Süddeutsche Zeitung

Musik:Triumph im Goldenen Saal

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Das Puchheimer Jugendkammerorchester gewinnt bei einem Festival in Wien. Eine internationale Jury vergibt den Preis.

Von Anja Kolnsberg, Puchheim

Einmal im berühmten Goldenen Saal in Wien aufzutreten, ist der Traum vieler Musiker und Musikerinnen. Für das Puchheimer Jugendkammerorchester (PJKO) ist dieser Traum beim "Summa Cum Laude-Festival" in Wien in Erfüllung gegangen - einem globalen Jugendmusikfestivals für Chöre, Bands und Orchester, bei dem sich jährlich junge Talente aus der ganzen Welt treffen.

In der Hauptstadt der Musik haben die Puchheimer bereits zum dritten Mal den ersten Preis in der Kategorie Kammerorchester gewonnen. 2007 und 2010 gewann das PJKO bereits schon den Wettbewerb, beim zweiten Mal wurde es darüber hinaus mit dem Sonderpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Bei der mehrtägigen Reise konnte ein Quartett des Orchesters den musikalischen Rahmen der Eröffnungsfeier im Stephansdom mitgestalten. Als Gewinner des Wettbewerbs durften die jungen Musikerinnen und Musiker im Goldenen Saal, der als einer der besten Konzertsäle der Welt gilt, das Abschlusskonzert geben. Für das Programm mit Stücken von Tschaikowski, Carl Philipp Emanuel Bach, Grieg und Bartok wurde von einer internationalen Jury einstimmig der erste Preis verliehen.

Preisträger bei "Jugend musiziert"

Ausgewählt wurden die Stücke von Peter Michielsen, der das Kammerorchester seit beinahe 30 Jahren leitet und ebenso wie seine Frau Simone Burger-Michielsen an der Kreismusikschule in Fürstenfeldbruck unterrichtet. Unter seiner Leitung wurde das PJKO zu einem erfolgreichen Jugendorchester, kürzlich wurden 16 Mitglieder als Preisträger beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" ausgezeichnet. Um eine Chance auf einen Orchesterplatz zu haben, spielen viele Kinder schon im Alter von sieben bis neun Jahren in einem "Vor-Orchester" und steigen dann bereits mit Bühnenerfahrung im Kammerorchester ein. Die Nachfrage nach einem der etwas mehr als 30 Plätze ist hoch, durch ein Vorspiel können sich Nachwuchstalente zur Aufnahme qualifizieren, doch Plätze werden oft erst frei, wenn ältere Mitglieder nach dem Abitur das Orchester verlassen.

Um besondere Talente zu fördern, ist eine eigene "Streicher-Akademie" gebildet worden, in der sich Schüler und Schülerinnen gezielt für die Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen vorbereiten können. Die Erfolgsquoten sind hoch: Aktuell sind sechs von zehn Mitgliedern der Streicher-Akademie als Studenten an Hochschulen angenommen, 25 bis 30 Prozent arbeiten später als Berufsmusiker. Neben musikalischem Talent zählt besonders auch das Interesse und der Fleiß, sagt Simone Burger-Michielsen. "Der Musiker-Beruf ist nichts, was man sich nach dem Abitur überlegen kann, die Ausbildung beginnt ja schon in der Kindheit oder spätestens in der frühen Jugend", sagt sie.

Um den enormen Arbeits- und Zeitaufwand auf sich zu nehmen, bedarf es echter Hingebung, denn neben dem täglichen mehrstündigen Training müssen junge Talente außerdem breit gefördert werden: Regelmäßige Auftritte, gute Korrepetitoren, Bühnen-Training sowie Technik- und Theorieunterricht seien genauso wichtig für angehende Musiker und Musikerinnen, sagt Michielsen. Die Begabtenförderung beginnt bereits im Grundschulalter. Ab einem Alter von zehn Jahren können Nachwuchstalente in die Streicher-Akademie eintreten. Dabei bringt das PJKO immer wieder große Talente hervor: Dazu zählen Jeremias Pestalozzi und Maya Wichert, die sich bei internationalen Wettbewerben einen Namen machen konnten, und Anton Carus, der im Alter von zwölf Jahren Jungstudent an der Musikhochschule München wurde.

Am Donnerstag gibt das PJKO in Puchheim um 20 Uhr ein Open-Air-Konzert auf der Puc-Wiese. Gespielt wird das Konzert-Programm aus Wien plus Zugaben. Karten gibt es online beim Puchheimer Kulturzentrum.

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