Der Bund Naturschutz (BN) hat 46 Proben aus der ganzen Bundesrepublik nach per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) untersuchen lassen, 42 davon erwiesen sich als belastet. „Es ist überall, das ist die traurige Botschaft“, sagt die Fürstenfeldbrucker BN-Kreisvorsitzende Eugenie Scherb. In Olching wurden mehrere PFAS in einer Gesamtsumme von 254,7 Nanogramm pro Liter festgestellt. Für die Gesundheit bestehe keine Gefahr, versichern der Wasserversorger Amperverband und das Landratsamt. Ein Zusammenhang zu den Altlasten auf dem Fliegerhorst von Fürstenfeldbruck besteht wohl nicht.
PFAS gelten als potenziell krebserregend und leberschädigend. Die Chemikalien finden sich in vielen Produkten, etwa Pfannen, Pizzakartons, imprägnierter Kleidung und in Kosmetika. Die Proben des BN wurden 2024 gezogen, jeweils ein halber Liter wurde auf 58 verschiedene PFAS getestet. In Olching wurde das Trinkwasser aus dem Wasserhahn des Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi (SPD) gezapft.

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Lieferant ist der Amperverband (AV). Eine Untersuchung von Mischwasser im September durch den AV ergab als Summe von fünf PFAS, die nachgewiesen wurden, einen Gesamtwert im Bereich von 0,0085 Mikrogramm pro Liter, das entspricht 8,5 Nanogramm. „Das liegt deutlich unter dem Grenzwert, es besteht keine Gefahr für die Gesundheit“, sagt Friedrich Popp, der AV-Betriebsleiter. „Es dürfte gar nichts drin sein“, betont hingegen Scherb.
Der AV lässt sein Trinkwasser laut Popp seit 2023 auf PFAS kontrollieren. Insgesamt wird nach 20 Substanzen der Stoffgruppe gesucht, allerdings nicht nach Trifluoressigsäure (TFA), die der BN in seinem Bericht als am häufigsten vorkommende Substanz thematisiert. Die Olchinger Probe besteht fast komplett aus TFA mit 245,8 von 254,7 Nanogramm pro Liter. Für TFA gibt es keinen Grenzwert, das Umweltbundesamt empfiehlt einen Leitwert von 60 Mikrogramm pro Liter, das sind 60 000 Nanogramm pro Liter, anzustreben seien zehn Mikrogramm. Bisher müsse TFA nicht untersucht werden, man werde diesen Stoff künftig aber testen, sagt der Betriebsleiter des Amperverbands.
Der AV fördert sein Wasser nicht in Olching, sondern bei Puchheim, es stammt aus der Gilchinger Schotterrinne, die sich vom Landkreis Starnberg herüberzieht, erklärt Popp. Er hält deshalb einen Zusammenhang mit den Altlasten auf dem Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck für unwahrscheinlich. Auch das Landratsamt sieht keinen Zusammenhang mit dem Fliegerhorst, sondern spricht von einer Hintergrundbelastung, die „in der Umwelt allgegenwärtig vorkommen kann“. Eine Gefahr für die Gesundheit durch die in Olching gemessenen Werte oder die Stichprobe bestehe nicht, sagt Pressesprecher Sebastian Öl.
Woher die Chemikalien stammen, ist laut Amperverband nicht zu klären
Woher die Chemikalien stammen, sei nicht zu klären, sagt Popp, weil die Werte „gering und diffus“ seien, also schwanken, das gelte auch für die Vorfeldmessstellen, die der AV betreibt. Er verweist darauf, dass PFAS aus vielen Quellen stammen können. Sie befänden sich etwa im Wachs, das in Autowaschanlagen verwendet wird, sie könnten aber auch durch Regen eingetragen werden.
Gegen den Fliegerhorst als Quelle spricht auch, dass der Einzelstoff Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) in der AV-Untersuchung unterhalb der Bestimmungsgrenze liegt. Bei der Belastung des früheren Flugplatzes ist PFOS dagegen der wichtigste Parameter.

Im Herbst 2019 stellte das Wasserwirtschaftsamt 0,32 Mikrogramm PFOS pro Liter in einem Brunnen bei Esting sowie 0,12 Mikrogramm in einem Weiher in Gernlinden-Ost fest. Weil die Messstellen im Grundwasserstrom des Fliegerhorsts liegen, können Schadstoffe von dort angeschwemmt werden. PFOS gehören zur Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS). In der Natur kommen sie nicht vor, sondern stammen aus Chemielaboren. Sie sind kaum abbaubar, einige reichern sich in der Umwelt und in Organismen an. Einige stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, andere haben eine hormonähnliche Wirkung. Auf dem Fliegerhorst wurde PFOS als Löschschaum verwendet, um brennendes Öl zu bekämpfen.
Im Sommer 2020 stellte ein Labor fest, dass Werner Kreißler, der Vorsitzende des Angelsportvereins Germering, erhöhte PFOS-Werte im Blut hat, und zwar 11,8 Mikrogramm pro Liter. Eine Untersuchung zeigte, dass frisch eingesetzte Forellen kaum belastet waren, umso mehr jedoch ältere Exemplare, etwa von Karpfen. Der Verein hatte vor Jahrzehnten einen Weiher gepachtet, der heute mitten im Gewerbegebiet Gada von Bergkirchen im Landkreis Dachau liegt. Kreißler lässt sich seitdem regelmäßig untersuchen, seine Werte hätten sich verbessert. Ihm sei geraten worden, nicht mehr als 250 Gramm von seinem Fang im Jahr zu essen, erzählt er.
Der Vorsitzende des Angelsportvereins fordert von den Behörden und insbesondere der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Areal des Fliegerhorsts verwaltet, endlich zu handeln. Er verweist auf den Militärflughafen Manching, wo nach Protesten von Bürgern Kohlefilter eingebaut worden seien.

Federführend ist das Landratsamt. Zwei Gutachten von 2021 und 2024 sowie Fachstellen haben bestätigt, dass das Gelände wegen der Grundwasserbelastung saniert werden muss. Im Dezember 2024 hätten die beteiligten Behörden beschlossen, die Landesbaudirektion Bayern mit einer weiteren Detailuntersuchung zu beauftragen. Auf dieser Grundlage werde die Kreisbehörde über Maßnahmen entscheiden. Am Donnerstag teilte der Pressesprecher des Landratsamtes mit, dass nach aktuellem Kenntnisstand das Ausschreibungsverfahren dafür „noch nicht abgeschlossen“ sei.
Seit 2020 führt das Gesundheitsamt jährlich Screening-Messungen bei fünf privaten Einzelversorgern in der Nähe des Hatzlbrunnens durch. Bei drei der Versorger würde der künftige Grenzwert „prognostisch überschritten“, sagt der Pressesprecher. Nun soll über Abhilfe beraten werden.
Pestizide sind laut der Untersuchung des Amperverbands nicht im Trinkwasser nachweisbar, was Popp auf freiwillige Vereinbarungen mit den Landwirten zurückführt, die auf deren Einsatz verzichten. Die Nitratbelastung liegt mit 16 Milligramm pro Liter „im Normalbereich“, heißt es in der Untersuchung. Früher war die Belastung höher, erinnert sich Scherb. Allerdings liege der Wert in München bei acht Milligramm und für Kleinkinder seien 16 Milligramm zu viel.

