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Puchheim:Eine Gartenparzelle als Kunstwerk

Die Kürbispflanze, die Georg Johannes Miller auf den Namen Wladimir getauft hat, erobert langsam die ganze Parzelle.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Georg Johannes Miller möchte Kinder und Jugendliche weg von Handy und Smartphone holen. Eine "Installation" aus angepflanztem Gemüse und Unkraut soll Begeisterung für die Natur wecken

Jeder Gärtner ist ein Künstler. Diese Auffassung vertritt der Künstler und Gärtner Georg Johannes Miller. Folgt man seiner bei Beuys angelehnten These, dann ist eben auch jeder Garten ein Kunstwerk. So wie Millers Parzelle in den Puchheimer "Wühlmausgärten". Miller selbst spricht von einer Installation, er hat ihr den Titel "Von der Natur lernen (Teil 2)! Was unsere Enkel - und vielleicht auch deren Eltern - nicht mehr wissen" gegeben. Angeregt zu diesem Projekt wurde Miller, wie er erzählt, durch ein Buch des Soziologen Harald Welzer. Dieser schreibt: "Von einer besseren Zukunft zu träumen, fühlt sich für viele der Jugendlichen heute ungewohnt, alltagsfern und irgendwie unzulässig an." Schuld sei die Vorgängergeneration, die zu einem die Zukunft der Nachfolger bereits verbraucht und ihnen diese zugleich auch noch visionär madig gemacht habe.

"Diese Bestandsaufnahme war für mich im Frühjahr Anlass, darüber nachzudenken, wie man Kindern und Jugendlichen eine andere Perspektive aufzeigen kann", sagt Miller. Und so hat seine Garten-Installation viel mit dem philosophischen Unterbau zu tun, der sie untermauert. Durch den Kontakt zur Natur will er die Jugendlichen im Wortsinne erden. Sie sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie schön es ist, in der echten Welt zu sein, soziale Kontakte zu Menschen zu knüpfen, die man physisch vor sich sieht, statt immer nur am Handy zu spielen. "Für mich geht es darum, der Generation nach uns aufzuzeigen, dass es außer Handy und Apps noch etwas anderes gibt, das beispielsweise Natur genießen heißen könnte", sagt Miller, der selbst weder Handy noch Fernseher oder Auto besitzt.

Seine Parzelle ist der Traum jedes Insektenretters. Hier darf wachsen, was wachsen will und wie es wachsen will. Unkraut wird gegossen statt gerupft. Wie zur Bestätigung fliegen pünktlich zur Führung mehrere Bienen und zahlreiche kleine Insekten durch die Blüten des vermeintlichen "Unkrauts". Schnecken werden von Miller nicht getötet, extra für sie hat er die Salatsorte "Amerikanischer Brauner" angebaut - und tatsächlich sind es vor allem diese Salatblätter, die angeknabbert sind, die restlichen Pflanzen scheinen die Schnecken in Ruhe zu lassen.

In der sich - naturgemäß - ständig entwickelnden Installations-Parzelle tobt ein Kampf zwischen Wladimir und einer Reihe von Donalds. Wladimir, das ist eine Kürbispflanze, die sich aggressiv ausdehnt und mittlerweile die halbe Parzelle einnimmt. Ihm entgegensetzen sich vor allem die Donalds - so bezeichnet Miller seine geschossenen Amerikanischen Braunen. Dazwischen erkämpfen sich immer mal wieder ein paar Kartoffeln etwas Platz, die der Vorbesitzer der Parzelle offenbar im vergangenen Jahr nicht komplett geerntet habe, vermutet Miller.

Angelegt hat er seine "Installation" im Frühjahr gemeinsam mit dem Ethnologiestudenten Sebastian Ritter und dem 13-jährigen Puchheimer Florian Mainusch. Miller bezeichnet die beiden als seine Praktikanten, er hat ihnen die Grundlagen der Gartenarbeit nähergebracht. "Die Erde zu berühren, den Boden für die Einsaat und Pflanzung vorzubereiten und später zu gießen und den Pflanzen beim Wachsen zuzuschauen: All dies konnte man, wie ein erlebbares Sinnbild, das wirklicher nicht hätte sein können, genießen", beschreibt Ritter seine Erfahrung. Genau das ist es, was Miller nun auch anderen jungen Menschen näher bringen möchte.

Am Samstag, 7. September, lädt Georg Johannes Miller von 14 Uhr an zu einer Führung durch seine Installation ein. Treffpunkt ist das Casino des Krautgartenvereins Wühlmäuse in der Gröbenzeller Straße in Puchheim