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Puchheim:Strahlung in der Planie

Umweltbelastung

Bei Arbeiten zu einem Bauvorhaben in der Heußstraße ist radioaktives Material gefunden worden.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Bei Bauarbeiten wird radioaktives Material im Boden entdeckt. Grenzwerte scheinen nicht überschritten, der Spielplatz einer Krippe nebenan ist gesperrt

Von Peter Bierl, Puchheim

In der Planie in Puchheim ist im Bereich der Adenauer- und Heussstraße bei einem Bauvorhaben radioaktives Material gefunden worden. Die Behörden untersuchen nun, ob das Grundwasser und ein direkt daneben gelegener Spielplatz kontaminiert sind. Der Garten der Kinderkrippe wurde vorsichtshalber gesperrt. Nach Angaben von Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) könnte das Uran aus alten Düngemitteln stammen. Die fragliche Stelle wurde mit Bauzäunen abgesperrt, die großen Erdhaufen zugedeckt.

Alle Wohnblöcke im Planieviertel stehen auf der alten Münchner Hausmüllkippe. Die Deutsche Wohnen SE aus Berlin besitzt dort im Zentrum der Stadt etwa 400 Wohnungen. Aufgrund der Vorgeschichte des Areals hat das Unternehmen bei einem Bauprojekt das Aushubmaterial auf Schadstoffe untersuchen lassen. Dabei wurde ein erhöhter Gehalt an Uran entdeckt. Ein Ingenieurbüro stellte fest, dass der Prüfwert für radioaktive Altlasten in Höhe von 0,2 Becquerel pro Gramm überschritten ist. Daraufhin informierte das Unternehmen das Landesamt für Umweltschutz (LfU), das Landratsamt sowie die Kommune. Die LfU hat ein radiologisches Gutachten von der Grundeigentümerin angefordert, das derzeit in Arbeit ist, die Kreisbehörde hat das Wasserwirtschaftsamt München beauftragt, Proben aus dem Grundwasser stromabwärts zu ziehen, die das LfU untersuchen wird.

Das Landratsamt hat nach Absprache mit der Leitung der Kinderkrippe nebenan alle Spielflächen vorerst gesperrt. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geht aufgrund der derzeit vorliegenden Ergebnisse davon aus, das der Prüfwert von 80 Milligramm pro Kilogramm für Kinderspielflächen nicht überschritten wird. Allerdings sollen auf dem Gelände sowie auf allen anderen Spielplätzen in der Wohnanlage weitere Bodenproben untersucht werden. Bis weitere Ergebnisse vorliegen sollten Kinder vorläufig auch nicht in den Sandkästen buddeln, teilte die Kreisbehörde mit.

Der Bürgermeister bestätigte am Donnerstag den Vorgang. Demnach wurden die erhöhten radioaktiven Werte bereits im April festgestellt. Die Grenzwerte in Bezug auf eine Gefährdung, wenn jemand Erde verschluckt sind nicht überschritten, offen ist aber noch die Wirkung der Strahlung. Die Deutsche Wohnen wollte auf dem Gelände neue Fahrradabstellplätze, Wege und einen Spielplatz im Rahmen des Sanierungsprojekts Soziale Stadt anlegen lassen, berichtete Seidl der SZ.

Seit 1898 wurde in einer Fabrik im heutigen Gewerbegebiet Josefstraße der gesamte Abfall der Landeshauptstadt München verarbeitet. Der Müll wurde aussortiert und verwertet, die Masse deponiert und ein Teil ab 1902 zu Dünger verarbeitet. Ein Lageplan von damals zeigt das ausgedehnte Fabrikareal mit insgesamt acht Gebäuden. Die Gleise für eine Feldbahn, mit deren Hilfe der Restmüll im Gelände verteilt wurde, genehmigten die Behörden 1901. Das Ensemble wurde 1917 noch ergänzt um eine Knochenverwertungs- und eine Entfettungsanlage. Die Puchheimer Müllverwertung war seinerzeit eine der ersten dieser Anlagen weltweit und wurde international beachtet. Der Betrieb wurde 1949 eingestellt. In der Fabrik wurde anschließend noch Kork- und Dämmmaterial hergestellt. Mit den Spätfolgen der Deponie haben die Stadt und ihre Bewohner in Gestalt der Altlasten bis heute immer wieder zu kämpfen.

© SZ vom 03.07.2020

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