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Puchheim:Funksprecher mit sonorer Stimme

Er geht auf Streife und nimmt Notrufe entgegen. Am Anfang schreibt er Anzeigen auf Papier mit Durchschlag, gegen Ende seiner Dienstzeit muss er noch eine neue Software erlernen. Jetzt ist Erwin Bodendorfer nach 43 Jahren bei der Polizei in Ruhestand gegangen

Von Ariane Lindenbach, Puchheim

Eigentlich war es ein Zufall, der ihn 1977 dazu brachte, sich bei der Polizei zu bewerben. Erwin Bodendorfer, der in Gröbenzell aufgewachsen ist, arbeitet damals als Fliesenleger, allerdings ohne Ausbildung. Seine Tante sei seinerzeit gut befreundet gewesen mit dem damaligen Leiter der Polizeihochschule in Fürstenfeldbruck. Sie erklärt dem damals 17-Jährigen, dass eine Karriere bei der Polizei eine durchaus respektable Sache ist. Erwin Bodendorfer hat den Rat seiner Tante beherzigt; unlängst wurde der mit seiner Ehefrau inzwischen in Puchheim lebende 62-Jährige nach 43 Jahren aus dem Polizeidienst verabschiedet.

Konsequenter Bartträger: Erwin Bodendorfer (fünfter von links).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Streifenpolizist, Funksprecher und gegen Ende seiner Dienstzeit noch einmal Streifenpolizist - das war im Schnelldurchlauf Bodendorfers Berufsleben. Sieht man genauer hin, so hat der Puchheimer in diesem knappen halben Jahrhundert den strukturellen Wandel selbst miterlebt. Er hat die Umstellung von mit papiergefüllten Aktenordnern auf benutzerfreundliche Computerprogramme mitgemacht und zwei Mal erlebt, wie eine Einrichtung der Polizei geschlossen wurde, einmal in Fürstenfeldbruck und dann 2019 noch einmal in Gröbenzell. "Wo ich angefangen habe, hat man noch mit einem Holztrichter den Bildschirm ab fotografiert", erinnert sich Bodendorfer. Und dass dieser grün-schwarz war. Verkehrsordnungswidrigkeiten wurden damals Ende der Siebzigerjahre in siebenfacher Ausführung mit Blaupause auf Papier geschrieben. "Das war eine schöne Zeit", findet der Puchheimer.

Erwin Bodendorfer zu Beginns einer Karriere als Polizist.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Als Bodendorfer 1981 in Gröbenzell anfängt, er hat gerade eine zweijährige Ausbildung in Königsbrunn hinter sich gebracht und einige Jahre bei der Bereitschaftspolizei Dachau. "Da lief gerade die Ursula-Hermann-Suche", berichtet er. Das zehn Jahre alte Mädchen wurde am 15. September 1981 in der Nähe des Ammersees entführt. Die Polizei fahndet damals Bodendorfer zufolge im großen Stil bei Verkehrskontrollen nach speziellen Auto-Batterien, sogenannten Sonnenschein Batterien. Die Aktion bleibt erfolglos, die Entführte wird Anfang Oktober tot in einer im Boden vergrabenen Kiste entdeckt.

Erwin Bodendorfer kurz nach seiner Pensionierung.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die längste Zeit seines Lebens, von 1988 bis 2008, war Bodendorfer als Funksprecher bei der Einsatzzentrale in Fürstenfeldbruck tätig. Er nahm Notrufe entgegen und übermittelte sie an die zuständigen Kollegen vor Ort. Darüber schreibt sein Kollege und Vorgesetzter bei seiner letzten Arbeitsstelle, der stellvertretende Chef der Germeringer Polizeiinspektion, Andreas Ruch: "Erwin Bodendorfer hatte sich rund 20 Jahre als Funksprecher in der Polizei-Einsatzzentrale in Fürstenfeldbruck mit seiner sonoren respekteinflößenden Stimme einen Namen in der Kollegschaft weit über die Grenzen des Landkreises gemacht." Der so gelobte widerspricht: "Ich glaube, die war nicht angenehm, ich glaube, die war eher resolut und bestimmt. Aber eigentlich kennt mich jeder von den alten Kollegen." Wie der 62-jährige vermutet, seien wohl viele Kollegen aus seinem Wirkungsbereich in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Dachau, Landsberg am Lech und Starnberg deshalb einmal zu seiner Arbeitsstelle in der Kreisstadt gekommen, um sich persönlich davon zu überzeugen, "ob der wirklich so grantig ist", erzählt er lachend.

Als 2008 die Polizeidirektionsebene Fürstenfeldbruck aufgelöst wird, kehrt Bodendorfer in die Gröbenzeller Inspektion zurück. Er macht vier Jahre Streifendienst, muss dafür das Integrationsverfahren Polizei lernen, ein inzwischen veraltetes Programm zur Anzeigenbearbeitung. "Dieser Schritt, im Jahre 2008 wieder auf der Straße unter völlig veränderten Rahmenbedingungen in Uniform seinen Mann zu stehen, nötigte insbesondere seinen meist deutlich jüngeren Kollegen und Kolleginnen großen Respekt ab, weil er sich dieser Herausforderung noch einmal stellte." So hat Ruch es erlebt. Bodendorfer wird schließlich Waffen- und Gerätewart. In der Position sei er eigentlich "Mädchen für alles" gewesen. Wie Ruch schreibt, "war sein großes Organisationstalent auch bei der Auflösung der PI Gröbenzell im Jahre 2019 sehr gefragt, bei der er stets jeden verschwunden geglaubten Schlüssel wieder zu Tage förderte".

Zum zweiten Mal in seiner Dienstzeit erlebt Bodendorfer 2019 ein Ende, diesmal das der Polizeidienststelle in Gröbenzell. "Ich habe wirklich die Tür zugesperrt", sagt Bodendorfer. Für zwei Jahre wechselt er noch einmal nach Germering. Zu seiner Verabschiedung Ende April kam auch sein früherer, schon pensionierter Chef aus der Gröbenzeller Zeit, Karlheinz Pangerl.

© SZ vom 12.05.2021
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