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Projekt im Landkreis Fürstenfeldbruck:Grundstein für günstige Mieten

Christoph Maier (links), Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, und Landrat Thomas Karmasin bei Maiers Vorstellung im September

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die interkommunale Wohnungsbau­gesellschaft nimmt ihren Betrieb auf. In acht Städten und Gemeinden könnten schon bald Häuser entstehen, in denen Einkommensschwache eine Bleibe finden

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

In der Metropolregion München müssen einkommensschwache Haushalte einer fünf Jahre alten Studie der Technischen Universität München zufolge 53 Prozent ihres Nettofamilieneinkommens für die Miete aufwenden. Um dies für den Landkreis zu ändern, wurde vor zwei Jahren die "Wohnungsbaugesellschaft im Landkreis Fürstenfeldbruck GmbH" gegründet. Sie will bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das bedeutet, dass Wohnen demnach nicht mehr als ein Viertel des Nettofamilieneinkommens verbrauchen soll.

Nach den Vorarbeiten startet die Gesellschaft nun ins operative Geschäft. In acht Kommunen - Alling, Althegnenberg, Fürstenfeldbruck, Gröbenzell, Landsberied, Maisach, Mammendorf und dem Landkreis - sind konkrete Wohnbauprojekte denkbar. Details wurden bei einer Online-Pressekonferenz mit Christoph Maier, dem Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, und Landrat Thomas Karmasin (CSU) am Mittwoch allerdings noch nicht verraten. Wo die vier Grundstücke liegen, die der Landkreis einbringen wird, darüber ließ man nur verlauten, dass sich zwei davon in Fürstenfeldbruck befinden.

Ziel der Wohnungsbaugesellschaft ist es, Angebote für typische Nutzergruppen - Ältere, Alleinerziehende, junge Familien - mit möglichst günstiger Gesamtmiete zu schaffen. Dem seien andere Anforderungen unterzuordnen, etwa "ganz besonders schön oder ökologisch zu bauen", sagt Maier unmissverständlich: "Da muss man sich entscheiden." Dennoch werde man auf ortsangemessene Architektur und flächenschonendes Bauen achten. "Wir brauchen intelligente und günstige Grundrisse", sagt Maier, "und müssen weg vom Überflächenangebot". Stattdessen sollen die Projekte mit "attraktiven Gemeinschafts- und Freibereichen" ausgestattet werden.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Planungen beginnen. Die günstigen Mieten will die Wohnungsbaugesellschaft über günstigen Grunderwerb, flächensparende Grundrisse und optimierte Planungs- und Baukosten erreichen. "Das heißt nicht, dass es architektonisch langweilig ist", ist sich Maier sicher. Auch Bauträgergewinne müssen bei der Wohnungsbaugesellschaft nicht eingepreist werden.

Zunächst soll je eine Art Prototyp für den urbanen und den ländlichen Raum verwirklicht und quasi als Blaupause für weitere Projekte verwendet werden. "Wo und in welchem Tempo das geschieht, das lässt sich noch nicht sagen", sagt Maier. Die Kommunen haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie treten selbst als Bauherren auf und beauftragen die Wohnungsbaugesellschaft mit der Abwicklung und der anschließenden Verwaltung der Einheiten. Die Wohnungsbaugesellschaft würde dann agieren wie eine Art Bauträger. Bei diesem Modell gibt es die meiste finanzielle Förderung für die Kommunen, allerdings tauchen die Projekte auch in ihren Haushalten auf. Alternativ bringen sie ihre Grundstücke in die Gesellschaft ein und diese agiert dann als Projektbetreiber und errichtet die Bauten "in eigener Hoheit", wie Maier sagt: "Die Kommune sind damit die finanzielle Verantwortung los."

Landrat Karmasin dankte Maier dafür, dass "die Wohnungsbaugesellschaft jetzt in Fahrt kommt". Christoph Maier ist seit September deren ehrenamtlicher Geschäftsführer, in Markus Ostermair soll er demnächst einen Co-Geschäftsführer erhalten, der für die bautechnischen Belange zuständig sein wird. Seit einem Jahr sitzt Maier im Brucker Kreistag, im Wahlkampf war er als Landratskandidat der SPD noch Widersacher von Landrat Thomas Karmasin. Günstiger Wohnraum war damals Maiers Hauptthema. Er versprach, binnen sechs Jahren 3000 kommunale Wohnungen für zehn Euro Miete pro Quadratmeter zu bauen. Die Wohnungsbaugesellschaft war nach langer politischer Diskussion im Oktober 2019 von 17 Gesellschaftern - 15 Städten und Gemeinden, dem Landkreis und der bereits bestehenden Puchheimer Wohnungsbaugesellschaft WEP - gegründet worden. Damit erfüllte sich eine langjährige Forderung der SPD.

© SZ vom 22.04.2021
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