Puchheim Erdbeben im Stadtrat

Geothermie-Gegner wollen Politik in die Pflicht nehmen

Von Peter Bierl, Puchheim

"Macht's Frieden und vertragt's euch", hatte der Männerchor eben noch gesungen, während Kommunalpolitiker und Bürger an Glühwein und Punsch schlürften und sich an Lebkuchen und Gebäck labten. Ein paar Minuten später war die vorweihnachtliche Harmonie dahin, als Vertreter der Bürgerinitiative zum Geothermievorhaben in der aktuellen Viertelstunde des Puchheimer Stadtrats wissen wollten, wann und wie die Informationsveranstaltung zu dem Projekt abgehalten wird. Sie fürchten, mit einem einseitig besetzten Podium konfrontiert zu werden.

Zunächst wollte Daniel Goubeau wissen, ob die Kommune nicht allmählich mit dem Beweissicherungsverfahren beginnen wolle, schließlich ginge es um etwa hundert Privathäuser. Darüber werde er auf der Informationsveranstaltung Anfang Februar sprechen, antwortete Bürgermeister Norbert Seidl (SPD). "Sollen bei der Veranstaltung nur Vertreter der Firma oben sitzen oder auch unabhängige Experten?", hakte Klaus Ebbrecht nach. Er spielte auf das Unternehmen Geopex an, das das Projekt in Puchheim betreiben soll. Dabei handelt es sich um eine Gesellschaft, in der die Firma Geysir Europe sowie die Kommune die Kommanditisten wären. "Ich habe keinen Überblick", antwortete Seidl, woraufhin Ebbrecht fragte, ob die Initiative Vorschläge machen könne, was Seidl bejahte. Der Vertreter der Bürgerinitiative bemängelte nun, dass die Zeit dafür reichlich knapp bemessen sei, wenn die Veranstaltung Anfang Februar stattfinden soll. "Wir können es auch Ende des Monats machen", sagte der Bürgermeister

Er wies darauf hin, dass er inzwischen von Geothermie-Gegnern ziemlich angegangen werde. "Mir wird vorgehalten, ich würde den Kopf in einen Pappkarton stecken oder gar Aktien des Unternehmens besitzen", sagte der Bürgermeister. Den Vorwurf mit den Aktien habe er nicht erhoben, gab Ebbrecht zurück, während der CSU-Fraktionssprecher Thomas Hofschuster "Unverschämtheit" dazwischenrief und sein UBP-Kollege Reinhold Koch forderte, die Debatte sofort zu beenden.

Die Bürgerinitiative hat sich nach dem Erdbeben in Poing im September formiert, wo bereits eine Geothermie-Anlage in Betrieb ist. Die Anwohner im Bereich von Puchheim-Süd sowie dem Altdorf fürchten, dass es solche Zwischenfälle auch in Puchheim geben könnte. In Poing sei das Beben noch in fünf Kilometer Entfernung zu spüren gewesen. Sie säßen wesentlich näher dran, wenn auf einem Feld am Laurenzer Weg nach heißem Wasser gebohrt werden würde. Die Sorge der Bürger in Puchheim ist, dass schon ein Mikrobeben Schäden an Häusern anrichten könnte, insbesondere Risse an den Wannen, mit denen die Gebäude im ehemaligen Moorgebiet vor dem hoch stehenden Grundwasser geschützt werden.

Sie fürchten, auf den Kosten sitzen zu bleiben, weil entweder das Unternehmen Insolvenz anmeldet oder ein Zusammenhang zwischen Geothermie, einem Beben und Schäden nur in einem langwierigen und teueren Rechtsstreit festgestellt werden könnte. Darum tritt die Initiative bei Sitzungen des Stadtrates und Bürgerversammlungen auf und fordert Aufklärung über die Frage der Haftung und Entschädigung. Der Umweltbeirat beschäftigte sich unlängst mit dem Thema. Dessen Vorsitzender Manfred Sengl (Grüne) sagte der SZ, der Untergrund in Poing sei anders als der in Puchheim.