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Puchheim:Naturschützer warnen vor Kahlschlag

Nicht mehr zeitgemäß sind die Bauten am Alois-Harbeck-Platz. Deshalb soll das Areal neu gestaltet werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Umweltbeirat befürchtet, dass für Neubauten am Alois-Harbeck-Platz mehr als 60 Bäume fallen. Doch die Bauherrin und der Bürgermeister versichern, dass das Areal im Zentrum Puchheims grüner werde als heute

Der geplante Umbau des Alois-Harbeck-Platzes in Puchheim stößt bei Umweltschützern auf Kritik. Moniert wird, dass mehr als 60 Bäume gefällt werden müssten. "Wenn man einen größeren Abstand halten würde, könnten die Bäume bleiben", sagte Eduard Knödlseder, Mitglied im Umweltbeirat. Die Bauherrin Laura Stieber versicherte der SZ hingegen, die Anlage werde nach dem Umbau "grüner als heute" aussehen. Auch Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) geht von einer "ökologischen Aufwertung" des Areals aus.

Der Gebäudekomplex aus den frühen Siebzigerjahren im Zentrum der Stadt gilt laut Eigentümerin und Stadt heutzutage als städtebaulich, funktional und bautechnisch mangelhaft. Stieber will mehr Wohnungen und mehr Gewerbe dort unterbringen. Die Wohnfläche soll um 3000 Quadratmeter wachsen, vorgesehen sind ein Hotel und ein Supermarkt auf 1200 Quadratmetern.

Knödelseder spricht von etwa 65 Bäumen, darunter viele größere, mehr als 50 Jahre alte Laubbäumen, wie Linden, Ahorn, Pappeln und Buchen, die überwiegend neuen Parkplätzen geopfert werden sollen. Die Zahl kursiert schon seit geraumer Zeit unter Naturschützern in der Stadt, die sich allerdings öffentlich bedeckt halten, weil sie hoffen, in Verhandlungen noch einige Bäume zu retten. Sogenannte Ersatzpflanzungen mit kleinen Jungpflanzen und Dachbegrünungen könnten den Verlust nicht ausgleichen, sagte Knödelseder. Die Bäume müssten gefällt werden, weil der neue Komplex größer werden solle, es würde eine deutlich größere Grundfläche bebaut als bisher. Die rechtlichen Vorgaben würden überschritten, deshalb müsse ein eigener vorhabensbezogener Bebauungsplan verabschiedet werden, sagte er.

Die Ladenzeile vorne an der Allinger Straße will Stieber abreißen und durch einen einstöckigen Bau für einen Supermarkt ersetzen lassen, das dreistöckige Gebäude im Südwesten soll einem siebenstöckigen Neubau weichen, das sogenannte Punkthaus im Nordosten drei Neubauten mit fünf bis sechs Etagen Platz machen, in einem davon ein Hotel untergebracht werden. Darunter wird eine neue zweigeschossige Tiefgarage angelegt. Die Zufahrt zu Tiefgaragen und Supermarkt soll über die Josefstraße abgewickelt.

Der Stadtrat unterstützt das Projekt, weil er sich eine Belebung des Zentrums erhofft, Widerspruch gab es zumindest öffentlich von keiner Fraktion. Ärger gab es zunächst wegen der Mieter und Gewerbetreibenden, die ausziehen mussten. Sie habe für die Mieter "zum größten Teil" andere Wohnungen in ihrem Bestand gefunden, die meisten Ladenbesitzer seien ausgezogen, sagte Stieber. Der Baubeginn werde sich allerdings verzögern. Statt im Sommer hoffe sie, im Herbst mit den ersten Abbrucharbeiten beginnen zu können.

Der städtebauliche Vertrag zwischen der Dr. Harbeck & Stieber GmbH & Co. KG und der Kommune ist laut Bürgermeister noch nicht abgeschlossen. Es existiere lediglich ein Grundlagenvertrag, in dem die Eckpunkte festgeschrieben seien. Ursprünglich hatte es geheißen, 30 Prozent der Wohnungen sollten zu günstigen Preisen vermietet werden, auch von einem Belegungsrecht der Stadt war die Rede. Außerdem enthalte der Grundlagenvertrag eine Abmachung über den vorhabensbezogenen Bebauungsplan einschließlich Verkehrskonzept, Altlasten, Lärmschutz und eine Umweltverträglichkeitsprüfung, erzählte Seidl der SZ. Über den Bebauungsplan soll der Planungsausschuss am Donnerstag, 2. April, entscheiden, wenn die Sitzung stattfinden sollte. Anschließend beginne die Beteiligung der Öffentlichkeit. "Es wird eine gravierend höhere Bebauung und Verdichtung", warnt Umweltbeirat Knödelseder. Wegen der Parkflächen mit über 70 Plätzen und mehreren Zufahrten von der Allingerstraße und der Josefstraße würden weitere Flächen versiegelt, zur Begrünung und Bepflanzung bleibe wenig übrig. Die "überwiegend autogerechte Planung mit Abholzung des nahezu kompletten Baumbestandes" steht nach Ansicht Knödelseders im Gegensatz zu den Klima- und Umweltschutzzielen die sich gerade die Stadt Puchheim immer wieder auf die Fahne geschrieben habe.

Stieber konnte nicht sagen, wie viele Bäume gefällt werden müssen. "Das ist der Preis und den trage ich mit", betonte der Bürgermeister. Allerdings geht Seidl wie die Immobilienbesitzerin davon aus, dass die Freiflächen anders und ökologischer gestaltet werden als jetzt. Das Areal sei ohnehin schon jetzt stark versiegelt.

Unfallträchtig wäre ein Geh-und Radweg parallel zur Allingerstaße direkt neben Längsparkern und auf der Zufahrt zu den Parkplätzen des neuen Supermarktes, warnte Knödelseder, auch der ADFC-Ortssprecher ist. Zumindest sollen die Schrägparker in der Allinger Straße nicht demontiert werden, die erst vor einigen Jahren von der Stadt gebaut wurden. "Die wollen wir behalten", sagte Seidl.

© SZ vom 26.03.2020
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