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Puchheim:Verwunderung über restriktive Vergabe der Arbeitserlaubnis

Die Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer trägt sich in Puchheim ins Buch der Stadt ein, beobachtet von Bürgermeister Norbert Seidl.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Beim Besuch der Integrationsbeauftragten in Puchheim klagen Asylhelfer darüber, dass das Landratsamt Flüchtlingen Jobs und Ausbildung verweigert

Voll des Lobes für die Arbeit der Asylhelfer ist Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, am Ende ihres Besuchs am Dienstag in Puchheim gewesen. Die Solidarität ist nach fast vier Jahren immer noch groß. Die Initiative umfasst etwa 120 Ehrenamtliche, die in 14 Arbeitsgruppen organisiert sind und die Flüchtlinge in allen Lebenslagen begleiten. Sie helfen bei der Suche nach Jobs, Ausbildungsplätzen und Wohnungen, der Betreuung der Kinder oder Freizeitaktivitäten. Die Vertreter des Helferkreises wiederum waren begeistert, weil die CSU-Politikerin ihnen zuhörte, als sie ihre Schwierigkeiten schilderten.

Das Treffen hatte die Kommune organisiert, es wurde von Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) im Sozialamt an der Boschstraße moderiert, unweit der Unterkunft in der Siemensstraße im Gewerbegebiet Nord. Ursprünglich war ein Lokaltermin vorgesehen, dann aber wieder abgesetzt. Dort lebten im Juni etwa 176 Menschen aus 18 Ländern, darunter etwa 50 Kinder. Eigentlich sollten in dem Gebäude nur 150 Menschen untergebracht werden, ergänzte Reinhild Friedrichs. Etwa ein Drittel der Bewohner stammt aus Nigeria, ein weiteres Drittel kommt aus Staaten, in denen offener Bürgerkrieg herrscht, wie Syrien, Jemen oder Afghanistan.

Der Asylantrag wurde in etwa 62 Prozent der Fälle abgelehnt, andererseits leben in der Unterkunft auch viele anerkannte Flüchtlinge, die als Fehlbeleger gelten, weil sie auf dem freien Wohnungsmarkt keine Bleibe finden. Die Asylhelfer beklagten, dass das Landratsamt kleinere dezentrale Unterkünfte im Landkreis auflöst und die Bewohner in die größeren Häuser umsiedelt. Dadurch werden die Menschen aus Zusammenhängen gerissen, die ihnen vertraut geworden waren, vor allem aber bleibt es in dem Puchheimer Haus sehr eng, wie Marlies Eller berichtete.

Bis zu fünf Menschen oder auch ganze Familien leben in einem Raum zusammen. Es gibt keine Privatsphäre und die Kinder, die zur Schule gehen, können nicht in Ruhe ihre Hausaufgaben machen. Der Bürgermeister rügte, dass die Kreisbehörde durch die Umsiedlung eine hohe Konzentration von nichtanerkannten Flüchtlingen in dem Haus verursacht habe, deren Perspektivlosigkeit das Zusammenleben nicht besser macht. Die Integrationsbeauftragte konnte Seidl und den Helfern keine Abhilfe in Aussicht stellen, weil es im Raum München an Wohnungen fehle. Brendel-Fischer betonte jedoch, dass die sogenannten Fehlbeleger bleiben dürfen, weil die Regierung niemanden in die Obdachlosigkeit treiben wolle.

Ein weiteres Problem sei, dass früher zwei Sozialpädagoginnen regelmäßig an der Siemensstraße eine Beratung anboten, jetzt findet eine solche nur noch zweimal im Monat statt, erzählte Bernhard Harles. Die Helfer nutzten außerdem die Gelegenheit, der CSU-Politikerin von ihrem hartnäckigen Ringen mit dem Landratsamt in Fürstenfeldbruck über Arbeitsgenehmigungen zu berichten. Fallbeispiel war ein Afrikaner, der fünf Sprachen spricht, mehrere Praktika absolviert und die Mittelschule abgeschlossen hat, Mechatroniker werden möchte und mehrere Ausbildungsplätze angeboten bekam. Harles zitierte aus der Ablehnung der Kreisbehörde, in der von "nicht nachgewiesenen Integrationsbemühungen" die Rede sei sowie einer ungeklärten Identität.

Harles rügte, dass das Brucker Landratsamt restriktiver verfahre als andere Behörden. Die Integrationsbeauftragte verwies darauf, dass das bayerische Kabinett die Bestimmungen gelockert habe. Erst in der vergangenen Woche habe man Vertreter der Ausländerbehörden auf einer Veranstaltung des Ministeriums noch einmal darauf hingewiesen. Abgelehnte junge Asylbewerber in Ausbildung würden geduldet, arbeiten sie danach noch zwei Jahre, haben sie eine Bleibeperspektive. Auch die Klärung der Identität würde "nicht mehr so scharf gesehen", sagte Brendel-Fischer. Harles hakte noch mal nach und wollte von der Integrationsbeauftragten wissen, ob sie die restriktive Praxis unter Landrat Thomas Karmasin (CSU) in Fürstenfeldbruck nicht überraschend fände, was Brendel-Fischer mit einem deutlichen "Ja" beantwortete.