Puchheim:Parkplätze oder Bäume?

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Puchheim: Die Häuser an dem Puchheimer Platz sind teils dringend sanierungsbedürftig. "Wenn man nichts macht, zerbröckelt das langsam", sagt Norbert Seidl. Archivfoto: Carmen Voxbrunner

Die Häuser an dem Puchheimer Platz sind teils dringend sanierungsbedürftig. "Wenn man nichts macht, zerbröckelt das langsam", sagt Norbert Seidl. Archivfoto: Carmen Voxbrunner

Klimawache und Bund Naturschutz appellieren an den Stadtrat, die Rodungen am Alois-Harbeck-Platz abzulehnen

Von Peter Bierl, Puchheim

Eine Entscheidung über den Um- und Neubau am Alois-Harbeck-Platz in Puchheim fällt am Donnerstag im Ausschuss für städtisches Bauen. Die Klimawache und der Bund Naturschutz lehnen das Großprojekt ab, weil noch mehr Fläche versiegelt und 60 Bäume gefällt werden müssten. Die Mehrheit der Stadträte wird sich darüber hinwegsetzen, prognostiziert der Bürgermeister. "Für mich ist die Gesamtbilanz entscheidend, der Umbau ist ein erheblicher Gewinn für die Stadt und die Umwelt", sagte Norbert Seidl (SPD).

Geplant sind sechs neue Gebäude, ein siebenstöckiges Bauwerk für Läden, Gastronomie und Wohnungen, ein Supermarkt, darüber vier Stockwerke mit je vier Wohnungen, sowie zwei Neubauten mit drei und fünf Stockwerken für ein Hotel. Erhalten bliebe das sechsstöckige Haus mit 44 Wohnungen auf der Rückseite des Platzes, das saniert werden soll. Die Bäume müssten vor allem wegen der Stellplätze für den Supermarkt weichen.

Der Bund Naturschutz sowie die Klimawache haben mehrfach ihre Kritik vorgebracht, zuletzt auf einer kleinen Demonstrationen vor der Sitzung des Ausschusses Anfang November, als die Stadträte hinter verschlossenen Türen über den städtebaulichen Vertrag diskutierten, den die Kommune mit der Eigentümerin Laura Stieber von der Dr. Harbeck & Stieber GmbH & Co. KG abschließen will.

In der Sitzung habe man über Details diskutiert, berichtete der Bürgermeister, über Fragen der Erschließung, die Stellplätze und Bäume, das Energiekonzept, aber auch die Vergabe von Wohnungen, bei denen die Stadt zum Teil ein Wort mitreden will. Wie viele Wohnungen es sind und wie hoch die Mieten ausfallen werden, verriet Seidl nicht. Schließlich sei der Vertrag noch nicht abgeschlossen. Für den Bürgermeister steht jedoch fest, dass das Projekt positiv für die Stadt ist.

Es entstünden mehr Wohnungen sowie ein Hotel, und auch die Bausubstanz würde "ökologisch aufgewertet". Die alten Bauten aus den frühen Siebzigerjahren gelten als marode. "Wenn man nichts macht, zerbröckelt das langsam", sagt Seidl auf die Frage nach der sogenannten grauen Energie, die in Altbauten enthalten ist und beim Abriss verloren geht. Dass künftig wegen der neuen Angebote jeden Tag etwa 1200 Autos durch das Zentrum fahren, ist für ihn auch kein Gegenargument. "Es muss ja nicht jeder mit dem Auto hinfahren", sagt Seidl. Die Fahrten kämen ja nicht "obendrauf", sondern teilweise würde Verkehr von den Geschäften im Ikaruszentrum oder der Lochhauser Straße verlagert. Für viele Einwohner würden die Einkaufswege kürzer durch den neuen Vollsortimenter im Zentrum.

Die Planer des Supermarkts wiederum beharrten auf den 50 Stellplätzen, sagt der Bürgermeister. Diese Fläche an der Südwestecke des Komplexes ist jetzt ein kleiner Hügel, auf dem etliche alte Bäume stehen. Bei einer Begehung Ende Oktober hatte Hans-Jürgen Gulder, der ehemalige Leiter des Forstamts, die Teilnehmer aufgefordert, um jeden Baum auf diesem Hügel zu kämpfen, weil diese wichtig seien für das Mikroklima. "Vollsortimenter oder Bäume", sagt Bürgermeister Seidl dazu.

Auch die Einschätzung des Fachmanns, dass 2000 junge Bäume als Ersatz gepflanzt werden müssten, werden die Politiker wohl in den Wind schlagen. Nach Angaben des Bürgermeisters sollen zehn Bäume umgepflanzt werden - was Gulder als zu teuer verworfen hatte - und als Ersatz 35 Bäume gepflanzt. "Ich kann mir vorstellen, dass der Ausschuss einen Eins-zu-eins-Ersatz beschließt", sagte Seidl. Am Donnerstag diskutiert der Ausschuss über den Bebauungsplan und prüft Einwände gegen das Projekt.

Die Umweltschützer haben an alle Stadträte appelliert, die ökologischen Folgen zu bedenken: "Angesichts des Klimawandels kann man nicht mehr einfach Bäume fällen, nur weil sie einem Investor im Weg stehen."

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