Puchheim Gelächter und höhnischer Beifall

Werben für Geothermie in Puchheim: PR-Manager Norbert Baumgärtner (von links), Bürgermeister Norbert Seidl und Bohrfirma-Chef Curd Bems.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Informationsabend zum Puchheimer Geothermie-Projekt kann die Gegner nicht besänftigen

Von Peter Bierl, Puchheim

Die Geothermie interessiert die Puchheimer. Mehr als 250 Bürger kamen am Donnerstag zum Informationsabend der Stadt ins Kulturzentrum Puc. Drei Stunden hörten sie Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), dem Chef der Bohrfirma Exorka, Curd Bems, sowie dem PR-Manager Norbert Baumgärtner zu. Die drei erläuterten anschaulich technische, wirtschaftliche, geologische und haftungsrechtliche Aspekte. Die Bürgerinitiative, die das Projekt stoppen will, haben sie nicht überzeugt. Mitglieder verteilten Flyer am Eingang, in denen ein Bürgerbegehren angekündigt wird.

Entgegen den Ankündigungen hatte die Stadt den Ablauf des Abends leicht abgeändert. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Zuhörer ihre Fragen an sogenannten Thementischen im Saal an Experten richten sollten. Nun konnten die Bürger in einer längeren Pause nach den Vorträgen von Seidl, Bems und Weingärtner Fragen schriftlich einreichen, ähnlich wie es in Puchheim auf Bürgerversammlungen gehandhabt wird. Davon machten viele Gebrauch, die Zettel wurden thematisch sortiert und vom Podium beantwortet. Ein Rederecht hatte keiner, Nachfragen und Statements waren nicht möglich. Baumgärtner erläuterte Details. Die Stadt und die Bohrfirma haben sich einen Claim auf ein 80 Quadratkilometer großes Gebiet gesichert, das Eichenau und Alling einschließt, sowie Teile von Olching, Gröbenzell und Fürstenfeldbruck. Auf einem städtischen Grundstück in der Nähe des Ikarusparks sollen zwei Löcher bis in 2400 Meter Tiefe gebohrt werden, um etwa 85 Grad heißes Wasser zu Tage zu fördern. Die Energie soll über Wärmetauscher abgenommen und durch das Fernwärmenetz des Bayernwerks an Haushalte und öffentliche Gebäude geliefert werden.

Die Anlage soll eine Leistung von sieben bis acht Megawatt haben und im Jahr etwa 20 000 Megawattstunden Heizenergie liefern. Damit könnte die Geothermie das bisher verwendete Gas zu 95 Prozent ersetzen, so Bems. Damit wäre Geothermie ein wichtiger Beitrag zur Energiewende, betonte der Bürgermeister. Zur Geothermie gebe es in Puchheim wenig Alternativen, ein Windrad sei nicht möglich und die Solarenergie werde man weiter ausbauen.

Leicht unterschiedlich bewerteten Bems und Seidl die Gefahren der Geothermie. Der Bürgermeister verwies auf die Anlage in Freiham, die problemlos laufe, in Puchheim sei ein Risiko "nicht gegeben", erklärte Seidl, was einige Besucher mit Gelächter und höhnischem Beifall quittierten. Die Bürgerinitiative fürchtet, dass durch Mikrobeben wie in Poing an Bodenplatten und Wannen Risse entstehen und Grundwasser eindringen könnte, das in Puchheim im früheren Moorgebiet sehr hoch steht. Er habe da "keine Sorge", so Seidl. Der Geschäftsführer von Exorka bezeichnete ein solches Risiko als "äußerst gering". Andernfalls würden die Behörden keine Genehmigung erteilen. Jeder Schritt sei abgesprochen, es sind jede Menge Genehmigungen notwendig. Es sei ein "betreutes Bohren", sagte Bems. Die geologische Struktur im Untergrund von Puchheim sei obendrein anders als in Poing. Erst die Mikrobeben dort im Sommer hatten in Puchheim Unmut ausgelöst.

Auch er als Unternehmer habe Angst, und zwar Angst, sein Geld zu verlieren, wenn etwas schiefläuft. Die gemeinsame Firma, die Exorka und die Stadt gründen werden, soll eine Mindestrendite von drei Prozent abwerfen. Die Investititon beläuft sich auf rund 16 Millionen Euro. Rund um die Bohrlöcher wird ein sogenannter Einwirkungsbereich von etwa sechs Quadratkilometer gezogen. Sollten Schäden in dieser Zone auftreten, müsse der Betreiber nachweisen, dass die Geothermieanlage diese nicht verursacht hat, sagte Seidl. Bems erklärte das doppelte Überwachungsnetz, das die Firma installieren werde: Vermessungsmarken würden Hebungen und Senkungen des Bodens und Geophone in den Kellern etwaige Beben registrieren. In ausgewählten und von Bürgern vorgeschlagenen Häusern werde man eine Beweissicherung vornehmen, also den Zustand der Gebäude vor Beginn der Bohrungen dokumentieren. Die Kosten trägt die Geothermie-Firma.

Der Einwirkungsbereich wird von der Firma festgelegt, nur wenn etwas passiert legen die Behörden eine solche Zone fest, erklärte Bems auf Nachfrage. Jenseits dieser Zone liegt die Beweislast ohnehin bei den Geschädigten. Im Schadensfall tritt zuerst die Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssummer von zehn Millionen Euro ein, dann das Geothermie-Unternehmen und zuletzt die beiden Gesellschafter, die gesamtschuldnerisch haften, erklärte der Bürgermeister. Dabei wiederholte Seidl, dass die Kommune "nicht Pleite gehen kann".