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Puchheim:Die Krise hinter der Krise

Den Klimawandel halten die gut 25 Teilnehmer der monatlichen Demo am Puchheimer Bahnhof in Erinnerung.

(Foto: Günther Reger)

Während der Corona-Pandemie findet in Puchheim erstmals wieder eine "Klima-Mahnwache" statt

Von olaf schaeffer, Puchheim

Trotz eher kühlem Wetter haben sich am vergangenen Freitag in Puchheim etwa 25 Menschen getroffen, um dafür zu demonstrieren, dass die Klimakrise aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation nicht in Vergessenheit gerate. "Wir haben uns heute nicht auf ein Thema geeinigt - die aktuelle Krise ist ja noch nicht vorbei. Deswegen haben wir gesagt, jeder kann das zum Protest tragen, was ihn bedrückt", sagt Maria Rothbucher, eine der Organisatorinnen der Demo, die von der Initiative "Puchheim For Future" getragen wird. Für Rothbucher sind besonders die ethischen Aspekte des Klimawandels ein Anlass zum Protest. Es sei verantwortungslos, dass man durch rücksichtsloses Handeln den kommenden Generationen die Lebensbedingungen zerstöre, sagt sie.

Mitorganisator Michael Dippold ist zufrieden darüber, dass die Teilnehmerzahl zwei Monate nach dem Aussetzen der Mahnwache, die jeden letzten Freitag des Monats stattfindet, wieder zur Normalität zurückgekehrt ist. "Zumindest relativ gemessen an den vorherigen Erfahrungen. Gemessen daran, wie gravierend wir das Problem einschätzen, bin ich natürlich nicht zufrieden", erklärt Dippold. Das Protestieren für den Klimaschutz, scheint dabei aktueller denn je. Denn hinsichtlich der anlaufenden Lockerungen und Wirtschaftshilfen sei es nun wichtig, so Dippold, dass das Geld nicht in die "falschen Kanäle" gepumpt werde.

Auch Stefan Krebs, Student für Maschinenbau und Mitglied im Puchheimer Stadtrat (Grüne), sieht die Politik in der Pflicht, den Klimaschutz in der Krise nicht aus den Augen zu verlieren: "Gerade durch die wirtschaftliche Krise und dadurch, dass wir vor großen Herausforderung stehen, sagen einige, das mit Thema Umwelt könne man hinten anstellen. Ich finde, das sollte auf keinen Fall geschehen. Gerade wenn die Politik sich jetzt an vielen Firmen beteiligt und mitreden kann, sollte der Klimaschutz dabei eine Rolle spielen." Egin Gorissen-van-Hoek sieht dabei aber auch Hoffnung in der Krise. Der Rückgang der Emissionswerte und die Rückkehr der Natur in den abgeriegelten Städten und Ländern, seien ein Hoffnungsschimmer. "Das ist ein kurzes Zeigen, wie es sein könnte. Ich hoffe, dass wir davon lernen können, runterzufahren und uns bewusst werden, welche Verantwortung wird haben."

Für die Stadt Puchheim sollen laut Rothbucher und Dippold in naher Zukunft erst einmal die kleineren Ziele umgesetzt werden. Neben der regelmäßigen Fortsetzung der Mahnwache werde bereits geplant, Forderungen an die Stadt zu formulieren und zu übergeben, erklärt Rothbucher. So sollen beispielsweise Anreize geschaffen werden, weniger mit dem Auto zu fahren. Anstelle von Parkplätzen sollten die Solaranlagen der Stadt ausgebaut werden. "Photovoltaik auf jedes Dach!", fordert Michael Dippold.

© SZ vom 02.06.2020

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