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Olching:Zurückgeworfen in die Isolation

Kreis Eltern behinderter Kinder

Von einer reinen Selbsthilfegruppe hat sich der Kreis Eltern behinderter Kinder längst zu einem Anbieter von Freizeitbeschäftigungen entwickelt.

(Foto: EBK)

Der Kreis Eltern behinderter Kinder will seine Mitglieder mit Tablets verbinden und sie so aus der Einsamkeit herausholen

Von Amelie Sittenauer, Olching

Seit der Kreis Eltern behinderter Kinder Olching seine Sport- und Freizeitangebote coronabedingt einstellen musste, sind viele Mitglieder verunsichert. Wie viele Menschen mit geistiger Behinderung verlieren sie, seit der Pandemie, ihre Routinen und sozialen Ankerpunkte. Die jungen Menschen ziehen sich zurück, igeln sich ein. Diesen Trend will der EBK Olching unbedingt aufhalten. Solange die Pandemie anhält, will der Verein deshalb seine Angebote verstärkt digital umsetzen. Dabei gibt es jedoch einen Haken. In den Wohngruppen, wo viele der Mitglieder leben, gibt es dafür nicht die entsprechende technische Ausstattung. Der Adventskalender für Gute Werke der Süddeutschen Zeitung möchte den EBK Olching deshalb bei der Anschaffung von Tablets unterstützen.

Als der Kreis Eltern behinderter Kinder vor 45 Jahren gegründet wurde, war er eine Selbsthilfegruppe für junge Menschen mit Behinderung und deren Eltern. 20 Jahre später wurde daraus ein gemeinnütziger Verein, der mit seinem breiten Sport- und Freizeitangebot weit in die umliegenden Landkreis hineinreicht. Mit seinen Sportlerinnen und Sportlern ist der EBK sogar schon bei den Special Olympics angetreten. Dank vieler Hygienekonzepte konnte der EBK zumindest einen Teil seiner inklusiven Angebote aufrecht erhalten und seinen Mitgliedern etwas Normalität vermitteln. So konnten die jungen Menschen so zum Beispiel wieder rhythmische Sportgymnastik machen oder Boccia spielen. Seit dem erneuten Anstieg der Infektionszahlen ist das jedoch alles wieder hinfällig. Die Vorweihnachtszeit verbringen die jungen Leute nun großteils isoliert von ihren Freunden. Und so wird es noch eine ganze Weile bleiben, vermutet Brehmer: "Wir sind uns sehr sicher, dass wir zumindest im nächsten halben Jahr nichts vor Ort veranstalten dürfen".

Um die jungen Menschen dennoch beieinander zu halten, und den Mitgliedern etwas Struktur und Leichtigkeit zurückzugeben, hat der Verein vor Kurzem einen Erstversuch mit einer Videokonferenz gestartet. Und obwohl der Umgang mit digitalen Medien für viele Menschen mit geistiger Behinderung schwierig ist, waren die Rückmeldungen überwältigend positiv. "Das war so schön, dass sie sich sehen und sich austauschen konnten. Da ist sofort der Wunsch entstanden, das regelmäßig zu machen", erzählt Brehmer.

Die Idee ist, über den Winter einen Online-Stammtisch ins Leben zu rufen. "Wir stellen uns da ein sehr regelmäßiges Angebot vor, bei dem man sich unterhält oder bastelt, zusammen Fitness macht oder vielleicht eine digitale Kulturausstellung besucht." Mit den Tablets und einem Surfstick könnten alle Wohngruppe, in denen Mitglieder des EBK leben, ausgestattet werden. "Solange wir eine leichte digitale Lösung anbieten, wird das funktionieren", ist Brehmer überzeugt. Die Freunde der jungen Menschen mit Behinderung wären dann immer nur ein paar Klicks entfernt. "Das würde neue Mittel der Kommunikation für unsere Mitglieder eröffnen".

Mit den Tablets würde der Verein auch einem seiner großen Anliegen, dem Thema Inklusion, ein Stückweit näher kommen. Inklusion, das ist das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne geistiger oder körperlicher Behinderung. Und die Frage danach, die stellt sich auch bei der Digitalisierung, findet Brehmer. "Im Sinne der Inklusion müssen wir unsere Mitglieder fürs Digitale fit machen. Das hat etwas mit Teilhabe und Lebensqualität zu tun."

© SZ vom 05.12.2020
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