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Puchheim:Werbung für neues Pflegemodell

Freie Wähler wollen in Puchheim Pilotprojekt "Buurtzorg" starten

Mit einem Programm aus den Niederlanden hat der Landkreis schon Erfahrung gesammelt, und nun könnte nach "Opstapje" als Spiel- und Lernprogramm für Kleinkinder mit "Buurtzorg" ein niederländisches Modell für den Pflegebereich kommen. Die Freien Wähler in Puchheim schlagen dieses, auf einer solidaritätsorientierten Kombination beruhendes Angebot, für ein Pilotprojekt vor. "Bürtsorg", wie es ausgesprochen wird, heißt so viel wie Nachbarschaftshilfe, und das ist schon wörtlich zu nehmen. Denn das seit mehr als zehn Jahren in den Niederlanden erprobte Modell sieht vor, dass der zu pflegende Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird, dass er umsorgt wird von seinen Pflegern, ebenso von Familienangehörigen und Nachbarn oder auch Menschen, die sich nur stundenweise einbringen können. Stefan Schleicher, Kandidat auf der FW-Stadtratsliste, sieht Puchheim als geeignet an, um ein Pilotprojekt zu starten: "Die Stadt Puchheim mit ihren breit gefächerten sozialen Strukturen hat meiner Meinung nach das Potenzial, damit die gesamte Pflegebranche in Bayern zu revolutionieren."

Wie die Freien Wähler informieren, sind für die unmittelbare Pflege einzelne Pflegeteams zuständig. Diese bilden sich aus höchstens zwölf Pflegekräften, sie organisieren sich selbst ohne hierarchische Strukturen, alle Entscheidungen werden bedürfnisorientiert getroffen. Im Vordergrund steht die Pflege und kein Pflegekatalog. Das Ganze ist weniger bürokratisch, "selbst die Abrechnung wird zur einfachen Nebensache, weil sie nicht nach komplexen Kriterien, sondern schlicht nach Zeit erfolgt". So bleibe "automatisch mehr Zeit für die Pflege", und durch das Modell entstehe eine "Pflegecommunity". Die Erfahrung aus den Niederlanden belege, dass sichtrotz eines 24-Stunden-Service für die Pflegenden eine Zeit- und Kostenersparnis von bis zu 50 Prozent erzielen ließe. FW-Bürgermeisterkandidatin Gudrun Horn kündigte an, das Modell dem Seniorenbeirat präsentieren zu wollen.

© SZ vom 17.01.2020 / ecs
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