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Olching:Talente im roten Sand

Der Motorsportclub kann zum ersten Mal seit dem Lockdown wieder Speedway-Rennen in Olching veranstalten

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Stefan Ehrnböcks macht auf der Tribüne des Olchinger Speedwaystadions ein zufriedenes Gesicht. "Endlich haben wir wieder ein Speedwayrennen in Olching", steht dem Vorsitzenden des Motorsportclubs Olching (MSCO) unverkennbar ins Gesicht geschrieben. Die Bahn ist nach dem morgendlichen Regen wieder abgetrocknet. Das erspart allen Beteiligten beim Finale der deutschen Speedway-Meisterschaft in der U 21 eine Schlammschlacht. "Das Vereinsleben hat natürlich in der Coronazeit gelitten", sagt Ehrnböck, "aber unsere Gemeinschaft funktioniert immer noch gut." Sind doch alle Helferinnen und Helfer an jeder Ecke des Stadions immer noch da und garantieren einen reibungslosen Ablauf der fast dreistündigen Veranstaltung. 450 fachkundige Zuschauer, eine durch Corona limitierte Anzahl, verfolgen die spektakulären und waghalsigen Kurvenfahrten der Piloten.

OLCHING: Finale der Deutschen Meisterschaft U21 im Speedway

Erik Bachhuber (roter Helm) hat auf der Olchinger Bahn Heimvorteil.

(Foto: Leonhard Simon)

Vor allem im Fahrerlager herrscht wie gewohnt hektisches Treiben. Die Motorräder rattern wie immer mit großem Krach zum Start. In den Boxen wird fleißig an den Maschinen geschraubt. Häufig kümmern sich die Eltern um die jungen Fahrer. So auch in der Box Nummer vier von MSCO-Lokalmatador Erik Bachhuber. Papa Stefan Bachhuber ist der Mechaniker, Mutter Diana Bachhuber assistiert ihm dabei und kümmert sich darum, dass sonst auch alles stimmt. "Team Bachhuber" hat sie auf ihrem T-Shirt stehen. Zwei Motorräder stehen für ihren Sohn Erik zur Auswahl bereit. Er ist 17 Jahre alt und hat in den vergangenen sechs Jahren schon deutsche Meisterschaftserfolge in den Altersklassen gefeiert. In der U 21 wird jetzt mit Motorrädern mit 500 Kubikzentimetern Hubraum gefahren. Die sind natürlich schneller als die mit 125 und 250 Kubik. "Die Bahn in Olching kenne ich in- und auswendig", sagt Bachhuber und erhofft sich einen Heimvorteil beim Meisterschaftsfinale. "Platz eins bis drei ist mein Ziel", bekräftigt er vor dem ersten Start. Er macht eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, aber sein Berufswunsch ist Speedway-Profifahrer.

OLCHING: Finale der Deutschen Meisterschaft U21 im Speedway

Im Fahrerlager bearbeiten Bachhubers Eltern die Maschine.

(Foto: Leonhard Simon)

Sein Vorbild ist natürlich Profi Martin Smolinski, der internationale Spitzenfahrer und Spitzensportler des MSCO, der das Rennen ebenfalls vor Ort beobachtet. Auch Bachhuber möchte mal wie Smolinski seine Profikarriere in Polen oder England starten. Die ersten beiden Läufe gewinnt er schon mal überlegen. Bachhuber wohnt in Obergriesbach bei Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg. Da ist für ihn Olching die erste Adresse für seine Speedway-Leidenschaft gewesen. Genauso wie für Celina Liebmann, die aus Kalteneck aus der Nähe von Wasserburg kommt. "Mein Vater war Eisspeedwayfahrer", erzählt Liebmann. Mit fünf Jahren sei sie schon auf einem kleinen Motorrad gesessen. Die 20-jährige Speedwayfahrerin ist 2017 in der 250-Kubikzentimeter-Klasse Vizeweltmeisterin gewesen. Sie fährt schon immer gegen die männliche Konkurrenz, weil es im Speedway keine Frauenrennen gibt. Coronabedingt ist die U 21-Meisterschaft erst ihr drittes Rennen in diesem Jahr. "Sonst haben wir 40 Rennen pro Jahr", berichtet sie. Auch bei ihr ist der Vater Jürgen Liebmann der Mechaniker. "Ich will unter die besten Sechs", formuliert Liebmann ihr Tagesziel. Am Ende belegt sie Platz fünf und ist zufrieden.

Erik Bachhuber erreicht ohne Probleme das Finale der besten Vier, muss aber dann mit dem vierten Platz vorliebnehmen. Der U 21-Titel geht an Lukas Baumann (MC Güstrow) vor dem erst 17-jährigen Titelfavoriten Norick Blödorn (AC Landshut Devils), der mit einem Kilometerschnitt von 85 km/h fast den Bahnrekord verbessert. MSCO-Vereinschef Ehrnböck freut sich schon auf die nächsten zwei Renntage im Oktober. Die Einnahmen hat der Verein dringend nötig, hat er doch erst 2019 mit 40 000 Euro in neue große Sicherheitsluftkissen an den Banden investiert. Der Verein hätte noch gerne mehr Nachwuchsfahrerinnen und -fahrer. Ehrnböck appelliert deshalb an die Kinder und Jugendlichen im Landkreis sich beim MSCO zu melden und Speedwayfahren mal auszuprobieren. Das Motorrad und die Ausrüstung würde der Verein für Anfänger zur Verfügung stellen.

© SZ vom 20.07.2021
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