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Olchinger Paulusgrube:Die nächste Hürde gemeistert

Zwei markante Gebäude (links oben) sollen den Eingang zum neu geplanten Viertel bilden. Auch Gewerbe und Wohnen sollen angesiedelt werden.

(Foto: Stadt Olching)

Pläne für das "Jahrhundertprojekt" passieren Stadtentwicklungsausschuss

"Jahrhundertprojekt": Dieser Superlativ fällt in letzter Zeit zusammen oft in einem Satz mit der Paulusgrube. Alle sind sich einig, dass der Umbau des Areals am Bahnhof das Gesicht der Stadt völlig verändern wird. Am Dienstag stimmten die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses für den Bebauungsplan. Folgt der Stadtrat ihrem Votum, steht die Rahmenplanung, die Olching eine neue Mitte verleihen wird.

Zwei große "Auftaktgebäude" im vorderen Bereich der Bahnhofsstraße bilden die zentralen Elemente. Das Bahnhofsgebäude bekommt einen Durchgang zum Bahnsteig sowie Fahrkartenautomaten und einen Kiosk. Das nebenstehende zweite Haus beherbergt einen Supermarkt und Geschäfte, denkbar ist auch ein Bürgerbüro. Dazu gesellen sich mehrere Wohnkomplexe. Die Bahnhofstraße führt an den Gebäuden vorbei und zweigt ab zu einem Busbahnhof, der an den Gleisen entsteht. Von dort aus läuft die Bahnhofsstraße zwischen den beiden "Auftaktgebäuden" zurück, um wieder in sich selbst zu münden.

Für die nötigen Parkmöglichkeiten sorgt eine Tiefgarage unter dem Areal mit bis zu 300 Stellplätzen. Dazu entstehen 900 ober- und unterirdische Abstellplätze für Fahrräder.

Die Ausschussmitglieder nahmen in ihrer Sitzung die Planungsvorschläge zwar überwiegend positiv auf. Einige Punkte stießen jedoch auf Kritik. Ingrid Jaschke, Fraktionsvorsitzende der Grünen, monierte das vorliegende Verkehrsgutachten. Das sehe einen zu geringen Anstieg des Verkehrs voraus, führte sie aus. Diesen Fehler habe man bei dem Gewerbegebiet an der B471 schon einmal begangen: "Es hat sich herausgestellt dass deutlich mehr Fahrzeuge unterwegs waren."

Für Kontroversen sorgte auch die voraussichtlich hohe Lärmbelastung. Ewald Zachmann, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler Olching, kritisierte, dass laut Gutachten die Grenzwerte zum Teil erheblich überschritten werden. In einem innerstädtischen Bereich mit Bahnstrecke und Verkehr sei es aber nicht unüblich, dass Immissionen die Orientierungswerte zum Teil überschreiten, erklärte Bauamtsleiter Markus Brunnhuber. Um die Belastung zu reduzieren, können beispielsweise Baukörper und bestimmte Räume wie Schlafzimmer abgewandt von der Lärmquelle gebaut werden.

Maximilian Gigl, Vorsitzender der CSU, regte an, die Fassaden so zu gestalten, dass die Lärmbelastung für die Bereiche nördlich des Bahnhofes nicht zu hoch ausfallen.

Unsicherheit herrscht noch bei der Finanzierung. Eine erste Schätzung prognostizierte einen Aufwand von 100 Millionen Euro. Diese Zahl findet FDP-Fraktionsvorsitzender Andreas Teichmann zu vage: "Man hat keine Vorstellung, was das im Groben kostet."

Bürgermeister Andreas Magg präferierte die Zusammenarbeit mit einem Projektpartner. Dieser könne die hohen Kosten sowie den immensen Planungsaufwand für die Stadt reduzieren. Die Freien Wähler Olching lehnten dieses Vorgehen ab. Sie befürchteten, die Stadt würde auf diese Weise wertvolle Grundstücke aus der Hand geben. "Es sieht so aus, als ob die Grundstücke verscherbelt werden sollen"; erklärte stellvertretender Fraktionsvorsitzender Bernhard Nickel. Zachmann sprach von einem "planungsrechtlichen Blankoscheck". Magg hielt dagegen. Die Grundstücke seien zu 90 Prozent in städtischer Hand, betonte der Rathauschef. "Wir können alles tun, was wir wollen."

Neun Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses votierten am Ende für die Änderung des Bebauungsplans, Zachmann und Nickel sprachen sich dagegen aus. Stimmt der Stadtrat in zwei Wochen den Plänen ebenfalls zu, folgt im nächsten Schritt die öffentliche Auslegung. In dieser Phase können auch Bürger die Pläne begutachten sowie Anregungen und Wünsche äußern.

© SZ vom 17.01.2020
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