Puchheim Kostenschock

Alle Zimmer sind inzwischen voll ausgelastet. Das ist eine Trendwende. Vor Jahren sah es noch so aus, dass die Puchheimer Grundschule im Altdorf schließen muss, weil es an Kindern fehlt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Laurenzer Grundschule in Puchheim-Ort soll umgebaut und erweitert werden - für knapp 20 Millionen Euro. Doch selbst Kritiker sehen keine Alternative zu den Umbauplänen

Von Peter Bierl

- Die Laurenzer Schule in Puchheim-Ort wird für knapp 20 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Das beschloss der Stadtrat am Dienstag gegen die Stimmen der Freien Wähler, von Reinhold Koch (UBP) und Petra Weber (SPD). Zur Debatte standen drei Varianten. Die Mehrheit votierte für die teuerste Variante, weil sie davon den größten Nutzen erwartet. Die Frage war, ob ein Bewegungsraum, Platz für eine Kinderkrippe sowie eine Hausmeisterwohnung geschaffen werden sollen. Lediglich die Wohnung wurde von den meisten Räten als zu teuer verworfen.

Die Laurenzer Schule wurde als einzügige Grundschule mit vier Klassen betrieben, in drei Jahren werden fast zwei Züge mit acht Klassen erreicht sein. Alle Zimmer sind voll ausgelastet. Das ist eine Trendwende, sah es doch vor einiger Zeit so aus, als müsse die Schule im Altdorf schließen, weil es an Kindern fehlt. Inzwischen wächst das Dorf kräftig, was auf den Zuzug im Großraum München und die Umgehungsstraße zurückzuführen ist. Brachliegende Flächen in der Ortsmitte sind wertvolle Baugrundstücke geworden. Für den Umbau zu einer offenen Ganztagsschule hatte der Architekt zwei Varianten und eine Kombination aus beiden entwickelt. Die große Variante sieht vor, Turnhalle und Hausmeisterhaus abzureißen und das Schulgebäude so zu erweitern, dass hinterher acht Klassenzimmer, je drei Fachklassen- und Differenzierungsräume, Mensa und Bewegungsraum sowie Platz für die Mittagsbetreuung und eine separate zweigruppige Krippe zur Verfügung stehen. Der gesamte Komplex würde voll unterkellert. Bei der kleinen Variante würden Altbau und Erweiterung über die Aula verbunden, der Neubau wäre nicht unterkellert. Krippe und Bewegungsraum sowie ein Differenzierungsraum entfielen.

Die große Variante soll mehr als 19 Millionen Euro kosten, inklusive drei Millionen Euro für Container, in denen der Unterricht während der zweieinhalb Jahre Bauzeit stattfinden müsste. Außerdem hat der Architekt einen Puffer von 1,5 Millionen Euro einkalkuliert, um die übliche Kostensteigerung aufgrund des Baubooms abzufangen. Die abgespeckte Variante würde mehr als 16 Millionen kosten, erklärte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). Ein kompletter Abriss und Neubau käme auf rund 24 Millionen Euro, berichtete der Architekt. Den Neubau für die Hausmeisterwohnung bezifferte er auf 680 000 Euro.

CSU, Grüne und SPD zeigten sich zwar schockiert über die hohen Kosten, sehen jedoch keine Alternative zum Umbau. Sie plädierten jeweils für die große Erweiterung, aber gegen die Hausmeisterwohnung. Widerspruch kam von Michaela von Hagen (FW). Sie hält es für falsch, Grundschule und Kinderkrippe zu integrieren. "Wenn die Krippenkinder schlafen sollen, sind die Grundschüler in der Mittagszeit draußen und drinnen unterwegs." Obendrein würden in Puchheim-Ort drei Krippengruppen mit 36 Plätzen benötigt, aber an der Laurenzer Schule nur 24 eingerichtet. Als überflüssig kritisierte von Hagen den Bau einer Turnhalle, wenn nebenan schon eine steht, die nicht ausgelastet sei.

Der Bürgermeister wies diesen Vorwurf zurück. Vorgesehen ist, dass die alte Einfachturnhalle abgerissen wird, um Platz für die Erweiterung zu schaffen, dafür soll ein Bewegungsraum, keine Turnhalle gebaut werden. Daneben liegt noch eine weitere Turnhalle. UBP-Fraktionssprecher Koch schloss sich im Unterschied zu seiner Fraktion den Argumenten von Hagens an. Auch er hält die Kombination von Krippe und Grundschule für falsch, schon weil die Krippenkinder mit dem Auto gebracht werden. "Das bedeutet eine zusätzliche Gefahr für die Grundschüler, die zu Fuß kommen." Weber (SPD) rügte, dass die Container für die Bauzeit drei Millionen Euro kosten sollen. Der Landkreis gebe für fünf Jahre jeweils 200 000 Euro für ein Gebäude in Holzständerbauweise aus, das als Provisorium dient, während die neue Fachoberschule in Bruck entsteht, rechnete Weber vor, die auch im Kreistag sitzt.