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Puchheim:Bairisches Gemetzel

Gott des Gemetzels

Streitpärchen: Matthias Ransberger (von links), Cornelia von Fürstenberg, Ina Meling und Sebastian Edtbauer.

(Foto: Markus Wagner/oh)

Theater-Gastspiel in Puchheim

Er sei einfach gerne Bayer, erzählt der Schauspieler Sebastian Edtbauer. "Ich weiß aber auch nicht, was das eigentlich genau ist. Ich weiß nur, was es nicht ist, nämlich dieses Mia-san-mia, Folklore und alles Bierdimpflige. Also habe ich mich gefragt, wie ich in meiner Kunstform das Bayerische auf die Bühne bringen kann". Also habe er sich gedacht, warum nicht ein Theaterstück schreiben. "Ich weiß gar nicht, wie viele ich angefangen habe, aber ich kann leider einfach nicht schreiben. Also habe ich gedacht, gut, nehme ich etwas, das es schon gibt." Ein Stück, das damals auf allen Spielplänen stand, war Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels". "Ich fand das wahnsinnig faszinierend". Und so stand die Entscheidung fest: dieses Stück solle es werden und zwar in bairischer Sprache. Das Ergebnis gibt es nun am Freitag im Puchheimer Kulturzentrum zu sehen.

"Das Übertragen ins Bairische ging wie von alleine. Das Stück ist so klar geschrieben, man weiß sofort, wie die Figuren funktionieren", sagt Edtbauer. Dann allerdings kam der schwere Teil. Denn bei der Anfrage an den deutschen Verlag kam sofort eine Absage. Gott des Gemetzels in Mundart, das werde es nicht geben. So habe es die Autorin verfügt. "Ich kann das sogar verstehen, das, was Reza schreibt, ist so kostbar. Und wenn dann so ein paar Bayern daher kommen, da denkt man an Lederhosn und Weißbier. Dafür würde ich meinen Text auch nicht hergeben", erzählt Edtbauer. Doch aufgeben wollte er auch nicht. Also hat er einen Brief geschrieben - direkt an Yasmina Reza. Darin erklärt er, dass er nicht vorhabe, das Stück zu ändern, sondern es einfach nur übersetzen wolle, wie in eine Fremdsprache eben. Der Brief jedenfalls muss überzeugend gewesen sein. Denn Reza gab ihr Einverständnis.

Warum aber den Gott des Gemetzels noch einmal auf Bairisch erzählen? Gibt es etwas, was in dieser Version noch besser funktioniert? Edtbauer ist davon überzeugt. "Für mich ist es tatsächlich dieses etwas Gehässige, ohne dass man einen bösen Ton anschlagen muss, diese verlogene Gehässigkeit, die auf Bairisch noch einen Funken besser funktioniert. Oft braucht man weniger Worte, das ändert sofort den Rhythmus, Beleidigungen werden viel schneller ausgesprochen und sind dann auch wieder viel schneller weg".

Edtbauer hat das Stück nicht nur übersetzt, er spielt auch selbst mit. Und zwar in der Rolle des Micha, bei Reza Michael. Er ist der Gastgeber und Vater des verprügelten Jungen. "Mich reizt an ihm das Biedere, das die Figur mitbringt, die aber gleichzeitig unterschwellig eine totale Aggression in sich trägt. Er versucht immer die Wogen zu glätten, bis es nicht mehr geht, und er sein wahres Gesicht zeigt".

Angesiedelt ist die Inszenierung, die 2018 den Innovationspreis Volkskultur der Stadt München gewonnen hat, wie im Original im gutbürgerlichen Milieu, nur eben in München. "Sonst haben wir versucht, alles so zu erhalten, wie es das Stück vorsieht".

"Der Gott des Gemetzels", Freitag, 11. Oktober, von 20 Uhr an im Puchheimer Kulturzentrum, Eintritt 18,60 Euro