SZ-Serie: Cafés im Landkreis Fürstenfeldbruck:Ein süßer Traum

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Christine Scholz führt ihr Schokolädchen nun schon seit fast zwanzig Jahren. (Foto: Johannes Simon)

Das Schokolädchen in Puchheim bietet ein kleines Frühstück, Gebäck und Kuchen sowie 120 Sorten Pralinen aus eigener Herstellung.

Von Peter Bierl, Puchheim

Das Schokolädchen in der Lochhauser Straße in Puchheim, der Einkaufsmeile der Stadt, ist ein kleines Café, aber ein wichtiger Treffpunkt. Wer dort seinen Hunger stillen will, kann sich eine „Kurze Pause“ servieren lassen, einen Cappuccino mit Croissant, oder das kleine „Süße Frühstück“ mit Butter, Marmelade und Orangensaft dazu. Am Donnerstag ist Strudeltag, der gefüllt mit Früchten der Saison gebacken wird, am Freitag gibt es Butter-Mandelkuchen. Dazu locken Florentiner, Nougatringe oder Quarktaschen, alles frisch und selbst gebacken von Christine Scholz, Chefin und Konditormeisterin.

Draußen auf der Straße und drinnen stehen jeweils drei Tische. Das Ambiente ist modern und gemütlich, gleich hinter der Theke befindet sich die kleine Back- und Konditorstube. Optisch bestimmend ist die Vitrine mit einem überwältigenden Angebot, das jedoch nicht einmal das gesamte Sortiment repräsentiert.

120 Sorten Pralinen, Schokotafeln und -figuren stehen zur Auswahl. (Foto: Johannes Simon)

Das Schokolädchen in Puchheim verfügt über 120 Sorten Pralinen plus Schokotafeln und -figuren. Einige von ihnen sind einmalig, wie die „Puchheimer Scherben“, weiße Schokolade gefüllt mit Rum, Champagner, Chassis und Orange. Entstanden ist die Sorte anlässlich der umstrittenen Anlage eines Golfplatzes am Rande der Stadt. Weil die Anlage auf einer alten Müllkippe liegt, kamen beim Aushub allerlei Scherben zum Vorschein. In der Vitrine liegen daneben die Fürstenpraline aus Nougat und Marzipan und die Wiener Nuss mit karamelisierter Haselnuss in der Mitte, dazu Exemplare mit Rumtrüffel, Feigen oder Walnuss. Gebäck und Kuchen, Figuren und Tafelware, Marmeladen und aktuell Schokomaikäfer macht Scholz selbst direkt in Puchheim. Die Pralinenfertigung hat sie inzwischen ausgelagert, die hat ein junger Mann in Augsburg übernommen, der mit ihren Rezepten arbeitet. Alle Produkte werden in kleiner Serie hergestellt, von den einzelnen Pralinen maximal ein bis zwei Kilogramm auf einmal.

Christine Scholz auf einer Schokoladenplantage in Kolumbien. (Foto: Johannes Simon)

Das sorgt dafür, dass die Ware stets ganz frisch und nichts abgepackt ist. Allein für Tafeln und Figuren braucht Scholz jedes Jahr etwa eine Tonne Schokolade, die nachhaltig und fair hergestellt wird. Zusammen mit Kolleginnen aus der ganzen Republik hat sie ein Projekt in Kolumbien gestartet. Dort kooperiert ein Kakaoproduzent mit Kleinbauern, sorgt für den Bau von Brunnen und Schulbildung und lässt die Bohnen in einer Fabrik in Bogotá zu Schokolade verarbeiten. Damit verbleibt mehr Geld in dem südamerikanischen Land, als wenn nur die Bohnen exportiert würden. Die deutschen Confiserien sammeln Geld für den Bau einer Schulkantine. Dazu müssen sie 19 000 Tafeln Schokolade verkaufen, vom Preis fließt jeweils ein Euro in das Projekt.

Scholz stammt aus einer Zuckerbäckerdynastie aus Gräfelfing, schon der Großvater und der Vater waren Bäckermeister. 1970 zog die Familie nach Puchheim, das damals noch ein Kaff war. Ihre Eltern wollten, dass sie einen anderen Beruf ergreift, also suchte sie sich heimlich eine Lehrstelle als Konditorin und lernte in der Schweiz, wie man Pralinen herstellt. Sie sammelte Erfahrungen in mehreren Betrieben und leitete in einem größeren Unternehmen die Pralinenfertigung.

Auch vor dem Schokolädchen kann man bei gutem Wetter sitzen. (Foto: Johannes Simon)

Im April 2005 eröffnete Scholz das Schokolädchen und heimste sich allerlei abfällige Kommentare ein. Schon der Hausbesitzer wollte ihr den Laden nicht vermieten. Die allererste Kundin musste Scholz überreden, in den Laden zu kommen und ihr noch einen Kaffee spendieren. „Pralinen gelten als Luxus, es gibt eine Hemmschwelle“, erzählt sie. Das war der eigentliche Grund, weshalb Scholz den Verkauf um einen Kaffeebetrieb erweiterte, anfangs an kleinen Stehtischen. Bis heute würden viele erstmal einen Kaffee bei ihr trinken oder frühstücken und sich dann erst entschließen, Schokolade zu kaufen. „Ich habe es allen gezeigt“, sagt sie.

Inzwischen betreibt Scholz ihr Geschäft seit 19 Jahren und hat viele Läden in der Lochhauser Straße öffnen und schließen sehen. Das Schokolädchen hingegen hat sich zum Treffpunkt im Viertel entwickelt. Zum Frühstück kommen vor allem Stammkunden, unter der Woche überwiegend Senioren, am Samstag Alt und Jung. Manche Kunden melden sich regelrecht ab, wenn sie verreisen, so wie jene Frau, die an diesem Vormittag nur kurz reinschaut, grüßt und erklärt, dass sie über das Wochenende wegfahre. Mit manchen älteren Kunden haben Scholz und ihre Mitarbeiterin Daniela Low vereinbart, dass sie anrufen, wenn diese sich ein paar Tage nicht blicken lassen. An diesem Donnerstagvormittag sind bald alle Stühle und die Fensterbank belegt, man unterhält sich, tauscht Neuigkeiten aus und genießt das kleine Frühstück. Das Schokolädchen fungiere auch als Nachrichtenbörse, sagt Scholz.

Sie sperrt ihren Laden morgens um 9 Uhr auf und bleibt bis am Abend. Die Arbeitswoche der 58-Jährigen dauert an die 70 Stunden. Neben ihr arbeiten eine Vollzeitkraft, die seit zwölf Jahren dabei ist, und zwei Aushilfen. Im Ferienprogramm der Stadt bietet Scholz regelmäßig Schokoladengießen an und einmal im Jahr am Tag der Schokolade, an dem die Kunden sich betätigen dürften.

Eine Tasse Cappuccino gibt es für 2,70 Euro. Das Croissant kostet 1,90 Euro. Die „Kurze Pause“ ist für 3,90 Euro und das „Süße Frühstück“ für 5,90 Euro zu bekommen. Das Schokolädchen in der Lochhauser Straße 36 hat von Dienstag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr durchgehend geöffnet und am Samstag von 8 bis 13 Uhr. Montags ist geschlossen.

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