Puchheim Schlaglichter der Musikgeschichte

Mit dem Trio für Flöte, Klarinette und Fagott op. 92 von Charles Koechlin eröffnen die Musiker des Münchner Gärtnerplatztheaters den Abend.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gelungenes Konzert im Puc mit Werken aus verschiedenen Epochen

Von Klaus Mohr, Puchheim

Kompositionen, die jeweils im Abstand von 50 Jahren entstanden sind, erklangen beim Kammermusikabend im Puchheimer Kulturzentrum. Kompositionsstile verändern sich im Laufe der Zeit, werden aber auch von der jeweiligen Komponistenpersönlichkeit und der Gattung, für die komponiert wird, beeinflusst. Damit wird eine für den Hörer klar erkennbare Entwicklungslinie durchkreuzt. Die Tatsache, dass keine Berechenbarkeit von Musik existiert, macht den großen Reichtum dieser Kunst aus - und einen Konzertabend spannend, in dem mindestens zwei der drei Werke äußerst selten aufgeführt werden. Im sehr gut besuchten Béla-Bartók-Saal des Puc war wieder ein Dutzend Musiker aus dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München zu Gast. Das Programm des Konzerts war sozusagen rückwärts gerichtet: So erklang das zuletzt entstandene Werk, ein Trio von Charles Koechlin aus dem Jahr 1924 als erstes, gefolgt von einem Sextett von Nikolai Rimski-Korsakow (1876) und Mendelssohn Bartholdys Streichquintett op. 18 (1826) nach der Pause.

Das Trio für Flöte, Klarinette und Fagott op. 92 von Charles Koechlin definiert in seinen drei Sätzen das Verhältnis der drei Stimmen zueinander auf immer neue Weise: Im ersten Satz (Lent) schienen die drei Stimmen nach ihren versetzten Einsätzen oft fast unabhängig voneinander zu sein, doch ergaben sich Berührungs- und Dissonanzpunkte durch den Zusammenklang. Der dichte Legato-Charakter verstärkte die Stringenz der horizontalen Linien und erleichterte dem Hörer das Verfolgen der Stimmen. "Agieren und Reagieren" könnte als Motto über dem Moderato stehen: Hier waren die Stimmen durch Umspielungen miteinander verzahnt. Der dritte Satz (Allegro con moto) mutete wie die Unterhaltung zwischen drei Personen an.

Das Sextett in A-Dur für je zwei Violinen, Violen und Violoncelli von Nikolai Rimski-Korsakow lebte vom heiter-beschwingten Charakter der Komposition und der differenzierten und rhythmisch exakten Interpretation der Musiker. Das Rondo fugato, in dem sich Rimski-Korsakow mit der Fugenkomposition auseinandersetzte, geriet zu wunderbar klangvoller Musik, der trotz der Strenge der Regeln nichts von einer trockenen Satzübung anhaftete.

Mendelsohns Quintett für je zwei Violinen und Violen sowie einem Violoncello beglückte die Hörer nach der Pause mit ruhigen Kantilenen zu oft wogender Begleitung. Transparent und gut durchhörbar verdichtete sich der Klang zu imposanten Steigerungen und erzeugte so Spannungsbögen, die sich wie formale Klammern um die einzelnen Sätze legten. Viel Beifall gab es am Ende.