Psychiatrische Klinik in Fürstenfeldbruck Ein Haus zur Genesung von seelischem Leid

Als Haus zum Wohlfühlen loben bei der Eröffnung die Gäste einhellig das Gebäude der Architekten vom Stuttgarter Büro Kreuger Wilkins.

(Foto: Günther Reger)

Der Bezirk Oberbayern eröffnet in Fürstenfeldbruck eine psychiatrische Klinik mit 88 Betten. Das transparente Gebäude steht für einen offenen Umgang mit den Patienten

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Obwohl bei der Eröffnung der psychiatrischen Klinik in der Stadelberger Straße im Haus noch fleißig gearbeitet wird, verfügt Fürstenfeldbruck seit Donnerstag über eine wichtige neue Einrichtung zur psychiatrischen Grundversorgung. Die Klinik hat 88 Betten auf vier Stationen und eine Tagesambulanz mit 15 Plätzen. Das helle, einladende und lichtdurchflutete Gebäude in doppelter H-Form mit einer orangefarbenen Fassade, dunkelgrünen Fensterelementen und einem großen parkähnlichen Garten spricht für das Konzept. Entstanden ist ein Raum für Gesundung, Genesung und Heilung, dessen Geist Chefärztin Gabriele Schleuning vom Isar-Amper-Klinikum des Bezirks mit den fünf Werten Offenheit, Miteinander, Klarheit, Professionalität und Wertschätzung umschrieb. Also einer Atmosphäre, die von Menschlichkeit geprägt sein soll. Die Eröffnung der etwa 28 Millionen Euro teuren Klinik wurde als Meilenstein zur Umsetzung der Dezentralisierung der psychiatrischen Bezirkskliniken in Haar bezeichnet - und als ein wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung der Psychiatrie.

Was das bedeutet, erläuterte die Ärztin und Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in einem Grußwort. Die Psychiatrie mitten im eigenen Lebensumfeld soll dazu beitragen, Hemmschwellen und die Scheu zu überwinden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aus Angst vor Ressentiments vertuschten nämlich seelisch Kranke ihr Leid und zögen sich zurück, mit dem Effekt, dass das Leiden weitergehe. Weil das Klinikum eine niedrigschwellige Hilfe anbietet und dadurch mehr Menschen erreicht werden können, bezeichnet Huml den Tag der Eröffnung als einen guten Tag für die Region. Der Einzugsbereich der Klinik umfasst den Münchner Westen mit den beiden Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau, also einen Bereich, in dem etwa 450 000 Menschen leben. Mit Zuschüssen in Höhe von 13,75 Millionen Euro fördert der Freistaat den Bau der Klinik, die 175 Mitarbeiter haben wird.

Die Patienten der ersten beiden Stationen werden am 10. und 13. Oktober von Haar nach Fürstenfeldbruck verlegt. Es gibt eine Station für Patienten mit Psychosen, eine gerontopsychiatrische für Senioren, eine für Suchtkranke und eine für Patienten der Krisenintervention. Wie betont wurde, werde jeder, der komme, offen empfangen. Jeder, der gehen wolle, könne das tun, jedoch würden ihm Alternativen angeboten. Jeder Patient werde wertgeschätzt und unter Berücksichtigung seiner Wünsche und Anliegen individuell behandelt.

"Wir wissen, dass Betroffene wohnortnahe Hilfe schneller akzeptieren und in Anspruch nehmen. Wir wissen auch, dass, je früher die Menschen behandelt werden, sie umso bessere Genesungschancen haben", beteuerte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Deshalb sei die Psychiatrie in Fürstenfeldbruck so notwendig und bedeutend. Inzwischen wird ein Drittel aller Fehltage am Arbeitsplatz auf psychische Erkrankungen zurückgeführt. Laut der Jesenwanger Landtagsabgeordneten und Ärztin Katrin Sonnenholzner (SPD) war erstmals in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts über eine solche Einrichtung für Fürstenfeldbruck diskutiert worden. Bereits 1994 hatte der Bezirk Oberbayern das Grundstück im sogenannten Haeuslerpark an der Stadelberger Straße erworben, um dort, in 200 Meter Entfernung zur Kreisklinik die psychiatrische Fachklinik zu errichten. Da später ein Standort mit einem gemeinsamen Zugang zur Kreisklinik gefordert worden war, veräußerte der Bezirk das Baugrundstück im Verlauf der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die Einrichtung, um es später wieder zu erwerben. So stand denn auch in den Reden von Sonnenholzner und Huml einmütig: "Was lange währt, wird endlich gut."

Wie überhaupt alle Grußredner in seltener Einmütigkeit darin übereinstimmten, dass die psychiatrische Versorgung ausgebaut werden müsse. Mederer forderte das "Home Treatment", also die Behandlung zu Hause als wichtigen Eckpfeiler der psychiatrischen Vollversorgung und eine Krisenversorgung an täglich 24 Stunden. Landrat Thomas Karmasin (CSU) machte Mut, sich an die Klinik zu wenden. Der Bruder von König Ludwig II., der seelisch kranke Prinz Otto, hätte sich hier wohl gefühlt, wäre angemessen therapiert und danach vielleicht sogar noch König von Bayern geworden, sagte er. Bei einem Tag der offenen Tür besteht am 24. November von 16 Uhr an die Möglichkeit, die neue Einrichtung in Augenschein zu nehmen.