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Puchheim/Eichenau:Wiese, Teich und Apfelgarten

In den beiden Nachbarkommunen kann man am Sonntag die unterschiedlichsten Gärten besuchen - Tipps inklusive. Manche werden schon seit 50 Jahren naturnah bewirtschaftet, andere gerade erst angelegt

Von Ingrid Hügenell

Gärtnern ist seit einigen Jahren ein Mega-Trend, und viele wollen ihren Garten naturnah gestalten. Was einen solche Anlage ausmacht, worauf man dabei achten sollte und wie man ihn anlegt, können Besucher am Sonntag in Puchheim und Eichenau erleben. "Naturnahe Gärten können vielfältigste Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten", erklären Monika Dufner und Carolin Speth von den Umweltämtern der beiden Kommunen. "Vor allem die heimischen Insekten und Vögel brauchen das Nahrungsangebot dringend." Von 13 bis 17 Uhr heißen zehn Gartenbesitzer Besucher willkommen und erklären ihre Anlagen - größere und kleinere. Es ist ein buntes Potpourri von ganz neu angelegten Gärten, die zum ersten Mal gezeigt werden, und seit vielen Jahren eingewachsenen, die jedes Jahr die Tore öffnen.

Christian Horn (Lochhauser Straße 94 b, Puchheim) zeigt, dass auch Firmen tätig werden können. Er hat 2015 den betonierten Vorplatz seiner Firma in eine grüne Oase verwandelt, mit Obstbäumen, Beerensträuchern und Pflanzen, die er bei seiner Mutter aus dem Garten geholt hat. Passend zur Architektur des Hauses wurden ein Teich und ein kleiner Bachlauf als strenge Rechtecke gestaltet. Nicht nur Seerosen leben darin, sondern sogar ein Frosch. Hinter dem Feuchtbiotop ist ein Besprechungsplatz eingerichtet, der auch an heißen Tagen angenehm kühl bleibt. Horn ist zudem Pate des angrenzenden Grünstreifens der Stadt, auf dem unter anderem Borretsch blüht - zur Begeisterung der Hummeln. Besonders freue ihn, dass nun einige Nachbarn anfingen, es ihm nachzutun.

Toni Schmid (links) hat zur Broschüre "Mehr Arten im Garten" die Fotos beigesteuert. In Monika Dufners (Mitte) Garten freut sich Carolin Speth über die Wiese.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Einen Garten im Werden zeigt Roman Kohl (Frühlingstraße 13, Eichenau). Die eine Hälfte des Grundstücks ist eine Spielwiese für Vroni, die kleine Tochter, mit Sandkasten und einem großen Trampolin. Die andere Hälfte hat momentan noch die Anmutung einer kleinen Kiesgrube. Kohl hat einen Bachlauf angelegt, einen großen und einen kleinen Teich. Aus etwa zehn Tonnen Steinen hat er eine Trockenmauer gebaut, alles in Handarbeit, ohne schwere Maschinen. Im Teich tummeln sich Kaulquappen, Libellen schießen durch die Luft, unter der Mauer hat ein Igel überwintert. Der Bewuchs ist noch etwas schütter, aber das wird, da ist sich Kohl sicher. Ein Garten braucht halt immer Geduld. Der Vorgarten braucht vielleicht noch etwas mehr Geduld, er soll eine Magerwiese werden. Im zweiten Jahr arbeitet Kohl an seinem Naturgarten. "Wir haben gebaut, da bot sich das an", sagt der Medieninformatiker, der sich seit etwa fünf Jahren beim Bund Naturschutz engagiert. Seine Erfahrungen teilt er am Sonntag gerne mit Besuchern.

Mit Mischungen für Wildblumenwiesen hat Monika Dufner (Eichendorffstraße 12, Eichenau) experimentiert. Die Ergebnisse ihrer Versuche kann man hinter ihrem Wohnhaus begutachten. Gleich hinter der Gartentür sieht man, wie schön Schotter bewachsen sein kann: Die ehemalige Auffahrt ist ein karges, blühendes Paradies mit Stauden-Lein, Königskerze, Thymian. In Hochbeeten wachsen Kartoffeln und Gemüsepflanzen, einige sind wegen Platzmangels aufs Garagendach ausgelagert. Vor dem Haus gibt es einen Teich und einen Bereich mit kurzem Rasen, auf dem Liegestühle stehen. Die Puchheimer Umweltamtsleiterin kann selbst am Sonntag allerdings nicht da sein, die Erklärungen übernimmt ihr Mann.

Ein Gemeinschaftsprojekt ist der Bürgergarten in Eichenau, Schulstraße 38. Jeder kann mitmachen. Wer die Kartoffeln, Salate, Kräuter und Tomaten in den Hochbeeten und großen Kübeln mitgepflegt hat, darf auch ernten. Am Sonntag werden einige der ehrenamtlichen "Bürgergärtner" vor Ort sein und das Projekt erklären. Eine schattige Bank unter einem großen Kirschbaum lädt zu einer Pause auf der Gartentour ein, die gut mit dem Fahrrad zu bewältigen ist.

Die Puchheimer "Wühlmäuse" (Gröbenzeller Straße) sind ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt mit einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen auf 8000 Quadratmetern Fläche. Fast hundert Gärtner bewirtschaften die Parzellen, dazu kommt ein großes Biotop mit Teich - ein Lebensraum für Amphibien.

Zahlreiche Tiere und Pflanzen haben auch bei Anita Maas (Freilandstraße 7, Puchheim) eine Heimat gefunden. Seit mehr als 20 Jahren pflegt sie ihren naturnahen 1400-Quadratmeter-Garten mit Teichen, einer Kräuterschnecke und einem Steingarten sowie einer breiten Hecke aus heimischen Gewächsen. Ein Lebensraum für sich ist der Efeu am Haus. Die Wildbienenexpertin Anke Simon (Schumannweg 11, Puchheim) zeigt am Sonntag in ihrem eigenen Garten, wie man den Insekten etwas bieten kann. Beim Projekt "Mehr Arten im Garten" fungiert sie als Beraterin in fremden Gärten und bei Online-Vorträgen.

Nicht nur der Natur gibt Christa Tuccis in ihrem Garten (Edelweißstraße 153, Puchheim) Raum, sondern auch der Kunst. Seit mehr als 50 Jahren gärtnert Horst Kühnle (Mozartweg 2, Puchheim) giftfrei und ohne Kunstdünger. Barbara Saatze (Waldstraße 4a, Puchheim-Ort) lässt aus Überzeugung viel wachsen in ihrem naturnahen Garten, der durch Apfelbäume schön schattig ist. Besucher dürfen sich außerdem auf Skulpturen der Künstlerin freuen.

Die Kommunen weisen darauf hin, dass die Corona-Regeln eingehalten werden und die Daten bei den Gärten hinterlassen werden müssen.

© SZ vom 19.06.2021
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