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Puchheim:Grauzone unterm Dachgrün

Ein neues Gesicht für den Alois-Harbeck-Platz: Architekt Sven Ott stellt im Puc am Holzmodell und mit Hilfe von Grundrissen das Projekt vor.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Kulturzentrum beginnt die Bürgerbeteiligung zum Umbau des Alois-Harbeck-Platzes mit einer Diskussionsrunde. Bemängelt werden dabei vor allem die oberirdischen Parkplätze sowie die geplante Fällung von 60 Bäumen

Von Peter Bierl, Puchheim

Der geplante große Neubau des Komplexes am Alois-Harbeck-Platz im Puchheimer Zentrum stößt bei manchem Bürger auf Kritik. Besonders die oberirdischen 50 Parkplätze für den Lebensmittelmarkt und die Fällung von 60 Bäumen wurden bei am Mittwochabend im Kulturzentrum Puc angesprochen. Ohne solche Stellplätze würde sich kein Betreiber finden, erklärte Ralph Müller von der Münchner Projektentwicklergesellschaft Dynamis. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) kündigte an, wegen der ökologischen Aspekte noch mal zu verhandeln.

Zunächst hatten die Architekten der Eigentümerin Laura Stieber den etwa 40 Besuchern im Saal des Puc die Pläne vorgestellt. Alle Gebäude werden abgerissen, bis auf das sechsstöckige große Haus mit 44 Wohnungen auf der rückwärtigen Seite, das energetisch saniert werden soll. Vorne an der Allinger Straße entstünde auf 1200 Quadratmetern ein neuer Supermarkt. Darüber würden vier Stockwerke mit je vier Wohnungen gebaut, teils mit Dachterrassen. In zwei Neubauten mit drei und fünf Stockwerken wird ein Aparthotel eingerichtet, in dem Menschen für einige Zeit wohnen und arbeiten können. Die großen Zimmer sollen Platz für Homeoffice sowie eine Kochnische bieten. An der Ecke zu Bahnlinie und Straße ist ein siebenstöckiges Gebäude vorgesehen. Im Erdgeschoss sollen Läden untergebracht werden, ausnahmsweise auch Dienstleister.

Die Frage nach der Gesamtzahl der Wohnungen am Alois-Harbeck-Platz beantwortete Architekt Sven Pott: 44 alte Wohnungen bleiben erhalten, 31 werden neu gebaut, so dass es am Ende 75 sein werden. Eine andere Bürgerin lehnt den Bau eines Supermarkts ab - von denen gebe es schon mehrere in der Stadt. Was in Puchheim wirklich fehle, sei ein Fahrradgeschäft und ein Naturkostladen. Müller antwortete, dass dafür noch mehrere kleine Gewerbeeinheiten zur Verfügung stünden.

Für einigen Unmut sorgen die 50 oberirdischen Parkplätze, zumal für sie etliche Bäume gefällt werden müssen. Die Planer sowie Müller betonten, dass alle Supermarktbetreiber darauf beharrten, ja sogar deutlich mehr Parkplätze haben wollten. Derzeit habe man zwei bis drei Interessenten an der Hand und hoffe auf einen baldigen Abschluss, sagte Müller.

Den Vorschlag von Reinhard Gatz vom Bund Naturschutz, stattdessen ein Parkdeck zu bauen, wies der Architekt zurück. Am Anfang der Planung habe man diese Lösung erwogen, aber ein solcher Bau würde von den Marktbetreibern nicht akzeptiert. Diese gingen davon aus, dass Kunden ebenerdig parken wollen. Müller erklärte, städtebaulich wäre ein solches Parkdeck negativ, schon weil man eine "monströse" Auffahrt dafür bauen müsste.

Zu den Bäumen erklärte ein Planer, dass sich darunter auch eine Reihe von schönen alten Pappeln befinde, die aber leider Äste abwerfen und deshalb gefällt und durch neue Anpflanzungen ersetzt werden sollen. Insgesamt würde die Zahl der Bäume auf dem Areal reduziert, aber dafür entstünden begrünte Dachflächen. Gatz versicherte, er werde die Bäume "nicht kampflos sterben lassen". Seinen Angaben zufolge befinden sich darunter einige Laubbäume, etwa Ahornbäume, die zwischen 50 und 60 Jahren alt sind. Müller antwortete, dass dem Unternehmen die Ökologie am Herzen liege. Den Einwand, dass durch die Neubebauung eine erhebliche Verdichtung auf dem Areal stattfindet, was sich in Form höherer Temperaturen auf das Mikroklima auswirke, konterte Müller mit dem Verweis auf die begrünten Dachflächen und Wände.

Eine Frau fragte den Bürgermeister, ob die Stadt mit der Zustimmung zu dem Großprojekt nicht ihre ökologischen Ziele über Bord werfe. Seidl antwortete, dass die Kommune ihren Einfluss geltend mache, aber nicht Grundeigentümer sei. Der Stadtrat könne allenfalls einen Bebauungsplan verweigern, dann würde alles bleiben wie es ist. Der Bürgermeister versicherte dem Publikum jedoch, dass er versuchen wolle, die Pläne in Verhandlungen zu verbessern. So könnte ein Teil des Betonabbruchs vor Ort zerkleinert und wiederverwendet werden, außerdem könnte die Familie Harbeck-Stieber eines ihrer anderen Grundstücke in Puchheim für ein Ökokonto zur Verfügung stellen.

Die Pläne hat der Ausschuss für Stadtentwicklung Anfang Juli im Grundsatz bereits einstimmig genehmigt, was an der Basis der Grünen für Unmut sorgte. Die Fraktion soll deshalb im Zuge der weiteren Bürgerbeteiligung noch Verbesserungen durchsetzen. Auf die Diskussion im Puc folgen ein Ideenworkshop am Samstag, 26. September, auf dem Platz. Kleine Fragerunden mit dem Planer und Mitarbeitern des Bauamtes im Sitzungssaal des Rathauses sind für Donnerstag, 24. September, und Donnerstag, 8. Oktober, jeweils von 18 bis 20 Uhr, vorgesehen.

© SZ vom 11.09.2020

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