Puchheim Bürgerentscheid zu Geothermie im Juli

Die Gegner des Projekts sammeln mehr als 2500 Unterschriften - und damit doppelt so viele, als notwendig sind. Die Befürworter sind dennoch optimistisch. CSU, Grüne und UBP kritisieren Informationspolitik der Stadt

Von Peter Bierl, Puchheim

Im Juli werden die Puchheimer voraussichtlich über die Geothermie abstimmen. Die Bürgerinitiative (BI), die das Projekt aus Sorge vor Erdbeben ablehnt, hat mehr als 2500 Unterschriften für ein Plebiszit gesammelt. Diese werden an diesem Freitag im Rathaus übergeben. Die Befürworter werden mit einem Ratsbegehren pro Geothermie kontern, kündigte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) an. Allerdings kritisierten CSU, Grünen und UBP dessen bisherige Informationspolitik.

Die Bürgerinitiative hat in dreieinhalb Wochen doppelt so viele Unterschriften gesammelt wie nötig. Offizieller Start war auf einer BI-Veranstaltung Ende Februar. Trotz dieses Erfolges geben sich die Befürworter der Geothermie im Stadtrat nicht geschlagen. "Jetzt kommt die zweite Halbzeit", meinte der Bürgermeister. Er warf der Bürgerinitiative vor, die Bevölkerung verunsichert zu haben. CSU-Fraktionschef Thomas Hofschuster, meinte, diese habe "Angst und Panik" geschürt.

Im Lager der Befürworter wird jedoch auch die Informationspolitik Seidls kritisiert. "Bisher wurden zu wenig Informationen und damit auch Vertrauen vermittelt", sagte Manfred Sengl, der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Das Projekt müsse ausführlich dargestellt werden. Er ist zuversichtlich, dass jetzt eine Debatte stattfindet. Den Ausgang des Plebiszits schätzt er als offen ein. "Von der Stadtverwaltung kommt zu wenig, obwohl wir ja einen Kommunikationsbeauftragten haben", stichelte der UBP-Fraktionschef Reinhold Koch. "Wir hätten uns gewünscht, dass die Stadt gleich mit den Gegenargumenten an die Öffentlichkeit geht", sagte der CSU-Fraktionschef Hofschuster. Der Bürgermeister hatte Anfang Februar zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen, der Protest formierte sich seit Herbst.

"Das Manko sehe ich, aber ich kann nicht liefern, was ich nicht habe", antwortete Seidl auf die Vorwürfe. Er werde in der nächsten Stadtratssitzung, in der über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens abgestimmt wird, ein Ratsbegehren vorschlagen. "Damit kommen wir aus der Verteidigungshaltung heraus und können erklären, welchen Wert die Geothermie hat." Den Vorschlag hatte eine Vertreter der UBP auf einer Klausursitzung des Stadtrates bereits eingebracht. Die CSU signalisierte Unterstützung. "Das wäre ein probates Mittel, um unsere Argumente vorzubringen", sagte Hofschuster.

Im Stadtrat haben die Befürworter eine klare Mehrheit. Dagegen sind die Freien Wähler. "Immer wieder treten bei Geothermie-Projekten Störungen auf. Nicht ständig und auch nicht flächendeckend. Aber es macht uns Sorgen, die bisher nicht ausgeräumt werden konnten", erklärten Michael Burkart und Manuela von Hagen. Bei der CSU sind zwei Mandatsträger dagegen. Auf einer Veranstaltung des Ortsverbands im Februar hatte der Referent die Geothermie als teueren Fehlgriff abqualifiziert.

Die Grünen unterstützen das Projekt, weil mit Geothermie fossile Energieträger gespart werden können, die das Bayernwerk bislang in das Fernwärmenetz einspeist. In einer Darstellung der Stadt ist allerdings von einem "Biomethan-Blockheizkraftwerk" die Rede. Auf der Homepage des Unternehmens ist zu lesen, dass dadurch 14 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden werden, aber auch herkömmliches Erdgas verwendet wird. Der Anteil von Biomethan liegt nach Angaben des Bayernwerks bei rund einem Drittel des Gesamtverbrauchs. Selbst wenn Geothermie bloß Biomethan ersetzt, käme dieses anderswo zum Einsatz, womit dem Klimaschutz gedient wäre, sagte Sengl, der Vorsitzender des Umweltbeirates ist.

Auch von der Wirtschaftlichkeit sind die Grünen überzeugt. Sengl räumt ein, dass im Sommer, bei niedrigem Heizbedarf, von etwa 80 Grad vielleicht nur zehn genutzt werden. Der Wirkungsgrad werde durch den Anschluss von Altenheim, Schwimmbad und Sportplatz steigen. Schon jetzt könnte die Geothermie-Anlage 20 Gigawattstunden pro Jahr beitragen, sagte Sengl. Finanziell rechne sich das Projekt schon deshalb, weil das Bayernwerk eine Abnahme und einen Festpreis garantiert habe. Laut Unternehmen würde Geothermie etwa 80 Prozent des aktuellen Wärmebedarfs liefern.