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Puchheim:Barrierefreier Umbau bis 2018

Der bestehende Treppenaufgang zum Mittelbahnsteig in Puchheim hat keinen Lift und nicht einmal eine richtige Rampe.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Innenministerium gibt bei der Bahn AG einen Plan für den Puchheimer Bahnhof in Auftrag. Die Kosten für den Bauwird der Freistaat übernehmen, der Bürgermeister hofft auf eine Fertigstellung in drei Jahren

Von Peter Bierl, Puchheim

Der barrierefreie Umbau des Puchheimer Bahnhofes scheint erstmals konkrete Formen anzunehmen. Das bayerische Verkehrsministerium hat die Bahn AG mit der Planung beauftragt. Vorgesehen ist eine zweite Unterführung mit Aufzügen und Rampen. Die Anlage könnte bis 2018 fertig sein, schätzt der Landtagsabgeordnete Reinhold Bocklet (CSU). Die Kosten in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro übernimmt der Freistaat.

Jahrelang hatten sich die Kommune und der Behindertenbeirat für einen barrierefreien Zugang eingesetzt. In Puchheim ist lediglich der Bahnsteig auf der Südseite, an dem die Züge in Richtung München halten, ebenerdig. Der Mittelbahnsteig, auf dem die Züge stadtauswärts halten, ist nur über Treppen und steile Rampen zugänglich.

Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) freute sich über die Nachricht. "Das ist ein gutes Signal und ein Schritt nach vorne. Wir werden nun nicht mehr lockerlassen", sagte er der SZ. Erfreulich ist aus Puchheimer Sicht auch, dass die Kommune nichts bezahlen muss. Schon die Planung wird der Freistaat angeblich aus dem Topf für den Ausbau der Strecke ab Pasing nehmen. Bislang hatte es so ausgesehen, als müsste die Stadt Puchheim die Hälfte der Kosten tragen. Jahrelang hatte es wegen des versprochenen viergleisigen Ausbaus der Bahnlinie seitens des Verkehrsministeriums geheißen, es käme nur ein provisorischer Umbau in Frage und den würde der Freistaat nicht bezahlen.

Dass Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der für den Verkehr zuständig ist, im Mai 2014 verkündet hat, dass es nur einen dreigleisigen Ausbau bis Eichenau geben werde, ist schlecht für die Pendler, aber gut für die Puchheimer, die einen barrierefreien Zugang brauchen. Der Bürgermeister ist sich des Zweispalts bewusst. "Damit wird der dreigleisige Ausbau zementiert.

Außerdem bekommen die Puchheimer nicht die Lösung, die sie wollten, einen neuen Bahnsteig auf der Nordseite, sondern eine zweite Fußgängerunterführung auf der östlichen Seite des Mittelbahnsteigs. Unter großem Murren hatte sich der Stadtrat im Juni dem Diktat gebeugt.

Immerhin kommt nun Bewegung in die Sache. Seidl hält es für durchaus möglich, dass das Projekt bis 2018 fertig wird. "Vorausgesetzt es gibt keine neuen strategischen Entscheidung, etwa zum Ausbau der Strecke, dann ist das realistisch." Der Bürgermeister möchte im Zuge des Umbaus gleich noch den bestehenden Zugang zum Mittelbahnsteig verbessern. Man sollte prüfen, ob die bestehende Schiebehilfe neben der Treppe verbreitert und abgeflacht werden kann, forderte er. Das war bislang nicht möglich, weil die Treppe sonst zu schmal geworden wäre.

2013 hatten Ministerium und Bahn AG eine Machbarkeitsstudie vorgeschlagen. Neun Varianten wurden geprüft, die meisten sahen vor, am Mittelbahnsteig einen Lift einzubauen. Dazu gab es die Vorschläge einer neuen zweiten Unterführung in der Mitte oder im östlichen Bereich des Bahnhofes anzulegen. Eine Variante beinhaltete einen neuen Außenbahnsteig auf der Nordseite, den die Bahn 2009 in einem Entwurf noch selbst geplant hatte. Die Kosten in Höhe von 890 000 Euro hätten sich Freistaat und Kommune geteilt.

Behinderten- und Seniorenbeirat favorisierten ebenso wie der Stadtrat den "technikfreien" Außenbahnsteig, weil dieser über Rampen zugänglich wäre, ohne Aufzug, der auch mal ausfallen kann. Aber die Bahn AG will den Mittelbahnsteig mit einer Höhe von 76 Zentimetern als Nothalt für Regionalzüge und für Güterwaggons mit Überbreite behalten. Nur eine Seite des Mittelbahnsteigs soll auf 96 Zentimeter für die S-Bahn angehoben und es sollen Lifte eingebaut werden.

© SZ vom 23.09.2015

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