Olching und Puchheim sind Spitzenreiter im Flächenverbrauch Der zugepflasterte Landkreis

Allen Absichtserklärungen zum Trotz wird immer mehr Boden mit Häusern und Straßen zugepflastert. Der Bund Naturschutz kritisiert insbesondere große Gewerbegebiete sowie die BMW-Teststrecke

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Flächenverbrauch im Landkreis schreitet voran. Das zeigen Daten des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum. Spitzenreiter zwischen 2007 und 2017 waren demnach Olching mit sechs Prozent und Puchheim mit mehr als vier Prozent. Insgesamt dürfte inzwischen ein Fünftel des Landkreises für Wohnhäuser, Gewerbegebiet, Straßen, Parkplätze, aber auch Sportanlagen oder Parks genutzt werden. "Es gibt kein Umdenken und kein Einlenken", sagt Eugenie Scherb, die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz. Besonders schlimm seien die großen Gewerbegebiete der "Nordallianz" zwischen Olching und Mammendorf.

Seit der Flugbetrieb auf dem Fliegerhorst eingestellt worden ist (hinten links der Tower, hinten mehrere Shelters, in denen Flugzeuge untergebracht waren), werden Teile des einstigen Flugfelds auf Maisacher Flur von der BMW Driving Academy genutzt. Und die soll noch wachsen.

(Foto: Stefan Salger/oh)

Der Planungsverband hat in seinen Gemeindedaten für zwölf Kommunen des Landkreises den Flächenverbrauch ausgewertet, aufgeschlüsselt nach Siedlungs- und Verkehrsfläche. Daten für den gesamten Landkreis sowie die Kreisstädte Fürstenfeldbruck und Germering finden sich in einer Übersicht des Statistischen Landesamtes zum Stichtag 31. Dezember 2017. Dabei ist zwischen Verbrauch und Versiegelung zu unterscheiden. Insgesamt waren landkreisweit mehr als 8200 Hektar verbraucht. Davon müsste man Sportplätze und öffentliche Grünflächen abziehen (zusammen etwa 860 Hektar) sowie private Gärten, um auf die versiegelte Fläche zu kommen.

Der Gewerbepark Geiselbullach.

(Foto: MP Holding/oh)

In Bezug auf den Verbrauch weist Schöngeising den niedrigsten Wert (9,5 Prozent) auf. Spitzenreiter ist Gröbenzell mit 77 Prozent, allerdings ist die Gartenstadt aus historischen Gründen flächenmäßig klein. Grundsätzlich gibt es ein Gefälle zwischen dem ländlichen Westen, wo im Schnitt etwa zehn Prozent der Fläche belegt sind, und dem verstädterten Osten des Landkreises, wo dieser Anteil mehr als ein Drittel der Flur ausmacht. In Germering sind 46,3 Prozent des Geländes verbraucht, gefolgt von Eichenau (42,6), Puchheim (40,8), Bruck (34,8), Olching (29,7) und Germering (27,1). Die prozentuale Zunahme zwischen 2007 und 2017 liegt zwischen 1,4 Prozent (Schöngeising) und sechs Prozent (Olching), die meisten Kommunen bewegen sich im Bereich von zwei bis drei Prozent.

Eugenie Scherb vom Bund Naturschutz blickt kritisch auf ausufernde Gewerbegebiete, wie sie in Olching und seinen Nachbargemeinden in den zurückliegenden Jahren entstanden sind.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Klingt erst mal nach wenig. Nimmt man jedoch die absoluten Zahlen aus den Unterlagen des Planungsverbandes, haben allein zwölf Kommunen ohne Germering in zehn Jahren etwa 614 Hektar verbraucht. Spitzenreiter war Olching (179), gefolgt von Bruck (126), Maisach und Puchheim (je 56) sowie dem kleinen Alling (48).

Im Herbst 2012 hatte ein Bündnis aus Umweltverbänden und Parteien im Landkreis eine Unterschriftenaktion. "Stoppt die Flächenversiegelung" gestartet. Es forderte, keine weiteren Gewerbegebiete auszuweisen und keine neuen Straßen mehr zu bauen. In allen Kommunen und auf Kreisebene sollen Umweltbeiräte mit Vetorechten eingerichtet werden. Rund 2600 Quadratmeter Land wurden damals im Kreis jeden Tag im Durchschnitt verbraucht. Dieser Aktion war kein Erfolg beschieden. "Wir erreichen allenfalls Verzögerungen", bilanziert Scherb. So etwa bei der Südwestumfahrung in Olching - dort aber wegen des Hochwasserschutzes. Auch interkommunale Zusammenarbeit, um den Verbrauch zu begrenzen, finde nicht statt.

Ein schwacher Trost sei, dass bislang keine Naturschutzflächen verbraucht wurden, die ohnehin nur 2,5 Prozent ausmachen. Das werde sich mit der BMW-Teststrecke auf dem ehemaligen Fliegerhorst ändern. Diesem "absurden Projekt" würden 160 Hektar Trockenwiese zum Opfer fallen, die als FFH-Gebiet ausgewiesen wurden, kritisiert Scherb. Das sei weit mehr, als jetzt mühsam als Blühwiesen von Privatleuten und Kommunen angelegt werde, um die Bienen zu retten. Die BN-Kreisvorsitzende rügte auch die Pläne von Bruck und Emmering, auf dem Areal ein neues Stadtviertel und Gewerbegebiet zu errichten.