Puchheim:Operette als Hörspiel auf der Bühne

Lesezeit: 3 min

Puchheim: Silke Wenzel (von links, Sopran), Sophie Kidwell (Mezzosopran), Markus Schmid (Tenor) und Florian Dengler (Bariton) präsentieren die Oper als Live-Hörspiel.

Silke Wenzel (von links, Sopran), Sophie Kidwell (Mezzosopran), Markus Schmid (Tenor) und Florian Dengler (Bariton) präsentieren die Oper als Live-Hörspiel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Puchheimer Taschenoper zeigt eine Adaption von Franz von Suppés "Die schöne Galathée". Neben vier wunderbaren Stimmen erwartet die Besucher eine Menge guter Unterhaltung

Von Florian J. Haamann, Puchheim

Die Taschenoper als Eigenproduktion gehört definitiv zu den Höhepunkten und Publikumslieblingen im Veranstaltungskalender des Puchheimer Kulturzentrums. Umso erfreulicher ist es da, dass Puc-Leiter Michael Kaller und sein Team das Projekt trotz der widrigen Umstände auch in diesem Jahr wieder gestemmt haben. Aufgeführt wird "Die schöne Galathée" von Franz von Suppé, wie immer in einer adaptierten und neu arrangierten Version aus der Feder von Silke Wenzel und mit kleinem Orchester.

In diesem Jahr dient ein Radio-Studio als Bühnenbild, die Operette wird als Live-Hörspiel inszeniert. Das passt ideal zu den coronabedingten Abstandsregeln, die auch auf der Bühne gelten. Allerdings war dieses Setting schon vor dem Ausbruch der Pandemie geplant, wie Regisseur Michael Kaller verrät. Sänger und Orchester sind durch eine Wand getrennt, eine realistische Studiosituation also. Außerdem konnte so das Orchester, das sonst vor der Bühne platziert ist, gut untergebracht werden, so das mehr Platz im Zuschauerraum ist.

Durch das Hörspiel-Setting wird in der Inszenierung kaum gespielt, so konzentriert sich die Aufführung noch stärker auf die Musik und die Stimmen der Sänger. Für die Besucher ein noch intensiveres Erlebnis. Dennoch ist das Bühnengeschehen bei aller Reduziertheit höchst unterhaltsam. Denn wer gerade nicht singt, der macht halt, was man so macht, während man auf seinen Auftritt wartet. Und so kommt es vor das Tenor Markus Schmid als Pygmalion gerade inständig und inbrünstig die Göttin Venus anfleht, während die anderen für Selfies posieren oder noch einmal im Textbuch lesen oder mit dem Mund-Nasen-Schutz über den Augen ein kurzes Nickerchen machen.

Die Geschichte ist so unterhaltsam wie simpel. Pygmalion ist Bildhauer und hat eine Skulptur der Nymphe Galathée (Silke Wenzel, Sopran) geschaffen, in die er sich prompt verliebt. Also betet er wie bereits erwähnt zu Venus, die Figur doch bitte zum Leben zu erwecken. Sein Wunsch geht in Erfüllung, doch Galathée entpuppt sich schnell als zum einen eher unsympathisch und zum anderen schlägt ihr Herz schnell für einen anderen: den jungen Diener Ganymed (Sophie Kidwell, Mezzosopran). Und dann ist das noch der Kunstmäzen Mydas (Florian Dengler, Bariton), der erst die Skulptur kaufen und dann auch noch Galathées Herz erobern will. Eine Situation, die natürlich nicht gut gehen kann.

Die vier Sängerinnen und Sänger schaffen es dabei, wirklich unterhaltsame Figuren auf die Bühne zu bringen. Allen voran Silke Wenzel, die ihre Galathée so schnippisch wie naiv interpretiert und gleichzeitig sich mit ihrer gewaltigen Stimme den Raum zu verschaffen weiß, der einer echten Nymphe gebührt. Kidwells Ganymed ist ein Diener, der nach und nach erst seine eigene Brieftasche und dann sein Selbstbewusstsein entdeckt. Sie ist das einzige neue Ensemblemitglied und wurde bei einem Casting im vergangenen Jahr ausgewählt. Zu den Urgesteinen der Taschenoper gehört Markus Schmid, dessen Pygmalion als treu-doof verzweifelter Romantiker daher kommt. Wunderbar gelingt es Florian Dengler, seinen Mydas als großkotzigen Unsympathen zu spielen, der glaubt, dass er mit Geld alles kaufen kann. Ihm gehören Zeilen wie: "Da die schöne Reiterin, dort die schlanke Tänzerin, hier die kühne Springerin, jede eine Schwärmerin! Alle nach mir schmachten, alle nach mir trachten, bin der Mäcenasius".

Es ist also ein unterhaltsamer Abend mit vier wunderbaren Sängern, der die Besucher im Puc erwartet. Dazu trägt auch bei, das Wenzel in ihrer Adaption wieder eine Portion Lokalkolorit eingebaut hat. So gibt es im Trinklied statt griechischem Wein bayerisches Bier, und als Pygmalion Galathée nach ihrem Erwachen einen Salat besorgen will, brüllt sie nur: "Kein Salat, was Gescheites. A Leberkässemmel".

"Die schöne Galathée", Puchheimer Taschenoper, Puchheimer Kulturzentrum. Premiere am Freitag, 9. Oktober, 19.30 Uhr. Weitere Termine: Sonntag, 11. Oktober, 18.30 Uhr und Freitag, 16. Oktober, und Samstag, 17. Oktober, jeweils von 19.30 Uhr. Karten gibt es für 21,90 Euro

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema