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Puchheim:Gartengrün und sumpfbraun

Der Rundgang durch die Puchheimer Ausstellung ist vergleichsweise kurz

Von Lucia Weigl, Puchheim

Nicht einmal 100 Meter lang ist der Kunstrundgang um die Alte Schule in Puchheim-Ort herum. Doch die Künstlervereinigung "Kreos" schafft es, auf dem kurzen Kunstspaziergang durch den Garten rund um das Haus einen vielfältigen und abwechslungsreichen Blick auf ihr Thema "Umwelt im Kopf" zu bieten. Jeder Künstler fasst das Thema ganz persönlich auf und verarbeitet in seinen Werken die eigene Sicht auf die Umgebung. Im gesamten Garten verteilt sind so etwa 30 unterschiedliche Werke zu betrachten.

Die zwei Gemälde der Künstlerin Hariet Paschke bestechen durch ihre zahlreichen Grüntöne. Wäre der braune Holzrahmen nicht, würde das Grün der Bilder in das Grün der Hecke dahinter übergehen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich im oberen Werk Personen und Hunde als Umrisse erkennen. Außerdem sind Blätter und Morastlöcher zu sehen. Die Inspiration sei ihr beim täglichen Laufen vorbei am Puchheimer Bahnhof gekommen, erzählt Paschke. Sie male alles, was sie so antreffe. Im unteren Bild habe sie zusätzlich zu Grün auch mit einigen Brauntönen gearbeitet. Diese würden einen kommenden Herbst andeuten.

Mit dem Organischen spielt diese Skulptur von Barbara Saatze.

(Foto: Günther Reger)

Ganz anderes ist die Perspektive des Künstlers Thomas Hawes auf die Thematik. Sein Werk "Tod der Konsumwaren" wechselt zwischen abstrakten und konkreten Elementen. Durch aufgeklebte Stoffstücke von alten Schuhen und Schnürsenkeln, entsteht mit den vielen grellen Farben eine Art Konsumexplosion, womit er auf das übermäßige Konsumverhalten der Menschen anspiele. Für sein weiteres Bild nutzt er hauptsächlich die Farben Grau und Grün, doch die dargestellte Explosion "Star Wars" steht wie der Krieg der Nationen auch für eine Umweltkatastrophe, sagt Hawes. Neben den Öl- und Acrylgemälden sowie der Hinterglasmalerei sind auch eine Lyrikcollage und zahlreiche Skulpturen und Installationen ausgestellt.

Der Künstler Martin Leitheiser bestückt seine Installation mit einem Schild mit der Aufschrift "Nicht berühren, Verletzlich!".Zu sehen ist eine Szene einer gefährdeten Erdkugel vor einer Wand aus Spiegeln. Ein kleiner Eisbär aus Plastik steht auf schmelzendem Eis, eine handgroßer Erdball scheint in Flammen zu stehen. Über der Szenerie schwebt eine Adlerfigur, wie ein kleines Hoffnungszeichen. Somit zeigt das Werk die Verletzlichkeit der Erde, der Natur und dadurch auch die des Menschen. "Wir vergessen oft, dass wir Menschen auch Teil der Natur sind", sagt seine Lebensgefährtin Gudrun Böhm. Sie selbst greift das Thema mit ihren Naturfotografien auf. In der Lockdownzeit habe sie viel Zeit gehabt, um in ihrer eigenen Umgebung immer neue Dinge zu entdecken. Die schönen Naturmotive, die sie auf ihren Spaziergängen festgehalten hat, betitelt sie mit "Rund um Puchheim; Lockdown lockt Schönheit." Die Bilder zeigen wilde Baumkronen und Spiegelung von Pflanzen in der Wasseroberfläche eines Sees ganz natürlich und unaufdringlich.

Die imposanten Gemälde von Antonio Niosi hingegen stechen schon von weitem hervor. Auf dem einen Bild ist ein Sumpf zu erkennen, der in dunkleren Tönen wie braun und olivegrün gehalten ist. Der dazu im Gegenteil leuchtendgelbe Fischschwarm, schwimme aber nicht im sondern über dem Wasser. Es stelle eine Entfernung von der Natur dar, erklärt Niosi. Auch den Menschen in seiner städtischen Umgebung verwendet Niosi als Motiv. Sein zweites Werk zeigt ein sich spiegelndes blaues Schachbrett, welches im Wasser verschwimmt. Den Hintergrund zieren rote Hochhäuser und rote Gesichter, die ineinander übergehen zu scheinen.

Ingeberga Wölfinger ließ sich bei einem ihrer Gemälde auch von der Sichtweise der Kinder auf die Umwelt inspirieren. Auf einem kräftigen warnorangen Hintergrund ist eine weiße Kopfsilhouette abgebildet. Darin vereint sie all die Dinge, die Kinder mit der Thematik verbinden. So werden zum Beispiel eine Insel, ein Flugzeug, eine Fabrik sowie ein Auto gezeigt. Die unterschiedlichen Darstellungen der Kunstschaffenden, mache den Kunstspaziergang sehr interessant und lasse einen ganz anderen Blick auf die Umwelt zu, erzählt eine Besucherin.

Ziel der Ausstellung war aus vielfältigen Perspektiven die schönen Aspekte der Umwelt zu beleuchten. Gerade in einer immer weiter urbanisierenden Gegend wie Puchheim, sei es wichtig die Natur um einen herum schätzen zu lernen, erzählt Paschke. Dazu solle auch die Ausstellung beitragen. "Wir können der Kultur in Puchheim ein Profil geben", sagt sie. Nach dem Rundgang bleiben trotzdem gemischte Gefühle. Zum einen erkenne man nun die Schönheit seiner eigenen Umgebung, zum anderen regen die Werke zum Nachdenken über die leichte Zerbrechlichkeit dieser Schönheit an. In der Zukunft möchte die Künstlervereinigung auch wieder größere Ausstellungen verwirklichen.

© SZ vom 14.06.2021
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