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Puchheim:"Sprachkurse werden heute im Internet belegt"

Ehrenamt

Der 74-jährige Erich Hage war neun Jahre lang die Puchheimer Volkshochschule geleitet. Nun gibt der ehemalige Rektor des Viscardi-Gymnasiums die Aufgabe an Reinhold Koch ab.

(Foto: Günther Reger)

Der langjährige Vorsitzende der VHS-Puchheim, Erich Hage, berichtet über Veränderungen in der Erwachsenenbildung

Von Peter Bierl, Puchheim

Erich Hage war neun Jahren Vorsitzender der Puchheimer VHS. Seine Nachfolge hat Reinhold Koch, der ehemalige Fraktionschef der UBP im Stadtrat, angetreten. Hage war lange Jahre Rektor des Viscardi-Gymasiums in Bruck. In Puchheim hat der gelernte Historiker mit Erfolg das Feld der Ortsgeschichte beackert und mit anderen über das Flugfeld und das Kriegsgefangenenlager gearbeitet. In Hages Amtszeit fiel die Planung des VHS-Neubaus, als Pädagoge setzte er auf neue Formate für historische und politische Themen. Zuletzt war der 74-Jährige als Krisenmanager in Corona-Zeiten im Einsatz.

SZ: Ihre Vorgängerin hat mit dem früheren Bürgermeister gelegentlich übers Geld gestritten. Ein natürlicher Konflikt?

Erich Hage: Nein, ich hatte ein gutes Verhältnis zu Bürgermeister Norbert Seidl und dem Kämmerer. Wir können uns nicht beklagen, wir haben immer die finanzielle Unterstützung der Stadt, auch jetzt mit dem Defizit wegen der Corona-Krise. Man lässt uns nicht im Stich. Reibereien gab es eher wegen des Gebäudes, wegen der Nutzung oder bei Reparaturen.

Weil die Stadt einen Neubau will und kein Geld mehr für den maroden Bürgertreff ausgeben mag.

Ja, es hieß immer, der Neubau steht unmittelbar bevor.

Haben Sie damit gerechnet, den Umzug noch als Vorsitzender zu erleben?

Nein, aber ich hatte gehofft, noch den Baubeginn zu sehen. Jetzt habe ich meine Zweifel, ob der Neubau in dieser Form kommen wird, nach den wirtschaftlichen Einbrüchen durch die Pandemie. Auf jeden Fall ist das Projekt aufgeschoben.

Wie stark hat der Lockdown die Volkshochschule betroffen?

Alle Kurse mussten ausfallen, aber wir haben einen ansehnlichen Betrag aus einem bayerischen Rettungsschirm für die Volkshochschulen bekommen, die Dozenten übrigens ebenso. Das hilft der VHS, die Krise zu bewältigen.

Viele Bildungseinrichtungen haben einen Schwerpunkt Integrations- und Sprachkurse für Geflüchtete eingerichtet, die Puchheimer VHS nicht. Wieso?

Dafür gab es viel Geld vom Bundesamt für Migration und Flucht, aber die großen Anbieter waren schneller. Wir haben nur einen Kurs im Programm. Wir haben das klassische Angebot der Volkshochschulen bearbeitet, Kultur und Gesellschaft, aber in neuer Form. Wir haben die Gesprächsreihe etabliert, weil zu den üblichen Vorträgen nur noch wenige kommen. Sehr gefragt ist auch das breite Angebot an Führungen.

Was hat sich sonst verändert?

Das Angebot im Gesundheitsbereich mit Wirbelsäulengymnastik, Yoga oder Qigong ist geblieben, aber was EDV und Sprachen betrifft, gibt es einen starken Wandel, der damit zusammenhängt, dass immer mehr Menschen mobil auf Informationen und Wissen zugreifen, unabhängig von Zeit und Raum. Der klassische Computerkurs ist nicht mehr gefragt und Sprachkurse werden heute im Internet belegt.

Sie haben doch während des Lockdown auch Kurse online angeboten.

Ja schon, aber insgesamt sind wir dafür zu klein. Ich kann heute Englisch direkt beim British Council mit einem Native Speaker lernen. Da können wir nicht mithalten, das ist nicht erfolgversprechend. Wir müssen vor allem sehen, wie wir mit der Konkurrenz in der Nachbarschaft umgehen, den deutlich größeren Volkshochschulen in Bruck, Germering und Gröbenzell. Wir brauchen eine Zusammenarbeit mit den Nachbarn, etwa Eichenau.

Haben Sie das schon eingeleitet?

Nein, wir haben das nur angedacht, das muss der neue Vorstand machen.

Welchen Ratschlag haben Sie für Ihren Nachfolger?

Der braucht keinen, der ist klug und erfahren genug. Wichtig ist, neue Akzente zu setzen, denn das bringt neues Publikum.

Reicht das, um jüngere Leute zu gewinnen? Man hat den Eindruck, Volkshochschule ist was für Senioren.

Das ist schwierig, denn die Jungen haben andere Interessen und einen anderen Zugang. Aber ich sehe trotzdem nicht schwarz, denn über die Inhalte hinaus ist der soziale Kontakt wichtig, das Zusammensein im analogen Raum. Das garantiert das Überleben der Volkshochschulen.

© SZ vom 21.09.2020

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