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Olchinger Corona-Demo:Fahrlässige Gefährdung der Gesundheit vieler

"Aufruf zum Widerstand gegen Corona-Tests" (19. Oktober)

Es gehört zu den Errungenschaften einer funktionierenden Demokratie, dass jeder jeden Unfug behaupten darf und sei er noch so schwachsinnig. Zum 20. Mal haben sich Redner in Olching nicht davon abhalten lassen, die immer wieder gleichen abstrusen Parolen zu verbreiten. Wenn Fee Dürr die aktuelle Situation in einem Atemzug mit "Gleichschaltung und Faschismus" sieht, dann zeugt dies von einer fundamentalen geschichtlichen Unkenntnis davon, was Faschismus wirklich ist. Und Herr Ruhland spricht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Vielleicht hilft ihm ja einmal ein Wochenende in Syrien, um zu verstehen, was Verbrechen gegen die Menschlichkeit wirklich sind. Besonders übel aber sind die Äußerungen von Frau Quak, die in die gleiche Kerbe haut wie die drei Brandstifter aus den USA, Brasilien und Großbritannien. Wenn sie als Ärztin behauptet, dass ihrer Ansicht nach der PCR-Test zu über 90 Prozent falsch positive Ergebnisse liefert und daher abgelehnt werden sollte, dann halte ich das für grob fahrlässig. Es wäre angebracht, sich hier einmal entsprechende objektive Literatur zu Gemüte zu führen, um etwas über Sensitivität und Spezifität von PCR-Tests zu erfahren. Fachliche Weiterbildung hat noch nie geschadet. Dass diese Tests nicht zu 100 Prozent richtig sind, ist unbestritten. Aber die getätigte Aussage suggeriert und ruft sogar dazu auf, dass man sich die Tests sparen kann. Welche Hybris!

"Wenn wir eine zweite Welle hätten, müssten wir mehr Tote haben. Hier stimmt was ganz und gar nicht." Hat Frau Quak die Statistiken nicht gelesen? Wohl nicht, sind ja fake news. Dass das Infektionsgeschehen im Frühjahr (vor allem ältere Menschen) und aktuell (vorwiegend jüngere) und die damit zusammenhängende Sterblichkeit nicht so einfach in den gleichen Topf zu schmeißen sind? Macht nichts, irgendjemand wird den Quark schon glauben. Dr. Bernhard Ascherl, Olching

Irrsinn

Ist dem Irrsinn in der Corona-Debatte wirklich keinerlei Grenze zu setzen? Das frage ich mich angesichts der von der SZ berichteten Äußerung einer angeblichen Medizinerin. Hat die wirklich empfohlen, sich einfach nicht mehr testen zu lassen, dann gebe es kein Corona mehr?

Hat die wirklich von 95 Prozent falschpositiver Testergebnisse geredet? Wer das glaubt und unterstützt, dem kann man nur umgehend zu einer Patientenverfügung raten, auf keinen Fall in einer Klinik behandelt zu werden, egal was kommt, und nie einen anderen Mediziner zur eigenen Behandlung zu akzeptieren als eben diese Dame.

Ich wäre auch für eine Zwangs-Haftpflichtversicherung für alle Corona-Leugner zu gewinnen, die absichert, dass diese dann alle Kosten tragen müssen und können, die durch deren Weiterverbreitung und Schädigung anderer Menschen verursacht werden. Dies abgesehen von einer deutlichen Bestrafung im Falle schwerer gesundheitlicher Folgen für von ihnen infizierte. Der Vogel Strauß steckt wenigstens den Kopf nur in den Sand, wenn er Gefahr wähnt. Diese Herr-/Frauschaften bekommen es hin, das Haupt direkt in Beton zu rammen. Sollten die nicht gleich dem US-Quartalsirren mit dem rosa Kaninchen auf dem Kopf folgen, der im gleichen Sinne wie sie auftritt? Alfred Münch, Olching

Wütender Kollege

Als Hausarzt- und Grüner Gemeinderatskollege von Cordula Braun bin ich verwundert, dass sie der Ärztin Birgit Hörger ein Forum zur Verbreitung ihrer kruden, nicht evidenzbasierten und keinem Fakten-Check standhaltenden Ansichten zu Maßnahmen gegen das Sars-Corona-Virus in einem Vortrag geboten hat. Ähnlich tönte die Brucker Ärztin Dr.Katrin Quak mit auch verschwörungstheoretischem Zungenschlag bei der 20.Kundgebung der Amperfeen in Olching. Über einige Verfügungen und Restriktionen kann man geteilter Meinung sein: Beherbergungsverbot,Grenzschließungen,Quarantänedauer,Schulschließungen, mangelnde parlamentarische Kontrolle.

Als Kollege macht es mich wütend, dass hier Ärztinnen ihre Vertrauensstellung bei den Bürgern missbrauchen, indem sie durch seriöse wissenschaftliche Studien gesicherte Anti-Corona-Maßnahmen in Verruf bringen und damit die Gesundheit vieler fahrlässig gefährden und dies vor dem Hintergrund, dass allein in Bayern seit 8 Monaten 2713 Menschen an CoViD-19 verstorben sind bei. Aber :Wir leben in einer intakten Demokratie, in der Meinungsfreiheit herrscht !

Dr. Thomas Greiffenhagen, Gröbenzell

© SZ vom 21.10.2020
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