Puchheim:Erfahrungen zweier Impfärzte

Puchheim: Rainer Jund (Mitte) im Gespräch mit Philip Kampmann, ärztlicher Leiter des Münchner Impfzentrums (rechts), und Moderator Achim Puhl.

Rainer Jund (Mitte) im Gespräch mit Philip Kampmann, ärztlicher Leiter des Münchner Impfzentrums (rechts), und Moderator Achim Puhl.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Autor Rainer Jund stellt sein neues Buch vor und diskutiert mit Kollegen

Von Florian J. Haamann, Puchheim

Die Gefahr, dass einem auf dem Weg zum Impfen etwas zustoße sei größer als das Risiko einer schweren Nebenwirkung bei der Impfung selbst. Mit Informationen wie diesen wirbt Philip Kampmann, ärztlicher Leiter des Münchner Impfzentrums und Allgemeinmediziner in Olching, bei einer Diskussionsrunde am Mittwochabend noch einmal kräftig für die Impfung. So habe er im Impfzentrum mehr als eine Million Impfungen zu verantworten, dabei habe es gerade einmal drei schwere allergische Reaktionen in der obligatorischen Viertelstunde Wartezeit nach dem Piks gegeben - und auch diese Fälle seien Dank der schnellen Versorgung vor Ort gut ausgegangen.

Auf Einladung der Buchhandlung Bräunling hat Rainer Jund, HNO-Arzt in Puchheim und Autor, in der ausverkauften Auferstehungskirche sein Buch "Von der Impffront" vorgestellt und mit Kampmann über die Erfahrungen, die beide als Impfärzte in den vergangenen Monaten gesammelt haben, gesprochen. Was genau das eigentlich für ein Buch sei, will Moderator Achim Puhl, Leiter der Puchheimer Volkshochschule, zu Beginn von Jund wissen. Am ehesten würde er es mit dem Bericht eines Frontsoldaten vergleichen, antwortet der Autor und betont, dass es sich dennoch um ein fiktives Werk handelt, das von den Erfahrungen in seiner Praxis inspiriert sei. Die Gegner, das seien in erster Linie das Virus, aber auch die Vorurteile in Teilen der Gesellschaft und nicht zuletzt die eigenen Zweifel, das immer wieder neu bestimmen des eigenen Standpunkts.

Als Arzt sei man ja kein Roboter, macht Jund deutlich. Die Dramatik der Pandemie habe ihn auch persönlich berührt. Als Arzt habe man nur die Wahl gehabt seine Arbeit zu machen oder es sein zu lassen, betont Kampmann: "Es gab also keine Wahl. Also haben wir die Patienten so gut versorgt, wie wir konnten". Dabei seien die Ärzte anfangs ziemlich alleine gelassen worden, jeder habe seinen eigenen Weg erfinden müssen.

Drei Kapitel aus seinem Buch liest Jund vor, über verantwortungslose Eltern, eine Senioren, die sich zwar am Herzen operieren lässt, beim Thema Corona aber lieber auf Gott vertraut - und über die Hoffnung auf eine Zukunft ohne Pandemie.

In der Diskussion geht es dann nicht nur um medizinische Fakten, sondern auch um darum, was die Pandemie mit der Gesellschaft gemacht habe, warum sich manche Menschen so verhielten, wie sie es eben tun. Wie es denn zu erklären sei, dass nur etwa zehn Prozent der Menschen als klare Impfgegner gelten, bisher aber nur gut 60 Prozent immunisiert seien, will einer der Besucher wissen. Zwar gebe es eine Gruppe von Menschen die sich noch unsicher seien, vor allem aber stehe die Impfung bei den vielen einfach nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, sagt Kampmann, dazu komme die Bequemlichkeit. "Ich begreife das nicht so ganz". Aber gerade deshalb seien die mobilen Impfteams so wichtig, die dort hinfahren, wo die Menschen sind. "Wir haben vergangene Woche 70 Locations angefahren und es ist unfassbar, wie viele Menschen wir damit erreicht haben", sagt Kampmann.

Anhand aktueller Daten des amerikanischen Centers for Disease Control macht Jund noch einmal deutlich, wie gering die Gefahren einer schwerwiegenden Nebenwirkung sind. So gebe es zwei bis fünf Fälle eines schweren allergischen Schocks pro Million und 46 Thrombose-Fälle bei 14,5 Millionen verabreichten Impfdosen - eine Quote von 0,00032 Prozent. "Da ist die Gefahr einer Hirnblutung nach einer Aspirin um ein x-faches höher", fasst es Jund zusammen.

© SZ vom 24.09.2021
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