Nach Vorfällen mit Betrunkenen in der Vergangenheit Bier-Bannmeile besteht Feuerprobe

Beim Einzug zum Volksfest bleibt die Flasche Bier in der Hand erlaubt. Ansonsten wird es auch im nächsten Jahr eine Bannmeile für Alkohol geben.

(Foto: Günther Reger)

Erstmals hat Puchheim beim Volksfest ein Alkoholverbot rund ums Volksfestzelt ausgewiesen, um Jugendliche am "Vorglühen" zu hindern. Die Maßnahme hat sich für Kommunalpolitiker und Polizei bewährt.

Von Peter Bierl, Puchheim

Das Puchheimer Volksfest war aus Sicht von Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) und dem Referenten Thomnas Hofschuster (CSU) ein voller Erfolg. Bewährt hat sich ihren Angaben zufolge auch eine alkoholfreie Zone, die die Stadt erstmals ausgewiesen hat, um Besucher am "Vorglühen" zu hindern. Auch die Polizei fand die Regelung hilfreich. Wie viel Bier inmitten der Bannmeile, im Festzelt, konsumiert worden ist, konnte Festwirt Jochen Mörz noch nicht genau sagen, weil er die Abrechnung noch nicht beendet hat. Der Bürgermeister schätzt, dass es zehn Prozent mehr waren als im Vorjahr. 250 Hektoliter seien 2018 konsumiert worden.

Bei diesem Volksfest hatte die Kommune das Mitführen und Konsumieren von Alkohol im Bereich des Volksfestplatzes sowie auf dem Skatepark, dem Parkplatz und den Grünanlagen unmittelbar daneben untersagt. Diese Allgemeinverfügung nach dem bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetz war damit begründet worden, dass es in den vergangenen Jahren Probleme mit angetrunkenen und zum Teil aggressiven Personen im Umfeld des Volksfestes gegeben habe. Vor allem jüngere Leute seien ziemlich angetrunken gewesen, hätten lautstark weiter gefeiert und die Anwohner gestört und jede Menge Abfall hinterlassen, vor allem Glasflaschen und Glasscherben.

Die Polizei meldete im Vorjahr einige Vorfälle, die aus der Verbindung von Alkohol mit Übermut, Renitenz und Selbstüberschätzung entsprangen. Außerdem waren Verkehrsschilder gestohlen worden. "Sehr erfreulich" sei die Bilanz in diesem Jahr, sagt Andreas Ruch, der stellvertretende Leiter der Inspektion in Germering. Vor allem an den Wochenenden habe man nach Schankschluss um 23 Uhr Präsenz in der Bürgermeister-Ertl-Straße gezeigt und für einen "geordneten Abmarsch" gesorgt. Das sei notwendig, weil der Altersdurchschnitt auf dem Puchheimer Volksfest nach Einschätzung von Ruch für den Münchner Raum "einzigartig" niedrig ist. Sachbeschädigungen habe es dort jedenfalls keine gegeben, bis auf einen Fall, wo jemand über mehrere Autos lief. Es habe auch keine größeren Schlägereien gegeben, der Sicherheitsdienst hatte die Lage auf dem Volksfestplatz im Griff.

Ziemlich typisch sei, dass junge Leute in der unmittelbaren Umgebung kleine Depots mit Spirituosen anlegen und dort die "harten Sachen" konsumierten, während im Zelt an einer Maß genuckelt werde, erzählte der Polizist. Etliche Vorräte haben die Beamten ausfindig gemacht und ausgeschüttet. Dabei sei die Bannmeile als Rechtsgrundlage durchaus "hilfreich", wenn es sich jedoch um Minderjährige handelt, könne die Polizei sowieso eingreifen.

Mit der Zone habe man das sogenannte Vorglühen verhindern wollen, sagte Volksfestreferent Hofschuster. "Wir wollen kein Saufgelage auf dem Fest und auch nicht, dass die Leute schon so ankommen", erklärte der CSU-Fraktionsvorsitzende. Vor allem auf dem Parkplatz und dem Gelände der angrenzenden Schule sei in früheren Jahren getrunken worden. Der Unterschied zum Bierzelt besteht laut Hofschuster darin, dass dort Alkohol kontrolliert ausgeschenkt und konsumiert werde. Wer nach Einschätzung des Personals schon über den Durst getrunken habe, bekomme eben nichts mehr oder werde schon mal des Zeltes verwiesen.

Auch nach Einschätzung des Bürgermeisters hat sich die Bannmeile bewährt. "Es gab keine Exzesse und kein Kommasaufen auf dem Volksfest", sagte Seidl. Die Bannmeile war jedoch eng gezogen, schon auf dem Gehsteig gegenüber dem Volksfestplatz an der Bürgermeister-Ertl-Straße oder dem Fußballplatz oder weiter entfernt liegenden Bereich der Schulen galt das Alkoholverbot nicht. Deswegen gibt es Überlegungen, die Zone nächstes Jahr auszuweiten. Der Bürgermeister ist skeptisch. Es stimme schon, dass jenseits der Bannmeile getrunken wurde. "Die Leute gehen raus und rein aus der Zone, das spricht für die Vergrößerung, aber wer soll das noch kontrollieren", sagt Seidl. Er möchte den Alkoholkonsum zwar besser in den Griff kriegen, hält eine alkoholfreie Zone aber für eine "Gratwanderung".