Süddeutsche Zeitung

Sport:Ein Aufschlag für die Inklusion

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Der TC Puchheim ermöglicht Menschen mit Behinderung das Tennisspielen. Vereinsvertreter aus ganz Bayern kommen am Wochenende zum Workshop.

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Seit vergangenem Jahr betreibt der TC Puchheim (TCP) ein Tennis-Inklusionsprojekt. Das scheint erfolgreich zu laufen. Bei der Mitgliederversammlung konnte der wiedergewählte TCP-Vorsitzende Volker Heydkamp von einem zehnprozentigen Mitgliederzuwachs berichten. Jetzt ist der Verein bei 480 Mitgliedern angekommen. Etwa die Hälfte des Zuwachses - also etwa 20 Mitglieder - ging auf die Inklusion zurück. Die Freiluftsaison hat am vergangenen Wochenende offiziell begonnen.

Der Puchheimer Tennisclub scheint sogar so etwas wie der Hotspot in der Region München im Hinblick auf Inklusion zu sein. "Ja, es kommen auch Interessierte aus München und sogar aus Hausham", berichtet Elke Happach, die das Projekt seit gut einem Jahr federführend im Verein betreut. Sie ist eine ehemalige Bayernliga-Spielerin des TC Puchheim. Auf Rollstuhltennis sowie Tennis für Gehörlose, Menschen mit Sehbehinderungen und geistigen Behinderungen möchte sich der Verein mittel- und langfristig konzentrieren. Der nächste Schritt soll dann die Inklusion sein, also das gemeinsame Tennisspielen von Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderten. Das gestaltet sich nach wie vor schwierig und kann sicherlich nur mit langem Atem zu schaffen sein.

Rollstuhltennis funktioniert offenbar. Elke Happach hatte das ursprünglich mit ihrem gehbehinderten Vater Heinrich Enderle begonnen. "Eine regelmäßige Gruppe gibt es noch nicht", erzählt Happach, "aber es wird miteinander trainiert." Ab und zu würden auch "Fußgänger" mitspielen. Auch die Gruppe der geistig Behinderten spielt Tennis. Da ist eine Schwester eines Mitspielers als "Fußgängerin" dabei. Auch eine Gruppe blinder Tennisspieler hat sich konstituiert. Blind Tennis spielen - wie geht das? "Das wird mit Rasselbällen gespielt", erklärt Happach. Diese Bälle würden akustische Signale aussenden. "Vorhand und Rückhand geht schon", so die Anleiterin, "aber übers Netz ist bei Blinden noch schwierig."

Workshop zum Thema Inklusion

Der TC Puchheim will in Sachen Inklusion weiterhin Anlaufpunkt für andere Vereine und Interessenten sein. Dazu stehen auch Gelder für weitere notwendige Umbauten bereit. Auch der bayerische Tennis-Verband (BTV) ist aufmerksam geworden. In Kooperation mit dem Verband veranstaltet der Verein am Sonntag auf der TCP-Anlage in Puchheim einen Workshop zum Thema "Inklusion im Tennis" für interessierte Vereinsvertreter aus Bayern. "Von 11 bis 15 Uhr findet Theorie und Praxis statt", so Elke Happach. Anmeldungen sind noch über die Internetseite des BTV möglich.

"Finanziell steht der Verein auf sehr gesunden Beinen", sagt der neue Pressewart Joachim Georg, auch Investitionen seien möglich. Fest avisiert ist der Bau von vier Padel-Plätzen bis zum Sommer dieses Jahres, denen zwei bestehende Tennisplätze weichen müssen. Padel, eine Mischung zwischen Tennis und Squash, "ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Europa, die in allen Altersstufen schnell zu erlernen ist und ganzjährig im Freien betrieben werden kann", so die Mitteilung des Pressewartes. Auf Aufnahmegebühren wird weiterhin verzichtet, die Mitgliedsbeiträge bleiben unverändert.

Wiederwahl des Vorsitzenden

Damit der Puchheimer Tennisclub funktioniert, haben sich bei der Mitgliederversammlung neben dem Vorsitzenden Heydkamp noch andere Mitglieder für das Ehrenamt im Vorstand zur Verfügung gestellt. Als zweiter Vorsitzender amtiert weiterhin Jens Nielsen, Björn Wille ist der alte und neue Sportwart, der auch für den Jugendbereich zuständig ist. Neu in den Vorstand gewählt wurden Stephanie Kapitz als Schatzmeisterin, Guido Kersten (Technik) und Hendrik Willig (Controlling). Ausgeschieden sind die langjährige Schatzmeisterin Beatrice Bergemann, Markus Kirchenbauer (Jugendwart), Svenja Habenschaden (Pressewartin) sowie Rudolf Fuchs (Breitensportwart).

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