Preis Türchen und Schubladen von allen Seiten

Der Egenhofener Schreinermeister Hans Aumüller wird für sein Multifunktionsmöbelstück "Convertino" von der bayerischen Forst- und Landwirtschaftsministerin mit einem Preis ausgezeichnet

Von Manfred Amann, Egenhofen

Schöne, passende, zeitlose, exklusive, moderne, stilvolle, funktionale Möbel okay, aber spannende? Auf das Möbelstück, mit dem Schreinermeister Hans Aumüller auf der Messe "Heim und Handwerk" in München von Land- und Forstwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und dem Präsidenten des Bayerischen Schreinerhandwerks, Konrad Steininger, mit dem Schreinerpreis (1000 Euro) ausgezeichnet wurde, passen alle diese Attribute und noch viele mehr. Spannend daran ist schon Mal, alle Möglichkeiten der Nutzung zu entdecken, denn von außen ist das mit Schindeln ummantelte schmale Hochboard "Convertino" lediglich ein schmucker Blickfang. Doch es lassen sich von allen Seiten Türchen und Schubläden öffnen, ohne dass sich die verschiedenen Funktionen behindern. Und spannend ist auch, man kann das Möbelstück in Einzelteile zerlegen und getrennt aufstellen und nutzen. "Dies so auszutüfteln, dass alles funktioniert, ohne dass sich zum Beispiel ein Schubladen nicht mehr ausziehen lässt, wenn man ein Türchen öffnet, das war auch sehr spannend", erzählt der 54-jährige Schreinermeister.

Entworfen habe er das Multifunktionsmöbel in kreativen Stunden ganz alleine, erzählt er, die Söhne hätten dann das "Bewerbungsmodell" geschaffen. Dass er sich zum Wettbewerb anmeldete, darauf hätten in erste Linie seine Kinder gedrängt, insbesondere Johannes, der nach dem Abitur im kommenden Jahr in Vaters Fußstapfen treten will. Neben der Schule beschäftigt sich der Junior schon seit längerem mit der Drechslerei und hat sich mit der Herstellung von Leim- und Frischholzschalen sowie ungewöhnlichen Accessoires für Wohnräume unter dem Firmenlogo "Hannes Holzkunst" einen eigenen Geschäftszweig aufgebaut.

"Der Kunst sind keine Grenzen gesetzt", sagt er und spricht seinem Vater aus der Seele. Kreativität ist laut dem Firmenchef mitentscheidend für den Erfolg seiner Schreinerei, in der überwiegend Möbel nach individuellen Kundenwünschen angefertigt werden, zu etwa 25 Prozent auch für Händler. Damit das Siegermöbelstück rechtzeitig fertig wurde, daran waren nicht nur alle Mitarbeiter, ein Geselle und zwei Auszubildende beteiligt, sondern die ganze Familie, Mutter Birgit und neben Johannes junior auch die Söhne Matthias, Sebastian und Korbinian. "Einzeln, aber gelegentlich auch gemeinsam haben wird gesägt, geschliffen oder poliert", erinnert sich der Familienvater. Es habe allen Spaß gemacht und der Siegerpreis sei der mit Spannung erhoffte Lohn für die Mühen und "natürlich auch Werbung".

Die Ausstellung sei vom Fachverband sehr gut organisiert worden und die Wettbewerbsschau eine wichtige Plattform, mit der Leistungsfähigkeit, Kreativität und Vielfältigkeit des Handwerks gezeigt werden könne, so Aumüller, der seit 14 Jahren ehrenamtlich in Prüfungskommission der Innung mitarbeitet und seit zwei Jahren deren Vorsitzender ist. "Ich bin nicht perfekt, aber nah dran" ist auf dem Prospekt zu lesen, mit dem für das preisgekrönte Möbel geworben wird. "Gemeint ist das unvergleichliche Unikat, das auch eine Art Prototyp ist, der auf der Ausstellung auf großes Interesse gestoßen ist", so der Schreinermeister. Es lässt sich als Pult oder zum Abstellen einer schönen Vase nutzen. Hebt man die Deckplatte hoch, blickt man in einen Spiegel, mit dem Stauraum darunter ist es eine ideale Schminktruhe. Seitlich könnte man eine Mini-Bar unterbringen oder auch den Safe verstecken", erklärt Sohn Johannes. Die vielen Schubläden und hinter den Türchen ist Stauraum für vieles.

Am Wettbewerb "Spannende Möbel" beteiligten sich Schreiner aus ganz Bayern. Bewerben konnte sich jeder Innungsschreiner, 13 besonders innovative Stücke kamen in die Endwertung, wobei die besten drei mit dem Siegerpreis, die übrigen mit Belobigungen geehrt wurden. Schreinermeister Aumüller kam in Fürstenfeldbruck zur Welt, wuchs in Maisach auf und absolvierte bei der Schreinerei Drexler in Mammendorf die Lehre. Von 1983 bis 1994 sammelte er Erfahrung bei der Firma Ladenbau Kiser, um 1995 in Poigern einen Betrieb zu eröffnen, nachdem er parallel zur Arbeit den Meisterbrief erworben hatte.