Der Protest war vergeblich. „Ich hoffe, Sie wählen eine Frau“, rief eine Frau aus den Reihen der knapp 50 Zuhörer im voll besetzten Rathaussaal den Stadträten zu. Nach der Vereidigung seiner neuen Mitglieder, dem Beschluss über Satzung und Geschäftsordnung hatte der Puchheimer Stadtrat bereits Jean-Marie Leone zum Stellvertreter von Bürgermeister Thomas Hofschuster (CSU) gekürt. Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende erhielt 24 von 31 Stimmen. Für das Amt des Dritten Bürgermeisters hatte Manfred Sengl (Grüne) seinen Fraktionskollegen Hans Knürr vorgeschlagen. Knürr bekam 21 Stimmen.


Weder Leone noch Knürr hatten Gegenkandidaten, in den beiden geheimen Wahlgängen hätten die Stadträte aber auch jemand anderen auf den Stimmzettel schreiben können. Allerdings folgten nur sehr wenige der Aufforderung der Zuhörerin, die von Hofschuster darauf hingewiesen wurde, dass solche Zwischenrufe nicht gestattet seien. Karin Kamleiter (CSU) bekam zwei Stimmen. Unter den 30 Stadtratsmitgliedern sind 13 Frauen.
Der neue Bürgermeister hatte die konstituierende Sitzung mit einem Appell an die gemeinsame Verantwortung eröffnet. Es gelte, mit Weitblick und Verlässlichkeit sachorientiert Entscheidungen zu treffen. Trotz unterschiedlicher Auffassungen müsse man respektvoll miteinander umgehen. Hofschuster verwies außerdem auf die finanzielle Lage Puchheims.
Die goldenen Jahre sind vorbei, der neue Stadtrat soll sparen, was Stoff für Konflikte bietet. Im Juli 2025 hatte der Kämmerer eine Haushaltssperre für die einst reichste Kommune des Landkreises Fürstenfeldbruck verhängt, nachdem die Einnahmen aus der Gewerbesteuer eingebrochen waren. Der Fraktionssprecher der Grünen, Manfred Sengl, lehnte deshalb eine höhere Aufwandsentschädigung ab. Statt 70 Euro hätten Stadträte für Sitzungen künftig 80 Euro bekommen sollen. Alexander Bayaz (Linke) argumentierte, Lohnabhängige könnten sich auch nicht selbst zehn Prozent mehr genehmigen. Sengls Antrag wurde mit einer knappen Mehrheit von 16:15 von FDP, Grünen, Linke, SPD und UBP angenommen.
Keine Diskussion bei Besetzung der Ausschüsse
Die erste Sitzung ging indes reibungslos über die Bühne, weil sich verschiedene Fraktionen im Vorfeld auf die Verteilung von Ausschüssen und Referaten weitgehend geeinigt hatten. Michaela Kuchinka (FDP), Michael Peukert (GfP) und Alexander Bayaz (Linke) bildeten eine technische Ausschussgemeinschaft, was den drei Solokämpfern Sitze in acht Ausschüssen beschert. Politisch bildet Peukert hingegen eine Fraktionsgemeinschaft mit den vier Stadträten der UBP, die er im Rechnungsprüfungsausschuss und dem Personal- und Organisationsausschuss vertritt. Die Sitze in diesen Gremien werden nach den Mehrheitsverhältnissen im Plenum verteilt.
Diskussionen gab es über die Referate. Vorgeschlagen waren 16 Referate wie in der vorherigen Wahlperiode, darunter für Feste, Soziales, Verkehr, Umwelt, Finanzen oder Umwelt. Der CSU-Fraktionssprecher Dominik Schneider beantragte ein Referat für Gesundheit, Prävention und Inklusion, Gisella Gigliotti (Grüne) wandte ein, diese Aufgabe könne niemand leisten und Puchheim sei mit Ärzten überversorgt.
Drei neue Referate
Die UBP schlug ein Referat für Dorfentwicklung, Landwirtschaft und Brauchtumspflege vor, als „Bindeglied zwischen Puchheim-Ort und Puchheim-Bahnhof“, wie Fraktionssprecher Jürgen Honold ausführte. Der Bürgermeister mahnte, die Stadträte seien für alle gewählt worden. „Ein Referat für einen Ortsteil sei grundsätzlich falsch“, kritisierte Hofschuster. Gigliotti warnte vor der Spaltung, es gebe schon zwei Feuerwehren und zwei Sportvereine, „fehlt bloß noch ein eigener Bürgermeister“. Max Keil (UBP) und die neue SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrun Matthes hielten dagegen, Landwirtschaft sei ein übergreifendes Thema.
Keinen Widerspruch löste der Zweite Bürgermeister Leone aus, der ein Referat für Integration und interkulturelle Begegnung vorschlug. Die drei neuen Referate wurden jeweils mit großer Mehrheit bei wenigen Gegenstimmen angenommen. Die AfD, die sich an der Debatte nicht beteiligt und kein Referat beansprucht hatte, votierte gegen den Integrationsreferenten.

