Rackls Backstubn ist Geschichte. Nach 137 Jahren wurde die Produktion am Hauptsitz der Olchinger Bäckerei zum 31. Mai eingestellt. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens gelang es immerhin, für 17 der bisherigen 30 Verkaufsstandorte im Großraum München Bäckereibetriebe zu finden, die sie weiterführen wollen. Die meisten, nämlich zehn, übernimmt die Backstube Wünsche.
Wünsche, gegründet 1968, hat seinen Firmensitz in Gaimersheim (Landkreis Eichstätt), verfügt über 300 Filialen in ganz Südbayern und baut in Erding gerade ein neues Backzentrum. Seit 1997 gehört Wünsche als Tochtergesellschaft zu Edeka Südbayern und führt nun die ehemaligen Rackl-Standorte an den Hauptstraßen in Fürstenfeldbruck und Olching, in Esting, Puchheim, Germering, Dachau, Gilching, Pullach und in zwei Filialen in München fort.
Der Name Rackls Backstubn ist damit verschwunden, wie dmp Solutions bestätigt, eine auf Unternehmensrestrukturierung und Insolvenz- und Eigenverwaltungsverfahren spezialisierte Anwaltskanzlei aus Ulm. Eine Gesamtlösung für die gesamte Rackl-Unternehmensgruppe einschließlich der Produktionsgesellschaften ließ sich laut dmp Solutions nicht finden, dafür aber gibt es Übernahmelösungen für etwas mehr als die Hälfte der bisherigen Filialen, die Rackls Backstubn im Großraum München unterhielt. Weitere jeweils zwei Filialen wurden von der Münchner Privatbäckerei Wimmer und der Bäckerei-Konditorei Ziegler aus München übernommen. Zwei ehemalige Rackl-Filialen führt auch Hasi Schmeckerbäcker, eine weitere die Bäckerei-Konditorei Kreitmaier, beide stammen aus Grafing (Landkreis Ebersberg).
Keine Lösung fand sich indes für die Backstube und den Verwaltungssitz in der Johann-G.-Gutenberg-Straße im Olchinger Gewerbegebiet. Die Produktion ist zwischenzeitlich eingestellt, die Verkaufsfiliale dort wird von einem Pächter mit zugekauften Backwaren weitergeführt. Damit endet der Geschäftsbetrieb nach 137 Jahren Unternehmensgeschichte. 1889 war die Dorfbäckerei gegründet und später Stück für Stück zu einem regionalen Filialisten ausgebaut worden. Zuletzt wurde das Familienunternehmen, das über Jahrzehnte zu den prägenden Handwerksbäckereien im Großraum München zählte, in vierter Generation geführt.
Auch wenn im Insolvenzverfahren keine Gesamtlösung für die Unternehmensgruppe erreicht wurde, seien „durch den strukturierten Investorenprozess erhebliche Unternehmenswerte erhalten und zahlreiche Arbeitsplätze gesichert“ worden, schreibt dmp in einer Presseerklärung. Auch seien viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den neuen Betreibern übernommen worden. Xaver Rackl, zuletzt Geschäftsführer in Olching, nennt die Sicherung eines großen Teils der Filialen und der Arbeitsplätze laut dmp einen „wichtigen Erfolg“.
Das Insolvenzverfahren selbst ist derweil noch nicht abgeschlossen. Für die Rackls Backstubn Bäckerei und Konditorei Rackl GmbH & Co. KG wird die Möglichkeit einer Insolvenzplanlösung geprüft, bei der Schuldner und Gläubiger individuelle Rückzahlungsmodalitäten erarbeiten können. Ziel ist es laut dmp, für die Gläubiger eine möglichst hohe Befriedigungsquote zu erreichen und die vorhandenen Vermögenswerte bestmöglich zu verwerten.


