker ein, ein Techniker bereitet Licht und Ton vor, und Kaller nimmt an einem - an seinem - Tisch in der Mitte des Raumes Platz. Vor sich Block und Stift, um sich Notizen zu machen. Und wie immer steht auch etwas Süßes auf dem Tisch, damit sich Künstler, Musiker und Chef während es langen Abends stärken können. Die schwarzen Vorhänge des Saals sind zugezogen, von der Bühne erklingt der Auftakt der Ouvertüre der romantischen Oper. Auf dem transparenten Vorhang, der Orchester und Schauspieler trennt, steht in großen roten Buchstaben: "Achtung, Aufnahme läuft". Denn das Bühnenbild teilt sich dieses Mal in ein Tonstudio und das Zimmer der Förstertochter Agathe, um deren Herz in der Oper geschossen wird.

Die ein oder andere nostalgische Erinnerung darf nicht fehlen

Dabei hat es sich das Team nicht nehmen lassen, die Inszenierung mit nostalgischen Anspielungen an Kaller anzureichern. So finden sich in Agathes Zimmer das rote Sofa und der rote Sessel, auf denen Kaller jahrelang bei den Live-Programmvorstellungen, zu denen immer einige Künstler der kommenden Spielzeit eingeladen waren, seine Gäste begrüßt hat. Ganz emotional wird es an der Stelle, an der in Agathes Zimmer ein "Ahnenbild" von der Wand fällt und von der Cousine wieder angebracht wird. Als es auf den Vorhang projiziert wird, zeigt es, leicht abstrakt, aber dennoch erkennbar, ein Porträt Kallers. Minutenlang hängt er, in einem goldenen Rahmen und übergroß, über der Bühne.

Doch trotz dieser kleinen Reminiszenzen ist die Inszenierung weit entfernt von purer Nostalgie oder melancholischer Abschiedsstimmung. Vielmehr ist noch einmal ein stimmlich eindrucksvolles, energiegeladenes Ensemble auf der Bühne zu sehen. Allen voran Silke Wenzel, die seit der ersten Aufführung 2004 Teil der Taschenoper ist, die in der Rolle der Agathe auftritt. Ihr zur Seite stehen Georgia Tryfona als Cousine Ännchen, Alexander Thomas Geiger als Brautwerber Max und und Florian Dengler als verschmähter und auf Rache sinnender Kaspar. Dengler ist damit zum fünften Mal bei der Taschenoper zu hören. Auch das Orchester besteht überwiegend aus Musikern, die dem Projekt seit vielen Jahren treu sind. Einziger Neuzugang ist der Cellist Stefan Schmidt.

Begleitet wird die Oper mit einer Ausstellung zum Thema "201 Jahre Freischütz" auf der Galerie des Puc. Schon der Titel verrät, dass auch die Freischütz-Aufführung durch die Pandemie ein Jahr verschoben werden musste. Zu sehen sind Exponate aus dem Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden.

"Der Freischütz", Puchheimer Taschenoper, Puchheimer Kulturzentrum. Premiere an diesem Freitag, 7. Oktober, 20 Uhr. Weitere Termine 8., 14., 15. und 16. Oktober, jeweils 20 Uhr. Karten ab 10,80 Euro gibt es unter anderem online unter www.puc-puchheim.de

Zur SZ-Startseite

Fehlende Kita-Plätze
:Fehlender Kindergartenplatz wird für junge Familie zum Problem

Weil ihre Tochter keine Betreuung bekommt und die Elternzeit ausläuft, muss eine Fürstenfeldbruckerin ein Jahr unbezahlten Urlaub nehmen. Auch in anderen Kommunen gibt es nicht genug Personal.

Lesen Sie mehr zum Thema