Ortstermin Saatkrähen stören die Nachbarn

Oberbürgermeister Andreas Haas und Monika Sepp (links daneben) machen sich vor Ort ein Bild von der Situation.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Betroffene Germeringer Anwohner verlangen drastische Schritte gegen die intelligenten Vögel

Von Peter Bierl, Germering

Die Saatkrähendebatte hat Germering nun voll erreicht. Am Mittwoch diskutierte Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) mit zwei Dutzend aufgebrachten Nachbarn in der Josef-Kistler-Straße sowie Anwohnern vom Erika-Park in Unterpfaffenhofen, die zu dem Lokaltermin gekommen waren. Im Bereich der Hausnummern 5 und 7 in der Kistlerstraße sind in den Bäumen einige Nester zu erkennen, wobei nicht alle von Saatkrähen stammen. Im Erika-Park hat die Biologin Monika Sepp 62 Nester gezählt. Dort versucht die Kommune seit drei Jahren die Population der klugen Vögel klein zu halten.

Eine komplette Vertreibung oder gar ein Abschuss der Saatkrähen sei verboten, entgegnete OB Andreas Haas den Bürgern. "Ich kann nicht wie Rambo durch die Straßen ziehen. Das Schießen in Wohngebieten ist nicht erlaubt." Möglich ist es, Nester zu zerstören, Äste abzusägen, einen Teil der Eier zu entfernen oder einen "Birdgard" aufzustellen, der Panikschreie ausstößt. Allerdings stellen sich Saatkrähen darauf ein, bauen neue Nester und legen noch mehr Eier, warnte Thomas Wieser vom Umweltamt.

Dass sich die Saatkrähen, die wie ihr Name sagt, den Aufenthalt in direkter Nähe von Feldern bevorzugen, überhaupt in menschliche Siedlungen zurückgezogen haben, hat nach Ansicht der Biologin zwei wesentliche Gründe. In der freien Landschaft würden sie beschossen, oft als Nebeneffekt bei der Jagd auf Rabenkrähen, und der Anbau von Monokulturen wie Mais reduziere ihre Nahrungsquellen. Jede ernsthafte Strategie, um Saatkrähen aus den Städten fernzuhalten, müsste an diesen beiden Punkten ansetzen. Man müsste die Jagd aussetzen, erklärte Monika Sepp.

Stattdessen möchten manche Anwohner lieber die Bäume in Germering fällen, um den Tieren die Nistplätze zu nehmen. Andere fragten, ob es nicht eine Anti-Baby-Pille für Saatkrähen gebe oder ob man zur Abschreckung "Krähen-Leichen" in die Bäume hängen könnte. Mehrere forderten, das Naturschutzgesetz zu ändern. Denn die Saatkrähen sind geschützt. "Warum ist das Tier denn so wichtig", fragte eine Frau. Die Bürger schimpften, dass die Vögel im Erika-Park Müllbehälter ausräumen. "Da sieht es richtig vergammelt aus", berichtete ein Frau. Die meisten Anwohner klagen über Lärm, der so ohrenbetäubend sei, dass man Fenster schließen und die Terrasse nicht mehr benutzen könne. Zumindest in der Kistlerstraße ist während des Lokaltermins das Krächzen wegen der Autos kaum zu hören. Jede Viertelstunde bimmelt dort obendrein die Glocke von Sankt Martin.

Oberbürgermeister Haas wies darauf hin, dass jede Maßnahme von der Regierung genehmigt werden müsse. Man könnte weiterhin einen Teil der Eier und Nester entfernen und einen Falkner einsetzen, um die Krähen wie in Puchheim abzuschrecken. Allerdings kosten solche Maßnahmen viel Geld, müssen jahrelang wiederholt werden und der Erfolg ist nicht garantiert, warnte Sepp.

In Puchheim hatten sich die Saatkrähen rasant vermehrt, wie Experten vorhergesagt hatten, nachdem die Stadt auf Drängen der Bürger ab 2011 gegen die Kolonie am Friedhof an der Allinger Straße vorgegangen war. Überall hatten sich Splitterkolonien gebildet. Auf dem Höhepunkt waren über 400 Nester gezählt worden. Inzwischen konnten die Splitterkolonien beseitigt und das Zentrum auf etwa 240 Nester reduziert werden. Einige Tiere nisten in einem Wäldchen, wo sie niemanden stören, andere sind nach Eichenau umgezogen, auf den dortigen Friedhof und ins Gewerbegebiet, und vermutlich sind die Germeringer Saatkrähen Heimatvertriebene aus Puchheim.