Zukunft der S4:Puchheimer bestehen auf Außenbahnsteigen

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Zukunft der S4: Mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Sebastian Körber (hinten Mitte) diskutieren die Puchheimer die Situation an der S-Bahn-Station.

Mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Sebastian Körber (hinten Mitte) diskutieren die Puchheimer die Situation an der S-Bahn-Station.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Senioren- und Behindertenbeirat bleiben dabei: Der Weg über die Unterführung und einen Lift ist für viele Menschen zu umständlich.

Von Peter Bierl, Puchheim

Einen barrierefreien Umbau des Puchheimer Bahnhofs sowie einen viergleisigen Ausbau der S 4 fordern Behinderten- und Seniorenbeirat seit Jahren. Am Mittwoch haben sie ihr Konzept dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses des bayerischen Landtags, Sebastian Körber (FDP), vorgestellt. Die Petitionen eines Puchheimer Aktionsbündnisses, das mehr als 3300 Menschen unterschrieben haben, sowie des Brucker Verkehrsforums für diese Lösung sollen demnächst erneut im Ausschuss beraten werden. Die bayerische Staatsregierung hingegen favorisiert eine kleine Fußgängerunterführung mit Aufzug zum Mittelbahnsteig.

Die Vorsitzenden der Beiräte, Richard Ullmann (Behinderte) und Karlheinz Türkner (Senioren), empfingen Körber am Bahnhof, zusammen mit Kommunalpolitikern der FDP und der Freien Wähler, um ihm die Lage zu verdeutlichen. Türkner erklärte, warum Beiräte, Umwelt- und Verkehrsverbände sowie die Parteien im Stadtrat die Lösung der Regierung für falsch halten: Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren, mit schwerem Gepäck oder Kinderwagen müssten über eine 70 oder 90 Meter lange Rampe in eine schmale und enge Unterführung gehen und von dort mit einem Lift auf den Mittelbahnsteig fahren. Die Beiräte fürchten, dass der Lift immer wieder ausfallen wird und zwar mitunter, wie zuletzt in Gröbenzell, über viele Monate. "Außenbahnsteige mit kurzen Rampen sind für alle leicht und ohne technische Anlagen zugänglich", betonte Ullmann. "Es ist unabdingbar, sich selbständig fortbewegen zu können", sagte Körber dazu.

Ingrid Kroppen (Behindertenbeirat) verwies auf die Petition des Verkehrsforums, wonach für alle Stationen an der Ausbaustrecke Außenbahnsteige gefordert werden. Diese Lösung müsse bereits beim Umbau der Bahnanlagen in Pasing berücksichtigt werden. Dagegen argumentiert die Staatsregierung, dass nach einem viergleisigen Ausbau die S-Bahn die mittleren Gleise benutzen müsse, also nur Mittelbahnsteige in Frage kämen. Gegen Aufzüge sei prinzipiell nichts einzuwenden, sagte Kroppen. Sie schlägt vor, dass man in Puchheim an den neuen Außenbahnsteigen Lifte installiert, die in die vorhandene breite Fußgängerunterführung führen.

Dass die S-Bahn die mittleren Gleise benutzt, ist nicht in Stein gemeißelt. Gudrun Horn, die Vorsitzende der FW-Stadtratsfraktion, verwies darauf, dass es bei Notarzteinsätzen und Evakuierungen wesentlich einfacher sei, wenn die S-Bahn die äußeren Gleise nutzt. Sie plädierte dafür, beim Umbau des Bahnhofs gleich zu berücksichtigen, dass die Stadt die angrenzende Lochhauser Straße umgestalten möchte. Es wäre besser, mit dem barrierefreien Umbau des Bahnhofs noch ein bis zwei Jahre zu warten statt eine "suboptimale Lösung" zu akzeptieren, sagte Martin Koch, der den Lokaltermin mit Körber arrangiert hatte. "Wir müssen uns den gesamten Bahnhof neu vorstellen", sagte der FDP-Stadtrat.

Sowohl Koch als auch Horn sind zuversichtlich, dass sich im Landtag dafür neue Mehrheiten finden. "Der Landtagswahlkampf steht bevor, auch die CSU bekommt ihre Stimmen von den Bürgern", sagte Koch. Horn berichtete, dass die Parteien jeweils ihre Landtagsabgeordneten angesprochen haben. "Man muss einfach dran bleiben."

Die Freien Wähler haben ihren Koalitionspartner bisher nicht dazu bringen können, sich von einem dreigleisigen Ausbau zu verabschieden. Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) hat nur versprochen, den Ausbau so zu gestalten, dass ein viertes Gleis ergänzt werden kann, ohne dass neue Brücken und Unterführungen wieder abgerissen werden müssen. Die Grünen halten einen solchen gestaffelten Ausbau für falsch, weil er teurer käme und den Pendlern zwei Bauphasen zumutet. In der Koalition aus CSU und FDP von 2008 bis 2013 hatte Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) mit einer Kosten-Nutzen-Untersuchung die Vorlage dafür geliefert, dass die folgende CSU-Alleinregierung den Ausbau auf drei Gleise schrumpfte.

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