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Puchheim:Knifflige Aufträge für den Bürgermeister

Sprechstunde beim Bürgermeister: Norbert Seidl mit Leonie und ihrer Oma Christine Briechle.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bei der ersten Sprechstunde für Kinder und Jugendliche im Puchheimer Rathaus äußern die Besucher konkrete Anliegen

Die erste Bürgermeistersprechstunde für Kinder und Jugendliche im Puchheimer Rathaus hat Norbert Seidl (SPD) gleich knifflige Aufträge beschert. Die allererste Besucherin war Leonie mit einer handfesten Beschwerde und einer resoluten Oma im Schlepptau, gefolgt von einer Delegation aus dem Kindergarten Zickzack in der alten Schule.

Im Rahmen der Umsetzung des Aktionsplans kinderfreundliche Kommune wird es künftig einmal im Monat eine offiziellen Sprechstunde für Fragen, Vorschläge, Wünsche und Kritik für junge Puchheimer geben. Vorher anmelden muss sich keiner. Außerdem wird der Bürgermeister im Rahmen der Sprechstunde Schulen und Kindertagesstätten besuchen, um auch dort mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Pünktlich um 16 Uhr waren Leonie und ihre Oma im Büro des Bürgermeisters erschienen, der Knabbergebäck aufgefahren hatte und allen Besuchern Bleistifte und bunte Straßenmalkreide schenkte. So günstig wird Seidl allerdings nicht wegkommen. Im Juli ist Leonies Familie nach Langwied umgezogen, und die Fünfjährige darf deshalb nicht mehr in ihren Regenbogen-Kindergarten in Puchheim, sondern muss nach Lochhausen. "Ich will aber nicht wechseln", beharrte sie. Seidl versuchte zu erklären, dass es in Puchheim zwar Plätze, aber kein Personal für die Kindergärten gebe, wurde aber von Leonies Oma unterbrochen, die solche Einwände nicht gelten ließ. Sie verwies auf einen Präzedenzfall mit einem anderen auswärtigen Kind. Schließlich lenkte der Bürgermeister ein. "Für eine bekennende Puchheimerin müssen wird das schon irgendwie hinkriegen."

Während Seidl noch mit Leonie verhandelte, hatten Jakob, Constantin, Lena-Marie und noch ein Jakob bereits vor der Tür auf der Wartebank Platz genommen, in Begleitung der Leiterinnen des Kindergartens. Die Delegation trug vor, dass die Wände im Keller des Kindergartens schimmeln. Dort seien Faschingskostüme und Spiele gelagert, die teilweise schon nicht mehr zu gebrauchen seien. "Es müffelt, da mag man gar nicht mehr runtergehen", lautete die Klage. Das Quartett hatte Beweismittel mitgebracht: Fotos von den Wänden, von denen die Farbschicht abblättert sowie ein Harlekinkostüm, das sich der Bürgermeister unter die Nase halten musste. "Das kriegt man selbst in der Waschmaschine nicht mehr raus", räumte Seidl ein, nachdem er den Moder gerochen hatte. Das alte Schulhaus stammt von 1928, der Keller ist feucht, weil der ganze Ort im Moor und damit im Grundwasser steht. Die Kindergartenleiterinnen versicherten, dass immer ordentlich gelüftet werde.

Aber was tun? Der Vorschlag des Bürgermeisters, den Dachboden als Lager zu nutzen, konterte die Delegation mit Verweis auf den Brandschutz, außerdem seien dort Architekturmodelle der Kommune deponiert. Eigentlich ist der Kindergarten dort nur provisorisch untergebracht, bis die Neubauten in der Ortsmitte stehen. Das werde bestimmt noch fünf Jahre dauern, meinte er. Einfacher ist es mit dem großen Streusalzsilo, das vor dem Kindergarten steht. Den kann Seidl wieder abbauen lassen. Und das Knabberzeug hat auch gereicht, obwohl einiges unter den Tisch gefallen ist.

Die nächste Kinder- und Jugendsprechstunde Seidls findet am Donnerstag, 13. Februar, um 16 Uhr in der Puchheimer Stadtbibliothek statt.

© SZ vom 08.02.2020
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