Mitten in Puchheim:Ein Pokal für die Raufbolde

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Mitten in Puchheim: Friedenspokal von 1878: Ausschnitt mit den eingravierten Namen.

Friedenspokal von 1878: Ausschnitt mit den eingravierten Namen.

(Foto: Philipp Mansmann/Haus der Bayerischen Geschichte)

Um die Rangeleien zwischen Puchheimer und Germeringer Burschen zu beenden, lässt der Wirt Anton Schöffel 1878 alle Streithansel aus einem Gefäß trinken.

Kolumne von Andreas Ostermeier

Huber, Glas, Mair, Schinagl, Pfab und Obermeier stehen bei den Buchheimern (seinerzeit noch mit "B" geschrieben), Keller, Reger, Sepp, Katzl und Wagner bei den Germeringern. Was sich liest wie die Aufstellung von zwei Fußballmannschaften, sind die Namen von Burschen aus den beiden benachbarten Gemeinden, die wohl des Öfteren im Wirtshaus "Zur Puchheimer Flur", dem heutigen "Unterwirt", aneinandergerieten - verbal und auch tätlich. So lange, bis es dem Wirt Anton Schöffel reichte und er im Jahr 1878 einen Friedenspokal stiftete. In den ließ er die Namen der Streithansel eingravieren (es sind einige mehr als die genannten).

Die Wirtshausrauferei gehört zum tradierten Bild bayerischer Gastlichkeit wie Brezen, Bier und Leberkäs. Dass in der Gaststube und davor gestritten und geschlagen wurde, wird in Büchern beschrieben, in Filmen gezeigt und auf Bildern dargestellt. Wer sich die Streitigkeiten, ausgetragen mit Worten und Fäusten, auf einem Bild aus dem 19. Jahrhundert ansehen möchte, findet im Internet etliche Beispiele, unter ihnen Heinrich Bürkels "Rauferei vor einem Wirtshaus", datiert auf eine Entstehungszeit zwischen 1853 und 1856.

Weitaus weniger häufig als die Beschreibungen von Wirtshausraufereien dürften Gegenstände wie der Puchheimer Friedenspokal sein, denn dieser mahnte die Besucher, sich auch nach dem Genuss mehrerer Mass Bier nicht an die Gurgel zu gehen. Die Ausstellungsmacher im Haus der bayerischen Gesichte in Regensburg bewerten den Pokal jedenfalls als etwas Besonderes. Sie zeigen ihn bis 11. Dezember in der Ausstellung "Wirtshaussterben? Wirthausleben!"

Anton Schöffels Pokal trug tatsächlich zur Befriedung bei. Die Puchheimer und Germeringer Burschen mussten alle aus dem Pokal trinken und versprechen, sich nicht mehr bei jeder Tanzmusik zu raufen und ihre Zwistigkeiten friedlich beizulegen. Laut Ausstellungstext soll das gelungen sein, die Burschen hätten sich an ihr Wort gehalten, heißt es in der Beschreibung des Ausstellungsstücks aus Puchheim. Für immer Frieden war deshalb freilich nicht. Anton Schmid, Eigentümer des Unterwirts, kann sich zwar nicht an Streitereien mit Germeringern erinnern, jedoch habe es während seiner Kindheit Auseinandersetzungen mit Allinger Burschen gegeben. Einen weiteren Friedenspokal hat deshalb aber niemand gestiftet.

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