bedeckt München
vgwortpixel

Podiumsdiskussion im Olchinger Kulturzentrum:Im Auftrag der Demokratie

100 Jahre VHS Volkshochschule Olching

Gut 90 Gäste verfolgen die Podiumsdiskussion im Olchinger Kulturzentrum, die Teil des VHS-Jubiläumsfestes ist.

(Foto: Matthias F. Döring)

Die Volkshochschulen im Landkreis feiern das 100-jährige Bestehen dieser Bildungseinrichtung. In Olching diskutiert eine Runde deren Bedeutung und erfreut sich dann an einem musikalischen Geburtstagsgeschenk

"Wir sind wohl die erste Volkshochschule auf der Welt, die ein eigenes Musikstück bekommen hat", sagt Regina Sasse. Der Pianist Fabian Kriner hatte zum Abschluss der Diskussionsrunde der Volkshochschulleitung mit Bürgermeister Andreas Magg (SPD) und Bildungsreferent Maximilian Gigl (CSU) ein selbst komponiertes Stück im Ragtimestil uraufgeführt. Das habe er vor einiger Zeit komponiert, jetzt als Geburtstagsgeschenk mitgebracht und "Ragtime for you" genannt. Zwar hatte die Volkshochschule Olching selbst keinen runden Geburtstag zu feiern, doch im Rahmen der bundesweiten "Langen Nacht der Volkshochschulen" zum 100. Jubiläum gestaltete sie einen eigenen Abend mit Magg, Gigl, Kriner und Krimiautor Andreas Föhr.

Vor der Uraufführung von "Ragtime for you" diskutierten Sasse, Geschäftsführerin der Volkshochschule Olching, und Helmut Achertz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, mit den Olchinger Politikern. Magg glänzte mit Wissen um die Geschichte der Olchinger Schulen, Gigl mit Witz. Dem Wunsch von Sasse und Achertz, mit der Volkshochschule ein eigenes Gebäude zu beziehen, standen beide Politiker positiv gegenüber. "Wir haben hier rund um die Kulturwerkstatt einige freie Flächen. Hier könnte man ein Zentrum für Bildung und Kultur in Olching schaffen", sagt Magg. Auch Gigl, der im kommenden Jahr der CSU-Bürgermeisterkandidat ist, betont den Wert der Volkshochschule: "Der Bildungsauftrag der Weimarer Verfassung ist wichtiger denn je." Die deutschen Volkshochschulen wurden durch die erste demokratische Verfassung Deutschlands 1919 initiiert. Um Fakenews und Halbwahrheiten entgegentreten zu können, seien Bildung und Wissen unabdingbar. Deshalb seien die Volkshochschulen wichtig für die Demokratie und um möglichst vielen Menschen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, müsse die Volkshochschule zentral und gut erreichbar gelegen sein.

Sasses Frage, ob die Politiker selbst schon einen Kurs belegt hätten, mussten beide verneinen. Zu wenig Zeit bliebe ihnen, wie auch den vielen Olchingern, die nach München pendeln müssten. Deshalb, wie Gigl sagt, müsse die Volkshochschule "auf dem Weg nach Hause liegen" und Kurse zu pendlerfreundlichen Zeiten anbieten. Zum Thema Online-Kurse sagte Magg: "Wir dürfen bei aller Digitalisierung den Menschen nicht vergessen." Die Stärke der Volkshochschulen sei, dass sie "ein Ort der Begegnung" seien, wie Sasse zuvor formuliert hatte. Auf die Podiumsdiskussion folgte eine Pause mit Wein und belegten Semmeln, die die Gäste überpünktlich verließen, um den Kulturteil des Abends nicht zu verpassen. Autor Andreas Föhr las aus seinem neuesten Buch "Tote Hand" vor, der achte Teil seiner Reihe um das Ermittlerteam Wallner und Kreuthner. Im nun dunklen Saal trug Föhr einige Kapitel vor, deren Handlung auf dem zufälligen Fund einer Leiche beim Begräbnis einer auf skurrile Weise verlorenen Hand basiert.

Sasse zeigte sich mit dem Abend sehr zufrieden. 90 Gäste seien in der Kulturwerkstatt gewesen, zu etwa zwei Dritteln habe das Publikum aus Olchinger Bürgern bestanden, der Rest sei von der Volkshochschule gewesen. Sasse hat viele gute Rückmeldungen bekommen und vor allem die positiven Aussagen bezüglich eines eigenen Gebäudes wolle sie für bare Münze nehmen. Ihre Kollegen aus dem Landkreis begingen das Jubiläum einfacher. In Bruck beteilige sich die Volkshochschule am "Parking Day", weswegen die eigenen Feierlichkeiten nur aus dem Verteilen von Rosen durch Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) und Direktorin Silvia Reinschmidt bescheiden ausfiel. Auch in Gröbenzell wurde gefeiert, zwei Bands, ein Europaquiz und ein Erzählcafé unterhielten die Gäste.

© SZ vom 23.09.2019
Zur SZ-Startseite