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Olching:Viel zu schade für die Tonne

Wegen der Corona-Pandemie ist das Repair-Café monatelang geschlossen gewesen. Als es wieder aufmacht, stehen die Besucher mit defekten Geräten Schlange

Drei Monate hat das Olchinger Repair-Café wegen der Corona-Pandemie die Türen geschlossen gehabt. Vergessen worden ist es während dieser Zeit allerdings nicht. Das beweisen die Besucher, die am Samstag zahlreich in die ehemalige Heckenschule in Olching kommen. Schon in den ersten zwanzig Minuten wollen so viele Leute Dinge aus ihrem Haushalt reparieren lassen, dass einige vor der Eingangstür warten müssen, ehe sie eingelassen werden. Damit die Wartenden nicht nebeneinander stehen, verläuft das Absperrband in einer Schlangenlinie in Richtung Eingang. Monika Wahl, Organisatorin des beliebten Reparaturtreffs, führt den regen Besuch auf die viele Zeit zurück, die die Leute in den vergangenen Wochen zu Hause verbracht haben. In dieser Zeit haben viele ausgemistet und Dinge gefunden, die sie nicht wegwerfen, sondern reparieren lassen wollten, vermutet Wahl.

Auf Abstand und mit Mundschutz: Reparierende und Besucher des Repair-Cafés in der alten Schule an der Heckenstraße, wie (vorne von links) Hans Petsch und Ingrid Antesberger, halten sich an die Hygieneregeln.

(Foto: Günther Reger)

Vorbeigebracht werden unter anderem zwei elektronische Schreibmaschinen, ein Waffeleisen und ein Staubsauger. Die Geräte werden auseinandergenommen, die Reparateure an den Tischen suchen nach den Defekten und versuchen, diese zu beheben. Auch der Fahrradmechaniker hat zu tun. So weit zeigt sich am Samstag wieder der Normalbetrieb im Repair-Café. Doch wegen der Pandemie ist vieles anders als sonst. Bis zu fünfzehn Reparaturplätze habe man gehabt, erzählt Wahl, nun sind es nur mehr zehn - und einer für die Radl. Die zehn sind auf zwei Räume verteilt. Viel Absperrband ist zu sehen, zwischen den einzelnen Reparaturplätzen gezogen, damit sich Reparateure und Besucher nicht zu nahe kommen. Freilich tragen alle Mund-Nasen-Masken, Desinfektionsmittel steht bereit. Wahl sagt, sie habe ein Hygienekonzept ans Gesundheitsamt geschickt, in dem diese Vorkehrungen aufgelistet worden sind. Zu den Vorkehrungen gehört auch, dass sich Besucher in den Gängen nicht begegnen. Deshalb gibt es einen eigenen Ausgang.

Wo liegt der Defekt? Reparateur Hans Petsch beim Aufschrauben eines Badezimmerradios.

(Foto: Günther Reger)

Und noch eine weitere Einschränkung ist mit den Auflagen wegen der Pandemie verbunden: Im Repair-Café gibt es keinen Kaffee mehr. Im Küchenraum stehen zwei leere Kannen auf einer nicht eingeschalteten Heizplatte. Auch auf Kuchen müssen die Besucher verzichten. Der Verzicht auf Speis und Trank hängt mit den Hygieneregeln zusammen, ist aber auch nötig, weil der Raum, in dem früher Kaffee ausgeschenkt worden ist, nun zum Reparieren gebraucht wird. Die Hälfte der Tische, an denen aus defekten Geräten solche werden sollen, die wieder funktionieren, steht in dem Küchenraum.

Alles ist aber nicht anders als sonst. Am Ausgang befindet sich ein großes durchsichtiges Glasgefäß, in dem einmal Nutella war, wie die Aufschrift auf dem Deckel verrät. Das Glas nimmt die Geldspenden der Besucher für die Reparaturen auf. Nach einer halben Stunde befinden sich schon einige Geldscheine und Münzen in der Kasse aus Glas.

© SZ vom 26.06.2020

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