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Planegg/Germering:Protest gegen Kiesabbau geht weiter

Protest gegen weiteren Kiesabbau im Würmtal, 2019

Der Landkreis München und die SPD-Ortsvereine im Würmtal stellen sich hinter die Bürgergemeinschaft "Rettet den Würmtaler Wald".

(Foto: Robert Haas)

Die Würmtal-Gemeinden wehren sich gegen ein weiteres Abbaugebiet im Planegger Holz und erhalten prominente Unterstützung. Bis 21. November muss die Regierung darüber entscheiden, ob sie das Vorhaben für "raumverträglich" hält

Der Ball in Sachen Kiesabbau im Würmtal liegt bei der Regierung von Oberbayern. Nachdem der Landkreis München wie auch die drei Würmtalgemeinden Gräfelfing, Planegg und Neuried ein neues Kiesabbaugebiet im Planegger Holz, im Bereich Dickwiese, direkt an der Grenze zu Germering, ablehnen, muss die Regierung bis 21. November entscheiden, ob sie das Vorhaben für raumverträglich hält. Die Gemeinden und der Landkreis konnten in dem laufenden Raumordnungsverfahren nur eine Stellungnahme abgeben. Unterdessen haben sich mehr als 10 000 Bürger über eine Unterschriftenaktion gegen weiteren Kiesabbau im Würmtal ausgesprochen.

Auch der Ausschuss für Energiewende, Landwirtschafts- und Umweltfragen des Kreistags lehnte einstimmig den Kiesabbau im Planegger Holz ab, den die Firma Glück mit Sitz in Gräfelfing auf 24,4 Hektar Fläche plant. Vor dem Hintergrund, dass im Regionalplan eine Vorrangfläche für Kiesabbau in Größe von etwa 30 Hektar im Forst Kasten ausgewiesen ist, würde eine zweite Abbaufläche das Würmtal überfordern, heißt es in einer Stellungnahme der Kreisräte. Die Verquickung der beiden Abbaugebiete im Beschluss des Landkreises kritisieren die SPD-Ortsvereine in Neuried, Planegg, Gräfelfing, Krailling und Gauting. Ihrer Ansicht nach ist der Kiesabbau im Planegger Holz unabhängig vom Vorranggebiet Forst Kasten zu bewerten und grundsätzlich nicht raumverträglich. Die SPD-Ortsvereine lehnen einen Kiesabbau im Würmtal ganz und gar ab - im Planegger Holz und im Forst Kasten. Das betonen sie in einer Stellungnahme.

Damit stellen sich die SPD-Ortsvereine hinter die Bürgergemeinschaft "Rettet den Würmtaler Wald". Die Kiesgegner sammeln unter dem Titel "Würmtal Appell 2019" seit Wochen Unterschriften, um den Kiesabbau zu stoppen. Die Unterschriftenliste wurde mittlerweile Landrat Christoph Göbel (CSU) übergeben. "Es war eine symbolische Übergabe", sagte Astrid Pfeiffer, eine der Akteurinnen, auf Anfrage. "Wir sammeln weiter." Die Unterschriftenliste ist auf der Website der Initiative herunterzuladen.

Der Beschluss des Landkreises wirft Fragen auf. So heißt es, dass der Landkreis den Kiesabbau im Forst Kasten vorzieht, da hier der Kies über das vorhandene unterirdische Förderband ohne zusätzlichen Lkw-Verkehr ins Kieswerk transportiert werden kann. Das Transportband wird von der Firma Glück in Gräfelfing betrieben, die seit Jahrzehnten im Forst Kasten Kies abbaut, von einem derzeit laufenden europaweiten Ausschreibungsverfahren zu weiterem Kiesabbau auf einer Fläche von rund 9,5 Hektar im Forst Kasten jedoch ausgeschlossen ist. Ob eine neue Firma das Förderband der Firma Glück nutzen darf, ist fraglich. Mit der Befürwortung des Kiesabbaus im Forst Kasten, so wie er im Regionalplan verankert ist, geht der Landkreis in Opposition zur Stimmung in der Stadt München. Der Wald gehört der Heiliggeistspital-Stiftung, die von der Stadt München verwaltet wird. Inzwischen hat sich auch der Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hinter die Kiesgegner gestellt. Und auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat den Kiesgegnern in Aussicht gestellt, möglicherweise sogar ganz auf den Kiesabbau als Einnahmequelle für die Stiftung verzichten zu können, sofern dies rechtlich möglich sei und die Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks künftig in einer anderen Form erwirtschaftet werden können. Landrat Christoph Göbel rief in seiner Stellungnahme zum Landkreisbeschluss den Oberbürgermeister und die Landeshauptstadt dazu auf, "die Weichen für einen Mensch und Natur schonenden Kiesabbau zu stellen und am schon seit Jahren eingeschlagenen Weg des behutsamen Kiesabbaus festzuhalten".

© SZ vom 16.10.2019