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Film über Fest:Was war und wie es wieder wurde

Die Dokumentation zeigt auch sehenswerte Luftaufnahmen.

(Foto: Stadt Puchheim/Vera Greif/oh)

Vera Greif dreht im Auftrag der Stadt Puchheim einen Dokumentarfilm über das Volksfest. Sie zeigt darin den Niedergang und die Wiederbelebung der Traditionsveranstaltung, ohne die professionelle Distanz zum Thema zu verlieren

Ja, der Titel. "Puchheimer Volksfest - I mog's einfach" ist nicht das Knackigste an dem durchaus soliden Dokumentarfilm von Vera Greif. Doch wer 23 Minuten lang zugeschaut hat - so lange dauert es bis zum Abspann - wird verstehen, warum die Puchheimer ihr Volksfest wieder mögen und warum ihr Bürgermeister Norbert Seidl am letzten Tag des diesjähriges Festes sagt, es sei "supergeil" gewesen.

"Es ist das Volksfest des Bürgermeisters", sagt der erfahrene Wirt Jochen Mörz im Film, und Mörz meint damit nicht, dass es ein Fest für den Bürgermeister ist. Es ist das Fest, das Seidl und seine Mitstreiter Harald Heitmeir, Vanessa Bauer, Vanja Rascanin, Isabelle Wipiewski und Rainer Zöller wiederbelebt haben und jedes Jahr aufs Neue beleben müssen. Dass Puchheim für die Belustigung des Volks auch Geld in die Hand nehmen muss, erschließt sich in Greifs Film wie selbstverständlich. Schließlich dokumentiert die gebürtige Puchheimerin Aufstieg und Niedergang des Festes. Nach den Aussagen der ehemaligen Festwirtin Petra Schöniger, dem Vereinsverbandsvorsitzenden Horst Jesse, der Ex-Bürgermeister Erich Pürkner und Herbert Kränzlein wird deutlich, an welchem Punkt die Stadt wieder angesetzt hat, an die Tradition wieder anzuknüpfen.

Wie jeder gute Dokumentarfilm lebt auch der von Vera Greif von O-Tönen der Zeitzeugen und von historischem Filmmaterial - schwarz-weiß, leicht verwackelt und authentisch. Die Szenen und Interviews sind eingebettet in die Chronologie des diesjährigen Volksfestes, das weit früher beginnt, als es am Anfang den Eindruck hat. Da nämlich drischt der Bürgermeister den Wechsel in das erste Fass Festbier. Bis er das unter dem Jubel des Publikums tun kann, und das zeigt Greif in etlichen, manchmal fast intimen Szenen, ist enorm viel zu vorzubereiten. Dass es durchaus mehr Filmmaterial aus der anderthalbjährigen Produktionszeit zum Hineinschneiden gegeben hätte, darf man Greif gerne glauben. Allein die Gesamtlänge war auf diese 23 Minuten begrenzt.

Die Stadt hat den Film in Auftrag gegeben, aber zum Glück ist es keiner dieser Imagefilme geworden, in denen gelobhudelt wird und in denen nur die besten, schönsten, farbigsten Szenen verwendet werden dürfen. Der werbliche Charakter des Films ist, wenn überhaupt, sehr dezent. Greif dokumentiert, was war und wie es wieder wurde. Es kommt nicht heraus, dass sie im Laufe der Dreharbeiten von der Volksfest-Kritikerin zur Fest-Liebhaberin geworden ist, wie sie bei der Premiere im Puchheimer PUC erzählte. Es ist eine mit journalistischer Distanz erzählte Geschichte darüber, wie aus Unwirtschaftlichkeit, Desinteresse und Ignoranz eine Traditionsveranstaltung zugrunde gegangen ist.

Die Gefahr bei Langzeitprojekten liegt für die professionellen Beobachter darin, dass sie mit der Zeit zu Beteiligten werden und allzu nah an den Geschehnissen sind. Zu bemerken wären solche Kumpaneien etwa in Interviewfragen oder arg geschönten Aufnahmen. Das ist Vera Greif, die sich mit den Protagonisten ihres Films außerordentlich gut versteht, aber keiner Stelle nachzuweisen.

Dass sie filmisch dokumentieren kann, hat Vera Greif seit ihren Frühwerken, wie zum Beispiel das immer noch sehenswerte Porträt einer Jägerin, unter Beweis gestellt. Dieses Mal hat sie während des Einzugs zum Volksfestplatz drei Kameras eingesetzt und damit viele Szenen erfasst, die ein Einzelner nicht hätte sehen können. Auch Drohnenaufnahmen sind dabei, aber sparsam verwendet, weil sonst der Effekt nachlässt. Und bei den Interviews mit den überwiegend älteren Menschen ruht die Kamera auf einem Stativ statt wie heute vor allem in den Magazinsendungen üblich hin- und herschwenkend den Zuschauer seekrank zu machen.

Wenn der Titel nicht wäre, könnte man mit einem solchen Film auch bei einem Wettbewerb einreichen, man könnte ihn aber über die Präsentation in Youtube hinaus, wo er demnächst zu finden sein wird, durchaus in den örtlichen Kinos zeigen. Puchheim hat zwar keines, aber die Besucher des Volksfestes kommen ja auch aus Gröbenzell, Germering oder Fürstenfeldbruck, wo es den Lichtspielhäusern ohnehin gut anstünde, wieder die Form des Vorfilms zu pflegen. Ein Mehrwert für jeden guten Kinofilm.