bedeckt München 28°

Puchheim:Corona-Beauftragte für die Sportler

Sportbeauftragte BLSV, LKR Fürstenfeldbruck, Bärbel Padilla-Ottl

Die Puchheimerin Bärbel Padilla-Ottl berät in Fragen zu Training und Hygienevorschriften.

(Foto: Privat)

Der BLSV-Kreisverband schafft einmaliges Ehrenamt in Bayern. Bärbel Padilla-Ottl ist für 136 Vereine Ansprechpartnerin

Fragen über Fragen: Die inzwischen Sechste Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung lässt so einiges in der Umsetzung unbeantwortet. Zumindest, wenn es darum geht, dass die Freizeitsportler ihrem Hobby in der Corona-Zeit wieder möglichst gefahrlos nachgehen können. "Als erster in Bayern hat der Kreisverband Fürstenfeldbruck des Bayerischen Landessportverbandes deshalb beschlossen, den Vereinen eine Ansprechpartnerin zur Seite zu stellen", heißt es in einer Pressemitteilung des BLSV. Und ins Leben gerufen war damit die "Corona-Beauftragte". Die Puchheimerin Bärbel Padilla-Ottl übernahm dieses neue Ehrenamt und versucht also den Funktionären von 136 Vereinen wie auch Mitarbeitern der Kommunen im Landkreis zu verdeutlichen, was erlaubt ist und was nicht, damit die Abstands- und Hygienevorschriften beim Sporteln eingehalten werden. Denn diese sind Pflicht. Weitergehendes sind Empfehlungen. Etwa der Rat, beim Sport einen größeren Abstand als die eineinhalb Meter im normalen Bereich einzuhalten und keine größeren Gruppen zu bilden.

Bereits in der ersten Woche erreichten die 66-Jährige, die beim FC Puchheim Abteilungsleiterin für "Group-Fitness" ist, täglich eine Reihe von Fragen, die in der Summe zeigen, dass Sportart und Corona-Schutzvorschriften mitunter schwer zu vereinen sind und "sportspezifische Übergangsregelungen zum Wiedereinstieg für den Sport" ganz schön Abstriche beim Spaß mit sich bringen können. Als Beispiel für Letzteres nennt die Corona-Beauftragte Judo. Wenn Körperkontakt nicht erlaubt sei, müsse man andere Trainingsformen suchen. Das sei anfangs nicht so schlimm, werde aber mit der Zeit für die Übungsleiter immer schwieriger, die Sportler bei Laune zu halten, berichtet sie. Ein anderes Beispiel ist hier sicherlich auch der Fußball. Wenn Zweikampf und Spiel ausgeschlossen sind, fehlt eben gewissermaßen das Salz in der Suppe. Das sieht Padilla-Ottl nicht anders.

Nicht verwunderlich also, dass aus dem populärsten Sportbereich der Deutschen dann Fragen kamen, eine davon konnte auch die Corona-Beauftragte nicht wirklich beantworten. Ein Fußballtrainer wollte wissen, warum den auf einem 7000 Quadratmeter großem Platz nicht mehr Leute trainieren dürfen als in einer Halle, nämlich 20: "Das würde ich auch nachbessern lassen", musste die Angeschriebene selbst einräumen. Was inzwischen von den Verantwortlichen wohl erhört worden ist, ist diese Gruppenbegrenzung im Freien doch aufgehoben worden.

Allein dieses Beispiel unterstreicht, wie sehr der BLSV-Kreisverband gut daran tat, den Vereinen eine Ansprechpartnerin zu ermöglichen: "Laufend gibt es neue Informationen von verschiedenen Stellen", hatte der Kreisverband unter anderem die neue Stelle begründet. Fast wöchentlich würden neue staatliche Vorschriften erlassen. Padilla-Ottl beschäftigt sich seit Monaten mit dem Thema Sport und Corona und versucht, den Überblick über die Regeln und deren Veränderungen hinsichtlich der Verhaltensweisen und Hygiene zu behalten. "Muss ich meine Hände am Anfang und Ende der Trainingsstunde desinfizieren?" lautete eine andere Frage. Ja, allein weil Sie den Teilnehmern einen Kugelschreiber in die Hand geben, war die Antwort an den Übungsleiter. Ein Trainer wollte nicht einsehen, dass er das Material desinfizieren muss. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wäre das Coronavirus in keinem Fall über Schmierinfektion übertragen worden, meinte er: "Das hat das RKI niemals gesagt", klärte die Corona-Beauftragte ihn auf. Andere Anliegen sind allgemeiner: Das Sportreferat einer Kommune wollte wissen, was mit dem Beachvolleyball-Platz geschehe; ein anderes, ob es für Sportgeräte spezielle Desinfektionsmittel gebe.

In jedem Fall hat sich Padilla-Ottl ein arbeitsreiches Ehrenamt aufgetan. Aber das kennt die verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Töchtern längst. In Hessen war sie Frauenbeauftragte des Fechtverbandes, später dessen Präsidentin. Nach dem Umzug nach Puchheim nahm das ehrenamtliche Engagement der sportbegeisterten ehemaligen Backoffice-Managerin wieder seinen Lauf. Beim FC Puchheim nutzte sie zunächst das Fitness-Studio, fühlte sich im Verein "total wohl", und schon war sie kurz darauf Abteilungsleiterin von "Group Fitness", worunter etwa Fußgymnastik, Pilates und Zumba fallen. Sie wurde als Delegierte des Vereins zu Versammlungen des Sportkreises Fürstenfeldbruck geschickt. Und ehe sie sich versah, war sie dessen Frauenbeauftragte, dann zusätzlich für den Bereich Bildung zuständig. Und nun ist sie eben die erste Corona-Beauftragte eines BLSV-Kreises in Bayern.

Diese Aufgabe geht sie - wie jede zuvor - mit Elan und Ehrgeiz an: "Ich bin jemand, der gerne Arbeit gut macht", formuliert sie ihre Einstellung. Dabei kann und will sie als Corona-Beauftragte den Sportfunktionären natürlich keine Vorschriften machen. Aber ihr liegt eine Botschaft sehr am Herzen. Die Trainer sollten alles langsam und mit Bedacht angehen, damit kein Schützling an Covid-19 erkranke. Denn: "Zwischen Vorsicht und einem Ich-probier-mal liegt unter Umständen ein Toter." Und das ist eine Antwort, die alle Fragen beantworten müsste.

© SZ vom 25.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite