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Puchheim:Suche nach einer Unterkunft

Flüchtlingslager auf Lesbos

Ausweichquartier nach dem Moria-Brand: das Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos.

(Foto: Panagiotis Balaskas/dpa)

Asylhelferkreis Puchheim will Geflüchtete aus Moria in der Stadt unterbringen

Von Peter Bierl, Puchheim

Der Asylhelferkreis von Puchheim ist auf Herbergssuche. Hintergrund ist die Aufnahme von 100 Geflüchteten von der griechischen Insel Lesbos in Bayern. Spontan haben sich 16 Kommunen im Freistaat bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen, darunter auch Fürstenfeldbruck - die Kreisstadt will eine Familie unterbringen. Der Helferkreis in Puchheim sucht Vermieter, die Wohnungen für Einzelpersonen oder Familien zur Verfügung stellen würden. Die Ehrenamtlichen stehen in Miet- und Behördenfragen gerne beratend zur Seite. Das Jobcenter übernimmt die Mietkosten, bis die Einzelperson oder die Familie aus Moria selbst genügend Geld erwirtschaften kann.

Die verheerende Brandkatastrophe in Moria hat etwa 13 000 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche, obdachlos gemacht. Allerdings waren die Verhältnisse in dem Lager schon unzumutbar. Es herrschte medizinischer Notstand, es gab keine Schulbildung für Kinder, keinen regelmäßigen Zugang zu Wasser sowie unerträgliche hygienische Bedingungen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach deswegen von einer "Katastrophe mit Ansage". Deshalb hat sich die Bundesrepublik nach langem Zögern bereit erklärt, wenigstens bis zu 1553 Menschen aus Griechenland aufzunehmen.

Der Asylhelferkreis, unterstützt durch Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), die Referentin für Soziales und Integration Rosmarie Ehm (SPD) sowie Pfarrer Andreas Lederer, ruft alle Puchheimer Bürger zur Solidarität mit den geflüchteten Menschen auf den griechischen Inseln auf. "Gemeinsam sollte es uns doch gelingen, eine Herberge für Menschen in Not zu finden und den Geflüchteten wie ein guter Wirt die Tür zu öffnen", heißt es in dem Aufruf.

Sie fordern außerdem eine faire und humane deutsche und europäische Asylpolitik und berufen sich auf Artikel 2 des Vertrages über die Europäische Union. Dort heißt es: "Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören." Die Aufnahme von Geflüchteten diene nicht nur der Stabilität Europas, sondern sei ein Zeichen christlicher und sozialer Solidarität mit Menschen auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Vertreibung sowie mit den Bürgern an den Außengrenzen Europas. "Diese Solidarität darf nicht bei der Zahl 1553 enden", heißt es weiter.

Ebenso dringend sucht der Helferkreis Wohnungen jeglicher Größe für die Geflüchteten, die bereits seit vielen Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft in Puchheim untergebracht sind. "Die Wohnsituation in diesem Gebäude ist kaum zumutbar", sagte Reinhild Friedrichs vom Helferkreis.

© SZ vom 08.01.2021
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