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Puchheim:Die Renaissance des Scheitels

Haarmodenschau

Etwa 40 Friseure aus dem Landkreis sind gekommen, um mehr über die neuen Trends zu erfahren.

(Foto: Günther Reger)

Der Modefachbeirat der Brucker Friseurinnung stellt neue Trends vor

Inzwischen hat sich schon einordentliches Häuflein Haare rund um den Friseurstuhl gesammelt. Doch Catherine Boulanger ist noch nicht zufrieden. Immer weiter schneidet sie, kämmt einzelne Strähnen glatt und bessert millimeterweise mit dem Rasiermesser nach: Raspelkurz soll es werden. Modell Jenny Krönauer sieht es gelassen. Die 23-jährige Bruckerin experimentiere gerne und habe sich schon öfter als "Übungskopf" zur Verfügung gestellt. Der sogenannte Pixie-Cut ist die kürzeste aller Kurzhaarfrisuren und einer der Schnitte, die bei der Frühjahrs-Trend-Präsentation des Modefachbeirates der Brucker Friseurinnung vorgeführt wurden. Zweimal im Jahr lädt der fünfköpfige Modefachbeirat zu dieser Schulung. Jeder Friseur in Bruck, gleich ob Innungsmitglied oder nicht, darf daran teilnehmen. Rund 40 sind es in diesem Jahr, vor allem Jungfriseure und Lehrlinge. Gerade für Auszubildende ist die Schulung interessant. Denn für ihre Gesellenprüfung müssen sie die Trendfrisuren der vergangenen beiden Saisons beherrschen. Was dabei Trend ist und was nicht, legen die Kreativdirektoren des Zentralverbandes des deutschen Friseurhandwerks fest.

Nikola Dolšak hat bis zu seiner Gesellenprüfung noch zwei Jahre Zeit. "Der Beruf ist meine Leidenschaft. Während der Arbeitszeit schaue ich so gut wie nie auf die Uhr", erzählt der 17-jährige Moorenweiser. Er weiß aber auch, dass dies allein nicht ausreiche. Für Dolšak sei es deswegen selbstverständlich, sich über modische und handwerkliche Neuheiten zu informieren - zusätzlich zu seiner Arbeit im Salon und zur Berufsschule. Und dass er modebewusst ist, sieht man ihm auch an: das längere, exakt gescheitelte Deckhaar liegt in einer großen Welle. Die Seiten sind kurz, aber nicht mehr vollkommen abrasiert wie noch in der vergangenen Saison, denn der sogenannte Undercut sei zumindest bei den Herren out. Im Gesicht trägt Dolšak Vollbart. "Bärte erleben eine Renaissance", so Boulanger, Vorsitzende des Modefachbeirats. Viele Friseure müssten wieder lernen, diesen auch mit einer Schere zu schneiden und nicht nur mit der Maschine zu trimmen. Auch den Scheitel habe man wiederentdeckt. Er werde allerdings heuer nicht nur mit einem Kamm gezogen, sondern gleich ausrasiert. "Alles sehr retro."

Für Jenny Kabrhel sind Trends eine heikle Angelegenheit. "Nicht jedem steht alles", sagt die 21-Jährige, die in einem Münchener Salon arbeitet. Bevor sie einer Kundin etwa einen so radikalen Kurzhaarschnitt wie den Pixie verpasse, führe sie ein ausführliches Beratungsgespräch. Catherine Boulanger pflichtet ihr bei. "Eigentlich müsste ein solches Gespräch immer länger dauern als der Haarschnitt selbst." Einem ovalen, zarten Gesicht stehe so gut wie alles. Ein rundes Gesicht hingegen werde durch einen Pixie nur unvorteilhaft betont. "Es bleibt eben nichts mehr, hinter dem man sich verstecken kann." Deswegen empfehle Boulanger den Friseuren mit Bildern zu arbeiten, denn unter "kurz" verstehe jeder etwas anderes. Manchmal entscheide ein Zentimeter mehr oder weniger über ein Lächeln oder Tränen.