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Puchheim:"Ned blöd, für a Frau"

Claudia Pichler

Claudia Pichler hat keine Angst vor der Bühne. Die 34-Jährige erzählt ganz gelassen aus ihrem Leben.

(Foto: Günther Reger)

Claudia Pichler erzählt im PUC aus ihrem Leben

Beinahe musste das PUC anbauen. Trotz zusätzlicher Bestuhlung reichten die 170 Plätze kaum. Viele waren gekommen, obwohl sie Claudia Pichler überhaupt nicht kannten. Es hat sich gelohnt. Die junge Frau war nicht nur so hübsch wie im Programmheft, sondern a "ned blöd ... für a Frau". Eigentlich erzählt Claudia Pichler, 34, ganz unaufgeregt Geschichten aus ihrem Leben, halt auf Bairisch. Und halt nicht der besten Freundin, sondern zahlenden Gästen. Claudia Pichler verfügt neben vielen anderen Begabungen auch über eine ganz überraschende: Sie ist eine Rampensau. Rein zufällig kam es zu dieser Entdeckung. Unvorbereitet musste sie vor einem 300 Mann (m/w/d) starken Publikum eine Ansprache halten. Für viele ein Albtraum. Nicht für Claudia Pichler: "Da hab ich festgestellt, dass ich keine Angst auf der Bühne habe."

Die betritt sie tatsächlich so, als käme sie aus der Küche ins Wohnzimmer und sagt: "Griaß eich. Jetzt samma alle do." Kann durchaus sein, dass damit die Zuschauerdelegation aus Aubing gemeint ist.

In Aubing, "vom Münchner Speckgürtel die Schwarte", ist Pichler aufgewachsen. Dort hat sie als Kind festgestellt, dass Bairisch außerhalb der Familie nicht gut ankommt. Dort hat sie in Omas Garten ihre Tiere begraben, vom "Scheer" bis zur Schecke. Überhaupt dreht es sich viel um die Familie Pichler. Im PUC wird es auf dem schmale Grat zwischen Lokalkolorit und Nestbeschmutzer brandgefährlich, weil die Mama mit ihren Freundinnen im Publikum sitzt und das Programm noch nicht kennt. Der Papa Pichler, der österreichische "Schluchtenscheißer", kommt gut weg. Sein Phlegma und seine Einsilbigkeit zeitigen Szenen wie ein Treffen mit der Tochter nach Monaten der Abwesenheit.

Papa Pichler: "Und?" Claudia Pichler: "Passt scho. Und du?" Papa: "Aa." Sehr trocken, sehr gelassen, total normal und ganz persönlich geht es weiter mit boshaften Anekdoten, Livemusik, Akkordeon und Gitarre. Großartig die Reaktionen, wenn Fehler passieren. Das nervig ausdauernde Handyklingeln unterhalb der Bühne kommentiert Pichler so: "Is' was Wichtigs? Sonst kannt ma des mitanand besprecha".

Fehler passieren. Auch bei der Berufswahl. Eine fachkundige Beurteilung hat beispielsweise bei Pichler ins finanzielle Verderben geführt: "Ich rate ab vom Deutsch-Leistungskurs. Sie können ja nicht Deutsch". Zum Trotz hat sie Germanistik studiert und ist jetzt Frau Doktor Polt, Poltologin. Das ist kein Witz. Tatsächlich hat sie mit dem Thema "Fremdheit bei Gerhard Polt" promoviert. Aus ihrer Abschlussarbeit wurde das Taschenbuch "Gerhard Polt und die anderen", hervorragend als Weihnachtsgeschenk geeignet.

Das alles deutet nicht auf das Werk einer arbeitsscheuen Couchkartoffel in der "gut eingesessenen Sofakuhle" hin. So stinkfaul wie der "Leberkas in der Semme" ist Claudia Pichler keinesfalls. Das Gegenteil ist der Fall. Wie im Dauerlauf hetzt sie mittlerweile von Termin zu Termin. Von BR-Fernsehauftritten bei Günter Grünwald bis zu Proben und Terminen mit dem Trio "Drei Haxn" mit Anni Preuß und Michael Well (Biermösl Blosn), zu dem Claudia ihr musikalisches und komödiantisches Drittel beiträgt. Ihre Podcast-Serie "Aufgschnappt" erscheint jeden Mittwoch auf diversen Plattformen und auf ihrer Webseite. Das ist viel Arbeit. Langsam wird es anstrengend. Da braucht es einen Mittagsschlaf. Am besten in der Sofakuhle, wo sich Claudia Pichler so wohl fühlt wie das "Silberfischerl in der Fliesenfuge".