Fürstenfeldbruck:Der Höhepunkt des Gedenkjahres

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Fürstenfeldbruck: Wie vor zehn Jahren findet die Gedenkveranstaltung vor dem alten Tower statt.

Wie vor zehn Jahren findet die Gedenkveranstaltung vor dem alten Tower statt.

(Foto: Günther Reger)

Am Montag wird mit einem Staatsakt an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 erinnert. Im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatspräsident Isaac Herzog erwartet.

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

50 Jahre nach dem Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft mit elf ermordeten Sportlern und einem getöteten bayerischen Polizisten gehen die Gedenkveranstaltungen dieses Jahres auf ihren Höhepunkt zu. Am Jahrestag des Anschlags findet am Montag, 5. September, am Ort des gescheiterten Befreiungsversuchs auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ein Staatsakt statt, mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und voraussichtlich einer israelischen Delegation mit Israels Staatspräsident Isaac Herzog an der Spitze. Einen Tag zuvor wird eine Radtour vom Münchner Olympiagelände zur Gedenkstätte am Fliegerhorst an die Opfer erinnern, am Dienstagabend dann wird der Historische Verein im alten Tower an den Anschlag und dessen Opfer erinnern.

Fürstenfeldbruck: Wo die israelischen Sportler und der bayerische Polizeibeamte 1972 starben, findet die Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentats statt.

Wo die israelischen Sportler und der bayerische Polizeibeamte 1972 starben, findet die Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Olympia-Attentats statt.

(Foto: Heinz Gebhardt/Imago)

Möglich wird der Besuch von Präsident Herzog und den Hinterbliebenen, weil die Verhandlungen um Entschädigungszahlungen für die Angehörigenfamilien schließlich zum Erfolg geführt haben. "Ich bin erleichtert, dass kurz vor dem 50. Gedenktag an das Olympia-Attentat eine Einigung mit den Hinterbliebenen dieser schrecklichen Tat gefunden werden konnte und damit ein gemeinsames Gedenken an das Attentat am Montag möglich ist", äußert sich die CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler aus Türkenfeld. Die Einigung und vor allem der große Anteil, den der Bund dabei trage, seien ein wichtiges Zeichen dafür, dass "die Bundesrepublik Verantwortung übernimmt und das Leid der Hinterbliebenen anerkennt". Auch der Olchinger SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi äußert sich dazu: "Ich begrüße die erzielte Einigung mit den Hinterbliebenen des Olympia-Attentats von 1972. Es ist gut, dass auch die Aufarbeitung der Geschehnisse Teil der Einigung ist. Deutschland hat sich seiner Verantwortung zu lange verwehrt", schreibt Schrodi mit dem Hashtag #Olympia1972 auf Twitter kurz nach Bekanntwerden der Einigung zwischen der Bundesregierung und den Angehörigen der israelischen Opfer am Mittwoch.

Mit der erzielten Lösung könnte der Staatsakt ohne diese Belastung stattfinden und so auch ein neues Kapitel in dem jahrzehntelangen Streit um Verantwortung und Schuld am Tod der Geiseln eröffnen. Nach allem, was bisher bekannt ist, will der Bundespräsident die Einrichtung einer deutsch-israelischen Historikerkommission ankündigen, der alle verfügbaren Akten zur Verfügung gestellt werden sollen, um die Ereignisse aufzuklären.

Zu der Gedenkveranstaltung eingeladen haben Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin (CSU). Geplant ist eine Gedenkstunde am Montagnachmittag, die, wie schon bei der Großveranstaltung vor zehn Jahren, eben dort stattfinden soll, wo der Befreiungsversuch der Polizei scheiterte - vor dem alten Tower. Landrat Karmasin wird ein Grußwort sprechen, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes werden die diesmal vom bayerischen Innenministerium organisierte Veranstaltung unterstützen. Zum 40. Jahrestags des Attentats war die Kreisbehörde im Wesentlichen selbst zuständig für die Organisation und den Ablauf der Veranstaltung.

Fürstenfeldbruck: Gedenken in Fürstenfeldbruck vor zehn Jahren: Ankie Spitzer, Witwe des Fechttrainers André Spitzer und Sprecherin der Angehörigen der Opfer, im Gespräch mit Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin.

Gedenken in Fürstenfeldbruck vor zehn Jahren: Ankie Spitzer, Witwe des Fechttrainers André Spitzer und Sprecherin der Angehörigen der Opfer, im Gespräch mit Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin.

(Foto: Johannes Simon)

Für die Veranstaltung selbst gelten hohe Sicherheitsmaßnahmen. Zu den Gästen werden auch Menschen aus dem Landkreis gehören, die vor Wochen Gelegenheit hatten, sich dafür anzumelden. Das bayerische Innenministerium hat die Berichterstattung auf dem Gelände eingeschränkt und lässt bei der Bildberichterstattung lediglich den Bayerischen Rundfunk für die Fernsehübertragung und einen Fotodienst zu. Solche Poollösungen, aus denen sich andere Medien bedienen können, sind üblich geworden, wenn etwa die Organisation oder die Platzverhältnisse schwierig sind. Auch die Zahl der schreibenden Journalisten wurde begrenzt.

Auflagen hat auch der Historische Verein zu erfüllen, wenn er am Dienstag, 6. September, abends im alten Tower der Attentatsopfer mit einer Lesung gedenken will. Die Liste der Teilnehmenden an dieser Veranstaltung ist bereits geschlossen, anmelden konnte sich vorher jeder. Ebenfalls nur mit Anmeldung, aber offen für alle ist die Radtour, zu der der neue israelische Botschafter in Berlin, Ron Prosor, und das israelische Generalkonsulat in München einladen. Unter dem Motto "radeln und erinnern" beginnt am Sonntagvormittag eine Tour im Olympiagelände, und sie führt bis zur Gedenkstätte vor dem Tor des Fliegerhorstes. Teilnehmen wollen unter anderem die israelische Generalkonsulin Carmela Shamir, die Münchner Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und Kabarettist Christian Springer. Prosor: "Wir setzen auf dem Fahrrad ein Zeichen für eine Gesellschaft im olympischen Geist für Frieden und Brüderlichkeit."

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